200 Jahre Forstrechtsablöseverband Waldau
Honig, um den Mineralverlust auszugleichen

Akribisch und mit viel Herzblut leitet Hubert Krapf aus Erpetshof den Forstrechtsablöseverband. Bild: dob
Vermischtes
Vohenstrauß
17.10.2016
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Die Reise des Forstrechtsablöseverbands "Zeit'lwaid" mit Sitz in Waldau begann 89 nach Christus, holte Vorsitzender Hubert Krapf bei der 200-jährigen Gründungsfeier in der Stadthalle weit aus. "Damals kamen die Templer in unser Gebiet, um es zum Christentum zu führen."

Zuvor erklärte er die Rechte der Nutzer, die sich auf ein viertel, ein halbes und ein ganzes Recht sowie auf Schürfrechte beziehen. Gegründet wurde der Forstrechtsablöseverband, als Bayern noch ein Königreich war. Damals noch "Zeit'lweide" genannt. Der Name stamme von einer Bienenweide ab, nach der der Verband benannt wurde. Um 1300 erhielt die Stadt Nürnberg das viertel Recht von Frankreich und den Namen für dieses Gebiet "Zeit'lweide", zu dem die enorme Honigproduktion zur Sicherung der Honigversorgung in der Stadt diente.

Glashütten von Waidhaus


Krapf wusste auch wie die "Zeit'lweide" schließlich in den Besitz der Waldauer Schlossherren kam. Bevor der letzte Templer vom König "Philipp den Schönen" aus Frankreich umgebracht wurde, setzte er schriftlich in einem Testament fest, dass für dieses Gebiet "Heinrich der Waldowe" im Jahr 920 rechtmäßiger Besitzer wurde, was nachfolgend auch vom Vatikan bestätigt wurde.

"Ausgeführt über einen Tempelritter Namens Ulrich, jedoch das viertel Recht für die Stadt Nürnberg bleibt", heißt es in den Überlieferungen. Dieses viertel Recht ist von der Stadt Nürnberg an den Besitzer der Waldauer Schlossherren, an Pfalzgraf Friedrich, 1480 gegen Geld verkauft worden. Sieben Jahre später erwarb der Pfalzgraf von den Waldauer Schlossherren ein halbes Recht dazu. Die Arbeiter, die in den Glashütten von Waidhaus tätig waren, brauchten durch die enorme Hitze den Honig als Mineralverlustausgleich für ihren Körper. Den lieferte die "Zeit'lweide". Um 1500 gingen die Bauern in die Leibeigenschaften über und mussten für die Waldauer Schlossherren arbeiten bis Napoleon kam.

Baron Rummel plünderte den gesamten Schlossbesitz und ließ nur den "Trüffelschlag", das "Tellertspaintholz" und die "Zeit'lweide" übrig. Als wirkliche Gönner schrieben sich die Freiherren Ernst und Hans von Lilien in die Geschichte ein. Der Druck durch Napoleon und Entlassung der Zünfte und Bauern aus der Leibeigenschaft bewirkten, dass die Waldkomplexe als Entschädigung für die Arbeit im Schloss Waldau und die betuchten Bauern durch Kauf Holzrechte bekamen. "So entstand 1816 der Forstrechtsablöseverband Zeit'lwaid Waldau".

Die Verwaltung für den Verband führten die Schlossherren selbst aus und die Aufsicht oblag den Freiherren Ernst und Hans von Lilien. Die Waldförster waren im Schlosshaus untergebracht. Nachdem von Lilien verkauft hatte, kam Freiherr von Imhof als Besitzer auf das Schlossgut, wusste Krapf. Die Schlossherren gerieten kurz vor der Jahrhundertwende in finanzielle Schieflage. Verschiedene Firmen, von denen sich die Schlossherren Geld borgten, verkauften Acker, Wiesen und Wälder an die Bauern bis sie ihr geliehenes Geld wieder in der Tasche hatten. Dadurch seien die Rechtler um 93,75 Tagwerk Holz beraubt worden, brachte Krapf durch seine Recherchen heraus. Außerdem ließen sich zu dieser Zeit die Ober- und Unternankauer Rechtler durch Bargeld abfinden.

Vor Gericht gezogen


Da die Verwaltung damals bei den Schlossbesitzern lag und die Gesetze der Monarchie galten, sind die "Zeit'lwaidler" in die Säkularisation gesetzt worden, so dass ein Drittel der Waldungen den Schlossherren gehörten. Daraufhin taten sich die Rechtler zusammen, und unter Führung von Krapfs Urgroßvater, Josef Krapf Ökonom zu Erpetshof, traten sie vor das Gericht in Vohenstrauß.

So gab es am Josefitag, am 19. März und am 20. März 1901 einen gerichtlichen Vergleich mit eingetragener Satzung. Ab diesem Zeitpunkt wurde ein Vorstand von den Rechtlern eingesetzt. Nachdem die Nationalsozialisten die Herrschaft in Deutschland übernommen hatten, wurde die Aufsicht dem Forstamt Vohenstrauß übertragen. 1964 wurde dies durch das Oberverwaltungsgericht München revidiert und durch ein gerichtlich anerkanntes Urteil rechtmäßig. "Das ist bis heute so und das bleibt auch so", bekräftigte Hubert Krapf unter dem Beifall der Gäste. Mittlerweile wurde der frühere Begriff "Zeit'lweid" auf "Zeit'lwaid" umgeschrieben.
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