BRK-Wachleiter Martin Putzer maßlos enttäuscht
Keine Rettung für BRK-Standort

Dieser Anblick ist nun bald Geschichte in Vohenstrauß. Für Wachleiter Martin Putzer und seine Kollegen schließen sich die Türen im Rotkreuzhaus. Am Mittwoch, 30. Dezember, um 18 Uhr beginnt der Betrieb am neuen Standort in Lohma. Bild: dob
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Vohenstrauß
20.12.2015
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Nur wenige Tage ist noch reger Betrieb im Vohenstraußer Rotkreuzhaus, dann schließen sich für den Rettungswagen-Standort die Türen - vermutlich für immer. Denn zurückdrehen werden sich die Räder wohl nicht mehr lassen.

Die Lehrrettungswache ist Geschichte, der BRK-Standort Vohenstrauß wird zum Rettungsmittel-Standort herabgestuft. Zutiefst gerührt ging BRK-Wachleiter Martin Putzer in einer Besprechung auf den Abzug des Rettungswagen-Standorts nach Lohma ein. Wenn er auch mit dem Ergebnis nicht zufrieden sei: Zumindest sein Herzenswunsch, dass die komplette Mannschaft beisammen bleibe und keiner versetzt wurde, ging in Erfüllung.

"Die meisten Menschen merken gar nicht, was man alles für sie tut. Erst dann, wenn man damit aufhört." An diese Worte werden sich in wenigen Monaten auch Vorstand, Kreisverband, Bereitschaft und vor allem die Bevölkerung im östlichen Landkreis erinnern. Denn ab 1. Januar ist nur mehr ein geringer Teil dieser eingeschworenen Mannschaft noch in Vohenstrauß da, gab Putzer zu bedenken. Spätestens dann werde sich verdeutlichen, was man hier kaputt gemacht habe.

Für Gesetz entschieden


"In jedem Ersten-Hilfe-Kurs hört man: Bei Sauerstoffmangel oder Herz-Kreislauf-Stillstand eines Betroffenen verringert sich die Überlebenschance pro Minute um zehn Prozent. Bei einer gesetzlich vorgegebenen Hilfsfrist von zwölf Minuten entspricht das 120 Prozent. Da es aber nur 100 Prozent gibt, haben alle, die gegen das Gutachten der Stadt Vohenstrauß gestimmt haben, nicht für die Hilfesuchenden sondern für das Gesetz entschieden", bedauerte Putzer. "Somit findet ein Gesetz mehr Bedeutung als ein Mensch."
Somit findet ein Gesetz mehr Bedeutung als ein Mensch.Martin Putzer, BRK-Wachleiter in Vohenstrauß

Mit dieser Entscheidung sei Geld zum Fenster hinausgeworfen worden, nur um einer gesetzlichen Vorgabe nachzukommen. Ob es dadurch zu einer Verbesserung komme, bleibe der Statistik vorbehalten, die man so oder so auswerten könne, denn Papier sei geduldig, war Putzer maßlos enttäuscht. Wenn alles planmäßig läuft, wird am Mittwoch, 30. Dezember, um 18 Uhr der historische Augenblick kommen und sich die Chronik der jahrzehntelang erfolgreichen Rettungswache Vohenstrauß schließen.

Das Ausrücken eines Rettungswagens aus Vohenstrauß wird Geschichte sein, denn zu diesem Zeitpunkt werden Max Müllner und Christiane Sier die erste Nachtschicht in der Rettungswache Lohma beginnen. Vohenstrauß werde dann nicht mehr Rettungswache heißen sondern in Rettungsmittel-Standort (RDS) Vohenstrauß umbenannt. "Die Zeit zwischen Vergangenheit und Zukunft nennt man Herausforderung." Dieser Herausforderung werden sich die Einsatzkräfte stellen, um weiterhin den Ansprüchen gerecht zu werden.

"Zeit zurückgedreht"


Unter Umständen wachse die Mannschaft sogar noch enger zusammen, denn bei 15,36 Quadratmeter für Küche plus Aufenthaltsraum werde das unumgänglich sein, folgerte der Wachleiter sarkastisch. Persönliches wie ein Christbaum wie bisher in Vohenstrauß finde darin keinen Platz mehr. Er sei sich sicher, dass spätestens in einem halben Jahr die Forderung nach einem zweiten Rettungswagen in Lohma kommen werde, um dienstüberschneidende Einsätze fahren zu können. Das Fahrzeug stehe dann im Freien. "Somit haben wir die Zeit um 30 Jahre zurückgedreht." Kreisgeschäftsführer Direktor Franz Rath machte etwas Hoffnung: In der neuen Rettungswache will er zumindest für einen kleinen Christbaum sorgen.
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