Weihnachtsbesuch bei der Polizeiinspektion und dem Rotkreuzhaus Vohenstrauß
Zwei schwere Brocken

Politik
Vohenstrauß
29.12.2014
11
0

Politiker schauten auch heuer zum Weihnachtsbesuch vorbei, bekamen aber meist wenig schöne Dinge zu hören. Ein Jahr der Extreme geht bei der Polizeiinspektion zu Ende. Auch im Rotkreuzhaus gab es besorgte Mienen.

Erster Polizeihauptkommissar Martin Zehent nutzte den Politikerbesuch für eine klare Aussage, denn die Dienststelle hat mit vielen Problemen zu kämpfen. Die Politikerrunde mit Bundestagsabgeordnetem Albert Rupprecht und Landtagsabgeordneter Petra Dettenhöfer sowie Kreis- und Ortsvertretern verschlug es dabei offenbar die Sprache, denn ganz still saßen die Parlamentarier am Tisch, auf dem vier Adventskerzen brannten.

Extreme deshalb, weil die Dienststelle die Sicherheit rund um das Polizeigebäude verbessern konnte. Knapp 100 000 Euro wurden dafür bereitwillig investiert. Eine Notausfahrt wurde bewilligt, das neu eingebaute Tor entspreche den Anforderungen ebenso wie die wie die Videoüberwachung. Der Fuhrpark wurde durch einen neuen BMW der 5er Baureihe und einem BMW X-3 aufgerüstet. "Es könnte so schön sein", sinnierte der Polizeichef. Wäre da nicht der geplante Stellenabbau, der als Damoklesschwert über der Dienststelle kreise. Zehents Hoffen liegt nun bei Innenminister Joachim Herrmann, dem kürzlich mehr als 5000 Unterschriften von Bürgern aus der Region übergeben wurden.

Delikte nehmen zu

Der Personalstand sei besorgniserregend und so niedrig wie seit Anfang der 90er Jahre nicht mehr. Und das, obwohl Einbrüche in Wohnungen oder Fischerhütten und Scheunen zunehmen. Hinzu kämen die vielen Betrugsdelikte und rumänische Bettelbanden, die die Bevölkerung verängstigten. "Die Sollstellenverlagerung tut weh, wir sind am Existenzminimum angelangt." Das Durchschnittsalter seiner Beamten liege bei 51 Jahren. Zwei Beamte würden bereits reichen, um die Situation zu verbessern. "Die Aussicht auf 2015 ist nicht gerade rosig." Zehent sagte, seine Leute leisteten eine super Arbeit, würden in Krankheitsfällen kameradschaftlich aushelfen und Schichten übernehmen. Bürgermeister Andreas Wutzlhofer formulierte drastisch: "Wenn die Pensionsabgänge nicht mehr besetzt werden, dann sperren wir die Fensterläden zu." Albert Nickl gab preis, dass er von einem Vertreter im Polizeipräsidium Oberpfalz erfahren habe, in der Vohenstraußer Dienststelle stünden aktuell nur 24 Beamte zur Verfügung.. "Eine schlimme Entwicklung", erkannte der Politiker. Trotzdem versicherte Nickl: "Die Bevölkerung braucht euch." Mut und Zuversicht versuchte ebenso Petra Dettenhöfer zu vermitteln. Sie werde noch einmal im Innenministerium nachhaken und darauf pochen, dass die neuesten Zahlen in die Entscheidung einfließen.

Besorgte Mienen kennzeichneten auch den Besuch im Rotkreuzhaus. Die drohende Verlagerung des Rettungswagen-Standorts nach Lohma treibt die Verantwortlichen um. Der Zuspruch aus der Bevölkerung ist auch beim BRK riesig. "Gott sei Dank haben wir einen energischen Bürgermeister, der ein neues Gegengutachten in Auftrag gegeben hat", erklärte Wachleiter Martin Putzer.

Die Entscheidung vor der Schiedsstelle in München falle am 16. Januar 2015. In diesen Tag setzten die BRK-Mitstreiter große Hoffnungen. Staunend verfolgten die politischen Gäste die Auflistung von Tausenden Ehrenamtsstunden und leisteten spontan Applaus. Diese Schlagkraft würde durch die Verlagerung des Rettungswagen-Standorts empfindlich gestört, sind sich die Rotkreuzler sicher. Bundestagsabgeordneter Albert Rupprecht erkannte sehr schnell: "Ihr in Vohenstrauß seid schon ganz was Besonderes." Hätte sich der Bürgermeister nicht so vehement eingesetzt, wäre die Standortverlagerung schon längst beschlossene Sache, sagte der stellvertretende Chefarzt des Kreisverbandes Weiden und Neustadt/WN, Dr. Richard Pruy.

Dettenhöfer gab er ein ganzes Paket an Ratschlägen mit nach München. Für entsprechende Gutachten müsse eine längere Zeitspanne zur Verfügung stehen, und die Entscheidungsträger sollten sich die Örtlichkeiten genau anschauen. Von der Ferne aus am runden Tisch die Sache zu beurteilen, würde der Ehrenamtlichkeit massiv schaden, kritisierte Dr. Pruy.

Lediglich im Krankenhaus gab es heuer zufriedene Gesichter, leise Töne und für den Bundestagsabgeordneten eine Spritze. Im Vorbeigehen verabreichte Dr. Heinrich Gref dem Politiker eine Vitamininjektion, die dieser im Handgepäck dabei hatte. Im Namen des Klinikvorstands Josef Götz hieß Martin Neuhaus, Hauptabteilungsleiter Personalwesen, mit Regionalleiter Alois Meindl und den Belegärzten Dr. Heinrich Gref und Dr. Sinisa Markovic sowie im Beisein von Dr. Vladimir Smirnov die CSU-Delegation im Foyer des Hauses vor dem Christbaum willkommen.

Fraktionssprecher Stephan Oetzinger dankte für die Arbeit, die hier geleistet werde. Die Klinik in Vohenstrauß sei ein wichtiges Rädchen im Klinikverbund, so Neuhaus. Der Erfolg dieses Krankenhauses begründe sich in der Belegarzt-Struktur. Zwar fahre die Klinik ein leichtes Minus ein, erreiche aber unter sieben Häusern einen hervorragenden dritten Platz. Das Haus erfahre durch die Bevölkerung hohe Akzeptanz. Eine weitere Erfolgsgeschichte sieht Neuhaus im betreuten Wohnen im ehemaligen Schwesternwohnheim. Die Nähe zum Krankenhaus sei dafür vermutlich entscheidend. Sämtliche Wohnungen sind entweder verkauft oder vermietet.

Wohnortnahe Versorgung

Die wohnortnahe Versorgung, die man durch den Erhalt des Krankenhauses erreichen wollte, sei sichergestellt. Auch deshalb, weil die Mitarbeiter hoch engagiert seien. "Wir versuchen, den Standort so lange wie möglich zu halten", versicherte Neuhaus. "Ein kleines Haus mit kurzen Wegen und einer anderen Personalstruktur wie in größeren Kliniken", sieht Dr. Heinrich Gref in der Anlage. Er hob sehr gute Zusammenarbeit auf allen Ebenen hervor.

"Keine Cash-cow"

"Es ist schön zu hören, dass wir auf einem Stockerl stehen", freute sich Wutzlhofer. "Mir ist klar, dass das Haus keine Cash-cow (Geldkuh) ist." Der Rathauschef bezeichnete die vor Jahren vollzogene Trennung der Krankenhäuser vom Landkreis und den Zusammenschluss im Klinikverbund als richtigen Schritt. Die Bevölkerung verspüre durch das Krankenhaus vor Ort ein hohes Sicherheitsgefühl. "Die Zusammenarbeit zwischen dem Klinikum Weiden und dem Vohenstraußer Haus funktioniert", sagte Alois Meindl.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.