Vohenstrauss: DJ besprüht Gäste mit Feuerlöscher - hoher Sachschaden und Haft bis zu 10 Jahren
"Vohenstrauß wird eskaliert"

Feuerwehr im Einsatz: Ein hoher Sachschaden und an die 30 Leichtverletzte waren das Ergebnis der Aktion des DJs in der Stadthalle Vohenstrauß. Bild: dob
Politik
Vohenstrauß
17.03.2015
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"O.k., es war sicher nicht schlau einen Pulverlöscher zu nehmen", postet Andreas über den DJ, der in Vohenstrauß seine Gäste mit einem Feuerlöscher besprühte. "Jede Woche kündigen Leute auf Facebook an, dass es eskaliert oder sie den Laden abreißen. Aber wenn's dann mal eskaliert, findet's jeder schlecht ..."

Ein schmaler Grat: Klar, (fast) jeder war mal jung und wollte Spaß haben. Grenzen austesten gehört dazu zum Erwachsenwerden. Wer Grenzen überschreitet, muss aber auch die Zeche zahlen. Und die könnte teuer werden für den 27-jährigen DJ, der die Feierlaune der 450 Gäste in der Vohenstraußer Stadthalle in der Nacht vom Samstag auf Sonntag jäh erstickte: mit einem sehr feinen Salzgemisch aus dem Feuerlöscher.

"Der Veranstalter hat eine erste Hochrechnung für den Schaden am technischen Equipment abgegeben", sagt Martin Zehent, Hauptkommissar von der Polizeiinspektion Vohenstrauß, der zusammen mit vier Kollegen ab 2.05 Uhr vor Ort war. "Man muss sehr vorsichtig sein bei so einer Schätzung, aber es wurde die Summe von 100 000 Euro genannt." Das Zerstörungspotenzial des Pulvers, das ein Rettungssanitäter als stark reizend aber immerhin "nicht giftig" klassifizierte, könnte sich als noch verheerender herausstellen: "Noch ist nicht alles inventarisiert", meint Zehent, "der Staub beschädigt jede Elektronik, möglicherweise auch die Strahler." Der Faschingsverein als Hausherr und der Veranstalter bemühten sich um ein schnellstmögliches Gutachten. "Wie bekomme ich meine Jacke zurück?", will ein junger Besucher auf Facebook wissen. "Du siehst sie nie wieder", kommentiert ein anderer diesen Kollateralschaden. Dabei sind das noch verhältnismäßig kleine Sorgen.

Schreie und Stürze

"Ich stand in der Mitte der Menge", habe ein Mädchen bei der Vernehmung ihr Erlebnis geschildert, "überall hysterische Schreie, man sah nichts mehr, die Leute schlugen sich Hände vors Gesicht, um die Atemwege zu schützen - einige stürzten, andere liefen über sie hinweg." Nicht jeder habe sofort kapiert, was die Ursache für den scharfen Geruch gewesen sei. "Manche dachten an einen Defekt oder eine besonderen Effekt der Nebelmaschine - bis dann die Atemnot auftrat."

Nur in den vorderen Reihen bekamen die Zuschauer mit, was sich abspielte - und auf mindestens einem Video dokumentiert ist: "Er tritt vor die Technik am Bühnenrand, gibt einen Stoß aus dem Feuerlöscher ab, wendet sich kurz zu den anderen DJs um - dann gibt er einen Flächenstrahl in die Menge ab." Die anderen drei DJs hätten nach den Erkenntnissen der Polizei nicht gewusst, was er vor hatte. "Wir hatten wahnsinniges Glück", macht der Polizist deutlich. "Die Stadthalle Vohenstrauß war noch der geeignetste Ort für eine aufkommende Panik." Ein ebenerdiger Saal mit großflächigen Zugängen, eine breite Fensterfront - kaum Hindernisse für die flüchtenden Jugendlichen. "Wenn wir das gleiche an einem Ort mit schmaler Treppe in den ersten Stock erlebt hätten, wären die Folgen nicht auszudenken."

War es eine spontane Aktion des Familienvaters - aus der Feierlaune heraus? Oder spricht ein Facebook-Posting, das inzwischen von der Party-Seite genommen wurde, für einen geplanten, misslungenen Scherz? "Gloria Feuerlöscher - wenn der Laden brennt oder die Stimmung kocht, immer die richtige Wahl." Dazu eine Fotomontage mit löschendem Feuerwehrmann und einem DJ, der einen Feuerlöscher schwenkt. Darüber der Schriftzug: "Stadthalle Vohenstrauß, heute wird eskaliert."

Strafmaß weit gefächert

"Es wäre reine Spekulation, wenn ich mich dazu äußern würde", vermeldet der Hauptkommissar. Man habe den Tatverdächtigen nur kurz kontaktieren können: "Er befindet sich noch im Krankenhaus, kommt aber wohl noch heute heraus." Nach derzeitigem Ermittlungsstand sei nicht von einer Mitverantwortung des Veranstalters auszugehen. "Es gibt keine Anhaltspunkte, dass an der Organisation etwas zu bemängeln ist." Im Fokus steht allein der Schallplattenunterhalter. "Wir ermitteln wegen gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung", präzisiert Zehent. "Das Strafmaß ist sehr weit gefächert - 6 Monate bis zehn Jahre."

Man müsse schauen, wie der Staatsanwalt das bewerte, sobald die Polizei alle Ermittlungsergebnisse vorgelegt habe. "Wir vernehmen Zug und Zug alle Geschädigten, momentan sind das noch 23", beschreibt der Polizist das weitere Vorgehen. "Dazu die Verantwortlichen der Stadt und des Faschingsvereins, sobald diese zur Schadenshöhe verlässliche Angaben machen können." Dann müsse man sehen, ob der Tatverdächtige Angaben mache und ob er sich rechtlich vertreten lasse. "Eine Frage wird sein - war es grobfahrlässiges oder vorsätzliches Verhalten, daran wird sich orientierten, ob eine Versicherung in welche Leistung geht." Derzeit bestehe aber kein Haftgrund.
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