Vohenstrauss: LOS-Selbsthilfegruppe hilft Drogensüchtigen
Wegweiser aus der Sucht

Manuel Woyschnitzka (Mitte) und Martin Lang (rechts) wollen mit ihrer LOS-Selbsthilfegruppe Abhängigen wie Kevin Bauer (links) in offenen Gesprächen Auswege aus der Sucht zeigen. Bild: tss
Politik
Vohenstrauß
16.01.2015
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Wege in eine Abhängigkeit von Alkohol oder Drogen gibt es viele. Wesentlich schwerer ist es, wieder aus der Sucht herauszufinden. Eine neue Selbsthilfegruppe in Vohenstrauß will dafür nun ein Wegweiser sein.

Vor einem halben Jahr haben Manuel Woyschnitzka und Martin Lang die LOS-Selbsthilfegruppe ("Leben ohne Sucht") gegründet. Beide haben einschlägige und leidige Erfahrungen gemacht. "Ich hatte damals niemanden, der mir geholfen hat", sagt Woyschnitzka. Er ist seit vier, Lang seit eineinhalb Jahren clean. Als ehemalige Betroffene können sie sich gut in die Lage von Abhängigen versetzen.

Manchmal unterschätzt

Allerdings scheint es fast unmöglich, das Drogenproblem in der Region in den Griff zu bekommen. Manchmal wird es sogar unterschätzt. Als die Gruppe auf der Suche nach einem Raum in Vohenstrauß war, sah Bürgermeister Andreas Wutzlhofer anscheinend keinen Bedarf für eine solche Selbsthilfeorganisation. Dabei vermutet Lang, dass es allein in der ehemaligen Kreisstadt bis zu 200 Crystal-Konsumenten gibt. Offiziell kann Erster Polizeihauptkommissar Martin Zehent diese "abenteuerliche Zahl" nicht bestätigen. Für den gesamten Altlandkreis dürfte zu dieser Hausnummer jedoch nicht viel fehlen, räumt der Inspektionsleiter ein.

Crystal-Konsum von 2013 bis 2014 um 300 Prozent gestiegen

Denn von 2013 bis 2014 ist der Crystal-Konsum in der Region um 300 Prozent gestiegen, weiß Kevin Bauer, der ebenfalls Mitglied der Selbsthilfegruppe ist. Weitere "auffällige Gemeinden" sind Eslarn, Moosbach und Waidhaus, informiert Zehent. In einem Radius von 30 Kilometern, dem sogenannten ersten Fahndungsbereich, kontrollieren Vohenstraußer Beamte sowie Bundespolizei, Zoll und die Polizeiinspektion Fahndung aus Waidhaus besonders intensiv. Auch die Zusammenarbeit mit den Kollegen in Tschechien funktioniert mittlerweile gut, berichtet der Dienststellen-Chef.

Bald auch in Waidhaus

Die Arbeit ist jedoch mühsam, schließlich können Abhängige nicht zum Entzug gezwungen werden. "Zu einer Selbsthilfegruppe traut sich von selbst zunächst keiner zu kommen", weiß Woyschnitzka. Er und seine Mitstreiter haben im evangelischen Gemeindehaus Unterschlupf gefunden. Dort versammeln sich mittlerweile sechs Personen regelmäßig, zwei davon unterziehen sich derzeit einer Therapie. In Weiden gehören fünf Leute der LOS-Gruppe an. Dort sind die Räume bei der Caritas allerdings nur noch bis Ende Januar verfügbar. Mitte Februar soll es daher nach Waidhaus gehen.

Keine Angst haben

"Viele wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen. In der Gruppe gibt es offene Gespräche unter Betroffenen, die die Situation gut verstehen. Daher braucht niemand Angst zu haben, zu uns zu kommen. Wir haben es aus der Sucht geschafft, wollen anderen helfen und ihnen den Weg zeigen. Wir hoffen, dass wir ein bisschen was verändern können. Wenn einer weniger etwas konsumiert, ist das auch schon ein Erfolg", meint Woyschnitzka. Die LOS-Selbsthilfegruppe trifft sich etwa alle zwei Wochen donnerstags im evangelischen Gemeindehaus. Weitere Auskünfte gibt es bei Woyschnitzka, Telefon 0170/2346658.

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Weitere Informationen per E-Mail:

Manuel.Woyschnitzka@googlemail.com
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