Abschied von Sebastian Scherr
Kaplan mit Symbolcharakter

Die Jugendlichen lassen "ihren" Kaplan nur ungern ziehen. Sie haben sich mit Sebastian Scherr, der manchmal ganz pragmatisch und unkonventionell handelte, bestens verstanden.
Vermischtes
Vohenstrauß
27.07.2016
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Der evangelische Stadtpfarrer Peter Peischl hatte in den vergangenen drei Jahren viele ökumenische Berührungspunkte mit Kaplan Sebastian Scherr. Ein Playmobil-Luther soll ihn an diese Zeit erinnern.

Kaplan Sebastian Scherr ist den Vohenstraußer in den drei Jahren seines Wirkens ans Herz gewachsen, und das nicht nur wegen eines ganz besonderen Engagements. Nun hieß es Abschied nehmen.

Wenn ein Kaplan selbst das gestandene Mannsbild Hans Bayerl, besser bekannt als "Linglmühlner", bei Vorbereitung des Ministrantenzeltlagers ins Schwitzen bringt und fast zur Verzweiflung treibt, dann muss es sich schon um ein besonderes Exemplar handeln. Scherr kroch unter großen körperlichen Einsatz in den alten Backofen an der Linglmühle und räumte ihn aus, damit er rechtzeitig vor Beginn des Zeltlagers renoviert werden konnte.

Beliebter Seelsorger


Nach dieser Aktion ließ Bayerl das gute alte Stück wieder herrichten. "So kann man heute Jugendarbeit prägen", meinte Bürgermeister Andreas Wutzlhofer lächelnd bei der Verabschiedung des überaus beliebten Seelsorgers, der sich in den vergangenen drei Jahren in die Herzen der Pfarrangehörigen geschlichen hatte. Das Stadtoberhaupt brachte einen Bildband über die Region mit, damit er die Pfalzgrafenstadt nicht vergisst.

Der evangelische Stadtpfarrer Peter Peischl sorgte für Erheiterung als er feststellte, dass Scherr in Roding nur mehr einen Kirchturm vorfinde. Mit dem Kaplan gab es viele Berührungspunkte in der Schule oder bei ökumenischen Veranstaltungen. Peischl überreichte eine Luther-Figur von Playmobil, die zum 500. Jahrestag der Reformation 2017 entworfen wurde.

Nur ungern lassen ihn vor allem die Jugendlichen ziehen, aber auch die älteren Semester werden den agilen, sportlichen Kaplan schwer vermissen, denn auch ihnen war er ein respektvoller und guter Zuhörer. In den vergangenen Jahren begegnete einem der drahtige junge Mann oft in aller Herrgottsfrüh beim Joggen oder mit dem Rad.

Am Sonntag feierten sehr viele Gläubige mit ihm den Abschiedsgottesdienst in der Stadtpfarrkirche. Der Regensburger hat viele nachhaltige Akzente in der Pfarreiengemeinschaft gesetzt. Dekan Alexander Hösl durfte den Kaplan als einen Menschen kennenlernen, der breit aufgestellt ist: Sportlehrer, Betriebshelfer, Gärtner und Seelsorger. Für seine neue Wirkungsstätte in Roding wünschte ihm der Dekan viele Freude. "Ich wünsche dir eine gute Hand, viel Sensibilität und Empathie für die dir anvertrauten Menschen und eine gesegnete Zukunft mit deinem neuen Chef, Dekan Holger Kruschina."

Nach der Messe versammelten sich alle, die sich persönlich verabschieden wollten, im Pfarrheimsaal. Im Gedächtnis blieb Pfarrgemeinderats-Vorsitzendem Dr. Manfred Bauer, dass Scherr hin und wieder zur Predigt auf die Kanzel gestiegen war. Für ihn hatte das Symbolcharakter. "Trau dir weiter zu, dich zu exponieren, sowohl im als auch außerhalb des Gotteshauses. Sei mit deinem Eifer ein Vorbild, um andere zu inspirieren, damit diese den Mut finden, entschlossen für den christlichen Glauben einzutreten." Dr. Bauer gab Scherr die Kardinalstugenden von Thomas von Aquin mit auf seinem zukünftigen Lebensweg: "Klugheit, Gerechtigkeit, Mäßigung und Tapferkeit sowie Mut."

Die Jugendlichen verpackten verschiedene Utensilien und verbanden diese mit guten Wünschen. Scherr war von den vielen Ehrerweisungen sichtlich angetan. "Wo es gut ist, da ist Heimat", genau das habe er in Vohenstrauß gespürt, bekannte er. Für das unkomplizierte Miteinander in den Verbänden der Pfarrei, sagte er allen ein herzliches "Vergelt's Gott".

Richtige Familie


Hilfsbereitschaft und Unterstützung spürte er auch bei den Mesnerleuten in allen Kirchen. Weiter dankte er den Sekretärinnen Monika Herrmann und Gisela Lang für den grenzenlosen, hilfsbereiten Rückhalt. Pfarrhauswirtschafterin Marianne Schopper und deren Ehemann Hans sorgten dafür, dass er nicht mit Dekan Hösl alleine vor der Suppenschüssel im Pfarrhaus saß. "Dank euch waren wir im Pfarrhof eine richtige Familie. Ich werde nicht nur euch vermissen, sondern alle, die mir in dieser kurzen Zeit ans Herz gewachsen sind." Der Waldauer Gospel-Chor unter Leitung von Hans Josef Völkl begleitete den Gottesdienst und den Pfarrheimfestakt.

Ich werde nicht nur euch vermissen, sondern alle, die mir in dieser kurzen Zeit ans Herz gewachsen sind.Kaplan Sebastian Scherr
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