300. Weihetag der Kalvarienberg-Kapelle
Schmuckes Kleinod

Am Kirchweihsonntag feiern die Oberlinder den 300. Weihetag der Kalvarienbergkirche mit einem feierlichen Gottesdienst.
Vermischtes
Vohenstrauß
14.10.2016
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Die Oberlinder haben die Kalvarienberg-Kirche für den 300. Weihetag herausgeputzt. Bild: dob

Am Kirchweihsonntag, 16. Oktober, steht mit dem 300-jährigen Weihejubiläum der Kalvarienberg-Kirche für Oberlind ein großer Jubeltag ins Haus. Die historischen Kenntnisse von der Erbauung der Kapelle reichen sogar noch etwas weiter zurück.

Oberlind. So erlaubte am 8. August 1716 das Domkapitel zu Regensburg dem damaligen Provisor der Pfarrei Vohenstrauß, die "neu erpaute Capellen auf dem sogenannten Calvari Berg bey Lindt simplius zu benedicieren nach Anweisung deß Rituals". In dem Kirchlein lasen die Vohenstraußer Kapuzinern Votivmessen.

Bald aber entwickelte sich eine große Wallfahrt zu dem in der Kapelle aufgestellten Bild der "Schmerzhaften Muttergottes", so dass die alte Kapelle die große Zahl an Gläubigen nicht mehr fassen konnte. Dr. Volker Wappmann arbeitete die Geschichte auf. Die Umstände, die die Wallfahrt auf dem Kalvarienberg auslösten, liegen im Dunkeln. Zwar gibt es keine historisch belegbaren Tatsachen, allerdings hat sich die Sage der Vergangenheit angenommen.

Graf aus Böhmen


So heißt es von einer Erweiterung: "Es war im Jahre 1777. Da fuhr eines Tages ein Graf aus Böhmen über die Grenze nach Bayern heraus. Plötzlich scheuten die Pferde und gingen durch. In rasendem Galopp durchmaßen sie eine große Strecke. Der Graf und sein Kutscher gaben sich bereits verloren. Plötzlich hielten die Pferde an. Erstaunt blickte der gerettete Graf um sich. Da sah er in nächster Nähe eine Kapelle. Er schickte den Kutscher hin und ließ fragen, welchem Heiligen die Kapelle geweiht sei. Die Antwort lautete: Der 'Schmerzhaften Muttergottes'."

Aus Dankbarkeit ließ der Graf die Kapelle zum Kirchlein erweitern. Der für Oberlind zuständige Pfleger von Tännesberg-Treswitz, Franz Christoph Reisner von Lichtenstern auf Altenweiher, sah sich auf Bitten des Vohenstraußer Provisors P. Benedictus veranlasst, am 21. Juni 1736 bei der Regierung in Amberg um die Erweiterung der Kapelle anzuklopfen.

Bauplan geändert


Allerdings meldete die Regierung einige Bedenken an. So befand sich die alte Kapelle zwar auf dem Territorium des Pflegamts Tännesberg, aber der Besitzer des Grundstücks, auf dem die Kapelle stand, war ein Untertan des Pfalzgrafen von Sulzbach. Der erste eingereichte Erweiterungsplan wurde deswegen verworfen. Dieser sah einen an die alte Kapelle angebauten Kirchenraum vor, dessen Grundriss aus einem Ring von drei Ovalen bestand.

Erst nach einem Vergleich mit dem Grundstückseigentümer und einer Änderung des Bauplans gab die Regierung am 22. Mai 1737 grünes Licht, heißt es im Kirchenführer, den der Heimatkundliche Arbeitskreis 2000 als 22. Streifzug herausgegeben hatte. Nach Ausweis des neuen Bauplans entstand die Kalvarienbergkapelle bereits damals in ihrer heutigen Größe. Das heißt, an die alte Kapelle, die nun als Presbyterium diente, wurde ein quadratischer Anbau gefügt. Doch die neue Kapelle war offenbar nicht sehr dauerhaft, denn 1775 erfolgte wiederum ein Neubau, allerdings unter Verwendung alter Bauteile. So ist heute noch in einem Weihwasserkessel die Jahreszahl 1734 zu lesen. Er muss demnach also noch aus der alten Kapelle stammen.

Seit damals erhielt das Kirchlein fast keine baulichen Veränderungen mehr. Lediglich eine Mariengrotte wurde 1904 noch angebaut. Links davor wurden im Zuge der vorletzten Renovierung zwei Grabsteine an die Wand des Gotteshauses gemauert, die früher im Pflaster des Kircheninneren lagen.

Zwei Kapuzinerpatres


Ihre abgetretenen Inschriften erinnern an zwei Vohenstraußer Kapuzinerpatres, die im Presbyterium der Kapelle begraben liegen: Pater Basilius aus Koppenwald und Pater Gratian aus Schwandorf. Der Zweite Weltkrieg forderte auch von der Kalvarienbergkapelle große Opfer. Am 8. April 1942 kamen Handwerker und nahmen die beiden Glocken ab, die einst nach dem großen Vohenstraußer Brandunglück 1763 Frau von Schwesinger aus dem böhmischen Ströbl den Vohenstraußern geschenkt hatte, und die später in den Dachreiter der Kapelle kamen. Am selben Tag wurde auch die große Glocke der St.-Thomas-Kirche in Oberlind abgenommen.

"1. Lindta Bergfest"


Heute pilgern die Wallfahrer an den Bitttagen vor Christi Himmelfahrt zum Kirchlein. Von 1990 bis 1994 haben die Oberlinder das Gotteshaus mit dem damaligen Stadtpfarrer Franz Winklmann und Kirchenpfleger Oswald Uschold renoviert. Zum Abschluss gab es am 5. Juni 1994 das "1. Lindta Bergfest".

Die Katholische Pfarrgemeinde Oberlind setzte am Sonntag, 25. Juli 1999, zu Ehren von Professor Dr. Dr. Josef Schmucker in einem Gottesdienst mit Stadtpfarrer Winklmann und im Beisein des Missionars Pater Georg Messer einen Gedenkstein in der Kirche, der an den großen Wohltäter dieser Kapelle erinnert. An ihn, genauso wie an alle anderen Verstorbenen, werden sich die Gläubigen bei der Feier am Sonntag um 8.30 Uhr erinnern.
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