Blickpunkt Auge
Hilfe beim Verlust der Sehkraft

Rudolf Pichlmeier und Agnes Wolfsteiner (von links) von der Blickpunkt-Auge-Beratungsstelle aus Regensburg sind im Caritas-Seniorenheim Ansprechpartner für Menschen mit Sehproblemen. Der Service ist nicht nur für ältere Menschen oder Bewohner der Einrichtung. Bild: tss
Vermischtes
Vohenstrauß
21.10.2016
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Im Alter von vier Jahren bekam Rudolf Pichlmeier seine erste Brille. Er leidet seit seiner Kindheit an einer erblich bedingten Krankheit. Dabei stirbt der Sehnerv langsam ab, der schleichende Prozess dauert schon über 50 Jahre. Inzwischen sieht er fast gar nichts mehr.

Pichlmeiers Schicksal ist gewiss nicht alltäglich, aber Probleme mit der Sehkraft oder eine Augenkrankheit können jeden Menschen in jedem Alter treffen. Daher bietet die Bezirksgruppe Oberpfalz des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbunds (BBSB) im Vohenstraußer Caritas Alten- und Pflegeheim seit kurzem Rat und Hilfe für Betroffene sowie Angehörige an.

Pichlmeier ist einer von sieben speziell ausgebildeten Ehrenamtlichen, die von der Blickpunkt-Auge-Beratungsstelle in Regensburg aus den ganzen Bezirk abdecken. Der 59-Jährige ist für die Landkreise Neustadt und Tirschenreuth sowie die Stadt Weiden zuständig. Er hilft Betroffenen zu Hause oder eben im Pflegeheim unter anderem bei Anträgen für den Schwerbehindertenausweis oder Blindengeld.

Der Berater informiert weiter über den möglichen Verlauf von Augenkrankheiten wie die altersabhängige Makula-Degeneration, Grüner Star (Glaukom), Grauer Star oder zuckerbedingte Netzhauterkrankungen. "Diabetes kann sehr stark auf die Augen gehen", weiß der Regensburger. "Nach Schätzungen von Augenärzten leben in Deutschland etwa sieben bis zehn Millionen vorwiegend ältere Menschen mit einer gravierenden Augendiagnose und müssen in absehbarer Zeit mit dem Verlust ihrer Sehkraft rechnen."

Tipps für den Alltag


Daher hat Pichlmeier viele Tipps für den Alltag parat, "wie man trotz Seheinschränkung mit dem Herd oder der Waschmaschine umgeht oder Flecken auf der Kleidung feststellt". Beispielsweise sorgt eine farbige Tischdecke für genügend Kontrast, eine Kaffeetasse oder ein Glas sind dann besser zu erkennen. Rechtliche und finanzielle Ansprüche spricht er ebenfalls an. So rät er etwa davon ab, sich bei Problemen mit der Sicht nicht mehr ans Steuer zu setzen, sonst zahlt die Versicherung bei einem Unfall nicht. Fürs Autofahren sind mindestens 60 Prozent Sehkraft auf einem Auge notwendig.

Beim Thema Mobilität wird ihm seine Situation oft bewusst. "Ich bin leidenschaftlich gerne Auto gefahren, muss es aber akzeptieren." Für Sehbehinderte gibt es heutzutage sehr viele Hilfsmittel: Lupen, Bildschirmlesegeräte, Computerprogramme, die Texte vorlesen oder auch Uhren, Waagen oder Fieberthermometer mit Sprachfunktion.

Aber: Der Regensburger ist damit aufgewachsen und kommt gut zurecht. Viele tun das allerdings nicht, bestätigt auch seine Kollegin Agnes Wolfsteiner, die ihn nach Vohenstrauß gefahren hat. Vor allem, wenn das Augenlicht plötzlich verschwindet, beispielsweise nach einem Schlaganfall, "fallen die Patienten in ein Loch", berichtet der Berater. "Das ist dann auch für die Angehörigen eine große Herausforderung."

Regelmäßig zum Augenarzt


Daher rät Pichlmeier, regelmäßig zum Augenarzt zu gehen und dabei vor allem auch den Augendruck messen zu lassen. Das kostet zwar 20 Euro, was die gesetzliche Krankenversicherung aus für ihn nicht nachvollziehbaren allerdings nicht übernimmt. Denn bei einer Erkrankung "könnte das der Kasse am Ende teuerer kommen".

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Weitere Informationen:

www.blickpunkt-auge.de

Diabetes kann sehr stark auf die Augen gehen.Rudolf Pichlmeier


BeratungstermineRudolf Pichlmeier steht jeden dritten Mittwoch im Monat jeweils von 14.30 bis 16.30 Uhr im Caritas Alten- und Pflegeheim Prälat-Walter-Siegert-Haus für die vertrauliche Beratung zur Verfügung. Der Service ist nicht nur für Bewohner sondern für alle Betroffenen und auch deren Angehörige. Die nächsten Termine: 16. November, 21. Dezember und 18. Januar. (tss)
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