Auftakt des Reformations-Jubiläums in Vohenstrauß
Tesa hält Luthers Thesen

Es ist eröffnet: Stadtpfarrer Peter Peischl bringt die erste von Martin Luthers Thesen am Portal der evangelischen Stadtkirche an. Jede Woche folgt ein Jahr lang eine neue. Bild: dob
Vermischtes
Vohenstrauß
03.11.2016
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Zum Auftakt des Luther-Jahrs im Gedenken an den 500. Jahrestag der Reformation setzt Stadtpfarrer Peter Peischl ein großes Zeichen. Wie 1517 Martin Luther schlägt der Vohenstraußer die erste These an das Portal der Stadtkirche.

(dob) Allerdings fehlte der Hammer, Peischl benutzte lieber Klebebänder, um die Kirchentür nicht zu beschädigen. "Da unser Herr und Meister Jesus Christus sagt: Tut Buße (Matthäus 4,17), wollte er, dass das ganze Leben der Gläubigen Buße sein sollte", steht auf dem bewusst schlicht gehaltenen Plakat. Voraussichtlich jeweils am Montag sollen die Thesen ausgetauscht werden.

Dekan Dr. Wenrich Slenczka aus Weiden schickte Pfarrer Peischl eine Auswahl der 95 Thesen. Es sind 52 Blätter, die Woche für Woche wechselnd an die Kirchentür kommen werden. Man merke bei den Thesen, dass Luther erst am Anfang seines Wegs stand. Manchmal klingen die Worte etwas seltsam, meinte der Weidener Dekan. Doch der Anschlag soll großes Interesse der Gläubigen wecken.

Jahrzehntelange Forschung


499 Jahre ist es her, dass Martin Luther seine berühmten 95 Thesen an die Wittenberger Schlosskirche gehämmert haben soll. "Dieser Tag gilt als Startschuss der Reformation und als eine Art Urknall der Neuzeit." Wie die Sache ganz genau lief, weiß man nicht. Nach jahrzehntelangen Forschungen lässt sich immerhin sagen, dass das Ereignis vermutlich stattgefunden hat.

Die Szenerie scheint dem Handbuch einer PR-Agentur entnommen. Der Schriftsteller Herbert Rosendorfer hat es in seiner "Deutschen Geschichte" wunderbar gezeichnet: "Er stieg mit einem Hammer in der Hand und einigen Nägeln in den tiefen Taschen seiner wegen des spätherbstlichen Windes flatternden Kutte die wenigen Stufen zum Tor der Schlosskirche zu Wittenberg hinan, entrollte eine längere Papierbahn und nagelte diese mit wenigen, kräftigen, in der Kirche lange nachhallenden Schlägen an das Holz des Schlosskirchentors."

Neugierige Zeitgenossen umringen Luther wie auf dem berühmten Ölgemälde von Ferdinand Pauwels: Sie verfolgen das Geschehen mit so ernsten Blicken, als wären sie sich der welthistorischen Bedeutung dieses Augenblicks bewusst. Wie es aber wirklich war, an jenem Herbstmittwoch, weiß niemand ganz genau. Peischl war jedenfalls nicht umringt von Gläubigen, als er die erste ausgewählte These am Portal anbrachte.
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