"Baum des Jahres" hat Stress
Klater Baum kränkelt wieder

Der Zustand des Kalten Baums hat sich in den vergangenen Jahren verdüstert. Trockenheit im Sommer hat Stamm und Ästen zugesetzt. Demnächst soll sich ein Fachmann die Krone näher ansehen. Bild: dob
Vermischtes
Vohenstrauß
06.02.2016
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Ein Naturdenkmal ist der Kalte Baum bei Vohenstrauß schon länger. Als Winterlinde ist er nun auch Deutschlands "Baum des Jahres". Doch dem prominenten Riesen ist zurzeit gar nicht nach einem Gala-Auftritt zumute.

Winterlinden gelten zwar als äußerst robust und können bis zu 1000 Jahre alt werden, der Kalte Baum kränkelt jedoch schon länger. Um ihn vor Streusalznebel von der nahen A 6 zu schützen, hatte die Autobahndirektion Südbayern 2009 den Baum mit einer Spezialfolie verhüllen lassen, die jedoch keine zwei Tage lang hielt.

2011 hatte ein externer Gutachter "baumverbessernde Maßnahmen" empfohlen. Er riet zu organisch-mineralischem Dünger in Kombination mit "Oscorna Bodenaktivator" sowie regelmäßigem Gießen. Das geschah auch und tat dem Baum zunächst gut. Der Gutachter hatte damals empfohlen, die Maßnahmen in etwa fünf Jahren zu wiederholen. Heuer wäre es also wieder so weit.

Die Gartenfachberaterin des Landkreises, Claudia Saller, hat auch eine Ausbildung als Baumprüferin. Sie sah sich den Kalten Baum Ende Januar näher an. Das Ergebnis ist deprimierend: Der Zustand habe sich "wieder deutlich verschlechtert". Das dürfte bei den vergangenen milden Wintern aber weniger am Streusalz von der Autobahn gelegen haben. Die Linde weist einen viel zu geringen Anteil von Feinästen auf. Viele Öffnungen, Höhlungen und Risse sowie eine große Lücke im Stamm lassen auf Versorgungsdefizite schließen. "Das kann zum Teil vom Trockenstress kommen. Hier hat des letzte sehr trockene Jahr bestimmt mit dazu beigetragen", sagt Saller.

Pilze und Fäulnis


Pilze haben den Hauptstamm angegriffen. Stellenweise finden sich abgestorbene Rinde sowie Fäulnis, die bis in den äußeren Splintholzbereich dringt. Markante Furchen im Stammanlauf deuten auf Holzfäule im Innern hin. Außerdem ist der Totholzanteil bei starken Ästen hoch.

Nun sollen es wieder Dünger und mehr Wasser in den trockenen Monaten richten. Zudem soll sich ein fachlich ausgebildeter Baumsteiger mal die Krone näher ansehen. Die angebrachten Kronensicherungen sollen regelmäßig überprüft und bei Bedarf erneuert werden.

Derzeit stimmen die Untere Naturschutzbehörde und die Gartenfachberaterin die Maßnahmen genau ab. Danach wollen sie Angebote von Fachfirmen einholen und die Finanzierung klären. Das Landratsamt sähe es durchaus gern, wenn sich die Autobahndirektion an den Kosten beteiligen würde. Die dürften auf alle Fälle günstiger ausfallen als die Verhüllungsaktion 2009. Damals sollen 60 000 Euro in den Sand gesetzt worden sein.
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