Auf der Suche nach Organisten
Alle Register für Nachwuchs ziehen

Wenn sich Lehrmeister Hans-Josef Völkl an das Harmonium in der Burgtreswitzer Dorfkirche setzt, schauen ihm seine Schützlinge Stefanie Kurzka, Agnes Wurzer, Julia Duschinger, Florian Eckl, Hans-Josef Völkl, Anna Bäumler und Maria Zinkl (von links) gerne über die Schulter.. Bild: dob
Vermischtes
Vohenstrauß
05.01.2016
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In vielen Gotteshäusern stehen Orgeln in allen Größen und Variationen als vielgepriesene Königinnen der Instrumente. Oft für viel Geld neu angeschafft oder aufwendig restauriert. Allerdings werden die Organisten langsam rar.

Burgtreswitz. "Die Kirchen im Dekanat haben ein gravierendes Problem: Ihnen gehen die Organisten aus", sagte Hans-Josef Völkl. Inzwischen ist der Chorleiter des Waldauer Kirchen- und Gospelchors Woche für Woche im ganzen Dekanat Leuchtenberg unterwegs, um die Gläubigen bei Gottesdiensten zu begleiten oder bei Beerdigungen zu spielen.

Nur A-capella-Gesang


Man muss sich die Situation einmal genau vorstellen: Es ist Sonntag und der Gottesdienst beginnt. Als der Pfarrer ein Lied anstimmen will, bleibt es auf der Empore still. Keine Orgelmusik ertönt. Es bleibt nur der A-capella-Gesang der Kirchenbesucher. So oder ähnlich ist es bestimmt schon überall passiert, denn es gibt viel zu wenig Organisten.

Das Instrument ist eng mit der Kirche verbunden. Das bedeutet in der heutigen Zeit aber nicht nur Segen. Engpässe gebe es immer wieder. Darum ist Völkl stolz, wenigstens einige junge Talente entdeckt zu haben. Besonders prekär sei die Lage gewesen, als der ehemalige hauptamtliche Vohenstraußer Kirchenchordirektor Wolfgang Hiltner nach Schrobenhausen wechselte, berichtet der Burgtreswitzer. Plötzlich war die Stelle verwaist und auch die Ausbildung einiger Nachwuchsmusiker abrupt beendet. "Da sind wir regelrecht auf dem Schlauch gestanden."

Damals hat er die Initiative ergriffen und die Ausbildung übernommen, um den Notstand etwas abzufedern. Heute spielen die Nachwuchsorganisten im gesamten Dekanat, eilen von Gottesdienst zu Gottesdienst. "Ich habe schon einen richtigen Stamm an Organisten gewonnen, die alle einsatzfähig sind und eigenständig spielen." Jüngstes "Küken" ist die 14-jährige Anna Bäumler aus Vohenstrauß. Sie setzt sich schon einmal im Trikot des FC Bayern München ans Instrument, was Völkl als echter 1860er-Fan gar nicht so gerne sieht. Bei ihm ist das "Löwen"-Emblem sogar am heimischen Christbaum zu entdecken.

Das eigentliche Problem erkennt Völkl oft in der älteren Organisten-Generation. "Die ließen keinen Jüngeren an das Instrument." Ein weiterer Grund für zu wenig Organisten liegt sicherlich in der stärkeren zeitlichen schulischen Belastung in Ganztagsschulen oder dem G-8-Gymnasium. Für Musik bleibt da nicht mehr viel Zeit. Als Organisten müssen die jungen Leute viel Leidenschaft, Ausdauer, Disziplin, Durchhaltevermögen, Fleiß, Ehrgeiz und vor allem Geduld, die unabdingbar ist, mitbringen. Spaß allein reicht bei weitem nicht aus.

Völkl versteht sich eigentlich nur als Coach für die Gruppe, die sich relativ eigenständig aus dem Team heraus selbst organisiert. Im viermonatigen Turnus treffen sich die Mitglieder und schreiben sich in von ihm vorbereiteten Listen ein, wann sie einsatzbereit oder verhindert sind. Einige seiner Schützlinge leiten bereits schon wieder eigene Kinderchöre oder eine Schola, die sie ohne sein Zutun und aus Eigeninitiative gründeten, ist der Burgtreswitzer stolz.

Deswegen will er ihnen auch mit dieser Öffentlichkeitsarbeit einmal Anerkennung entgegenbringen. Denn bei Gottesdiensten kommen die Organisten in der Wahrnehmung eher zu kurz. Für viele Geistliche und Gläubige ist der Dienst Woche für Woche eine Selbstverständlichkeit und wird gar nicht so wahr genommen. "Ohne meine Leute würde längst in den Kirchen nichts mehr laufen", ist sich Völkl sicher.

Geteilte Gottesdienste


Miteinander kommen die Organisten sehr gutes aus, jeder springt für jeden ein. "Weihnachten wurde von euch wieder top gemeistert", lobt der Burgtreswitzer die Gemeinschaft. Immerhin ist mittlerweile die Hälfte der Organisten im Dekanat Leuchtenberg unter 35 Jahren. Wenn sich Gottesdienste überschneiden, kann es schon vorkommen, dass einer der jüngeren Musiker den ersten Teil übernimmt, bis dann Völkl aus einer anderen Kirche herbeieilt und die Lieder bis zum Schluss spielt.

"Katharina Grötsch aus Burkhardsrieth sitzt mit drei kleinen Kindern und einem Bauernhof auch noch Sonntag für Sonntag an der Orgel." Vor dieser Leistung zieht er den Hut, weist Völkl auf die 30-jährige Mutter hin. Nicht selten kommt es vor, dass ein Organist an einem Wochenende bis zu drei Mal im Einsatz ist.

Natürlich ist man immer ein wenig aufgeregt. Jedenfalls ist das Instrument nicht über Nacht zu lernen. Der Pianist Rubinstein soll einmal gesagt haben: "Die Begabung macht an der Orgel nur zehn Prozent aus, der Rest ist Übung." Vielleicht erwachen die musikalischen Schätze in den Kirchen ja doch wieder zu noch mehr Leben. (Zur Person)
Ohne meine Leute würde längst in den Kirchen nichts mehr laufen.Organist und Chorleiter Hans-Josef Völkl


Acht Frauen und ein MannDie Organisten für die Pfarrei Tännesberg, Waldau, Böhmischbruck, Kleinschwand, die Kreuzberg-Kirche in Pleystein und Burkhardsrieth hatten sich bei Hans-Josef Völkl zu einem geselligen Abend getroffen. Dabei sprachen sie die Dienste in den Pfarreien des Dekanats Leuchtenberg ab.

Teilnehmer waren Anna Bäumler aus Vohenstrauß (14 Jahre), Rita Siller aus Spielhof (45), Julia Duschinger aus Weiden (22), Daniela Bock aus Moosbach (30), Stefanie Kurzka aus Böhmischbruck (22), Florian Eckl aus Waldau (16), Maria Zinkl aus Tännesberg (23), Agnes Wurzer aus Kleinschwand (23) und Katharina Grötsch aus Burkhardsrieth (30).

Unter den Organisten sind ganz unterschiedliche Berufsbilder zu entdecken, wie eine Steuerfachwirtin, eine Angestellte im Job-Center oder eine Rechtsfachwirtin. Zudem befindet sich unter den Musikern eine Doktorandin für Chemie, ein Schülerin und ein Regensburger Domspatz. (dob)

Regelmäßig an der Orgel

Burgtreswitz. (dob) Hans-Josef Völkl ist C-Kirchenmusiker und musiziert seit seinem siebten Lebensjahr. Seine Ausbildung hat er beim ehemaligen Diözesanmusikdirektor Georg Zimmermann aus Eslarn begonnen. Als er seine Schulzeit absolvierte, genoss er die Ausbildung von Paul Windschüttl an der Landkreismusikschule in Cham und ließ sich danach an der Berufsfachschule für Musik in Plattling zum Kirchenmusiker ausbilden. Erst danach ist er in seinen eigentlichen Beruf gewechselt. Völkl ist Zollbeamter für Finanzkontrolle Schwarzarbeit.

Der 45-jährige begleitete im Mai 1983 als 13-Jähriger das erste Mal eigenständig einen Gottesdienst in der Moosbacher Kirche. Seither sitzt der zweifache Familienvater regelmäßig an den Orgeln in der Region. Hauptsächlich in der Benefiziumskirche St.-Johannes-Nepomuk in Waldau und in der Filialkirche Böhmischbruck, aber auch aushilfsweise in anderen Gotteshäusern.
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