Bebauungsplan mit einer Gegenstimme abgesegnet
Stadt ebnet Weg für Supermarkt

Vermischtes
Vohenstrauß
05.02.2016
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Eine Stadtratssitzung am "nasch'n Pfinsta" - das konnte für so manchen Krawattenträger im Gremium nicht gutgehen. Einige Herren Stadträte hatten deshalb gleich mal einen abgeschnittenen Schlips aus dem Ärmel gezaubert. Andere kamen beim Besuch des Faschingsvereins nicht ungeschoren davon.

Bürgermeister Andreas Wutzlhofer hatte am Donnerstag eben die Sitzung eröffnet, da pochte es laut an der Tür. Überrascht waren Räte und die rund 20 Zuhörer kaum, als eine Abordnung des Vohenstraußer Faschingsvereins die Versammlung unterbrach, schließlich war Weiberfasching.

Danach ging es aber flüssig weiter im Text. Wutzlhofer erläuterte den aktuellen Stand zum geplanten Bau eines Lebensmittel-Vollsortimenters an der Waidhauser Straße. Wie schon berichtet will die Firma W.I.V. Exclusivbau Bauträger GmbH aus Weiden an dieser Stelle (gegenüber Fliederstraße) einen Supermarkt errichten. Nun liegt dem Stadtrat ein Bebauungsplan vor, der für dieses Vorhaben notwendig ist. Der Bürgermeister zeigte anhand einer Powerpoint-Präsentation, wie sich das Planungsbüro Kehrbaum Architekten aus München den Bebauungsplan vorstellt.

In dem Entwurf wurde laut Wutzlhofer unter anderem das Ergebnis der schalltechnischen Untersuchung insoweit berücksichtigt, als entlang der Fliederstraße eine 3,50 Meter hohe Schallschutzwand errichtet wird. Die Wand, so beruhigte der Rathauschef die anwesenden Anlieger, werde aus Holz und Glas bestehen.

Fünfter Ast am Kreisverkehr


Die anfänglichen Bedenken des Staatlichen Bauamts hinsichtlich des neuen, fünften Astes am Kreisverkehr, der dem neuen Markt als Zufahrt dienen soll, wurden laut Wutzlhofer ausgeräumt. Der Bau werde im hinteren Bereich des Grundstücks errichtet, also mit seiner Rückseite an die bestehende Wohnbebauung des Braunetsriether Wegs angrenzen. Das Gebäude erhalte eine Dachbegrünung. Außerdem werde die Fliederstraße auf Kosten und mit der Fläche des Investors um zwei Meter verbreitert.

Der Lieferverkehr, der über die Fliederstraße ablaufen wird, werde nach 6 Uhr und nicht später als 22 Uhr abgewickelt werden. Das Tor für die Lastwagen bleibe ansonsten geschlossen. Die Fläche werde ausreichend begrünt und mit Laubbäumen ausgestattet. Auf Nachfrage von Uli Münchmeier meinte Wutzlhofer, dass mit etwa 110 Parkplätzen kalkuliert werde. Es würde soweit wie möglich keine Mauern errichtet, sondern mit Böschungen geplant. Für Diskussionen sorgte ein geplanter, zwölf Meter hoher Werbe-Pylon. Dr. Volker Wappmann äußerte große Bedenken und sprach ironisch von einem "städtebaulichen Highlight". Er befürchte, dass bei einer Genehmigung des Bebauungsplans weitere Werbe-Türme folgen und den Blick auf die Stadt beeinträchtigen könnten: "Also mir ist nicht ganz wohl dabei."

Eine Gegenstimme


Wappmann wollte wissen, was mit den beiden anderen Edeka-Märkten (Top und Comet) passieren werde. Wutzlhofer erklärte, dass der Vertrag beim "Comet" Ende 2016 auslaufe. Was danach mit dem Gebäude geplant sei, könne er nicht sagen. Die Stadt sei hier nicht zuständig. In Sachen "Top" verwies er auf die nichtöffentliche Sitzung. Wappmann ließ bei der Abstimmung über den Bebauungsplan am Ende als einziger Stadtrat seine Hand unten.

Verwaltungsleiter Alfons Sier ergänzte, dass der Plan nun von 15. Februar bis 16. März öffentlich ausgelegt werde. Die Bürger können dann die Unterlagen einsehen und sich dazu äußern. Der Bauträger sei optimistisch, dass der neue Markt noch in diesem Jahr Eröffnung feiern kann.

Narrischer ÜberfallDie Vohenstraußer Stadträte bekamen am Donnerstag gleich zu Beginn der Sitzung im Rathaus unangemeldeten Besuch. Eine Abordnung des Vohenstraußer Faschingsvereins (VFV) mit dem Prinzenpaar Sandra II. und Tobias I. begrüßte das Gremium mit großem Helau.

Prinz Tobias hatte auch gleich einen Antrag mitgebracht: "Wir fordern mehr Fasching!" Da gab es im Rat nicht viel Diskussionsbedarf. Die Hände schnellten nur so in die Höhe, der Beschluss fiel einstimmig aus. VFV-Vorsitzender Gerald Grosser betonte, dass der Bürgermeister rein gar nichts mehr zu melden habe: "Wer sind denn die Regenten zur Zeit?" Erst am Faschingsdienstag werde der Rathausschlüssel wieder zurückgegeben.

Beim Blick in die Runde registrierte er mit scharfem Auge, dass einige Räte offenbar ohne ihren Faschingsorden zur Sitzung gekommen waren. Einige rissen daraufhin schnell ihre Auszeichnung aus der Tasche, um einer Bestrafung zu entgehen. Prinzessin Sandra übernahm dann die Aufgabe und schnitt Bürgermeister Andreas Wutzlhofer die Krawatte ab. "Das ist heute schon die dritte", ließ der Rathauschef wissen. Er nahm es gelassen und versprach, mit den VFV-lern am Dienstag bei ihrem nächsten Besuch im Rathaus ein Fläschchen Sekt zu köpfen. Das hörten die Vohenstraußer Narren natürlich gerne und traten unter Beifall sofort den Rückzug an. (ck)
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