Bürgermeister Andreas Wutzlhofer nicht begeistert von Vohenstraußer Marktplatz
Thai-Massage belebt Stadtkern

Wo noch vor kurzem Semmeln über den Ladentisch gingen, wird ab Juli entspannende Thai-Massage angeboten. Die Frau des Vohenstraußers Siegfried Messer wird die Praxis am Marktplatz 41 (rechts) eröffnen. Zwei Häuser weiter steckt Hans Ries (frühere Reinigung) noch in Verhandlungen mit möglichen Nachmietern. Bilder: ck (2)
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Vohenstrauß
13.03.2015
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Bäcker, Reinigung, Arztpraxen - die Liste der Läden und Geschäfte, die auf dem Vohenstraußer Marktplatz schließen und dann leer stehen, wird immer länger. Bürgermeister Andreas Wutzlhofer ist nicht begeistert, steckt den Kopf aber nicht in den Sand.

Der Rathauschef sieht die Situation im Stadtkern keineswegs so negativ, wie sie auf den ersten Blick eingeschätzt werden könnte. Bei etlichen Objekten seien durchaus vielversprechende Verhandlungen im Gange. Bereits in trockenen Tüchern sei zum Beispiel der Deal mit Siegfried Messer. Die Ehefrau des Vohenstraußers wird im Juli in den ehemaligen Räumen der Bäckerei Brunner eine Thai-Massage-Praxis eröffnen. Die 39-jährige Thailänderin arbeitet derzeit noch in einer großen Praxis in München.

Interessenten klopfen an

Zwei Häuser weiter ist Hans Ries damit beschäftigt, einen passenden Mieter für die rund 74 Quadratmeter große Ladenfläche zu finden, auf der bis zuletzt die Reinigung Platz gefunden hatte. Auch hier, so bestätigt seine Frau Karin, habe es bereits Interessenten gegeben. Man sei jedoch noch zu keinem Abschluss gekommen. Über den Vorschlag des Bürgermeisters, solange kein Nachmieter gefunden sei, wenigstens das Schaufenster als Dekorationsfläche beispielsweise für ein Gardinengeschäft herzugeben, denkt sie noch nach.

Unzählige Angebote

Der Bauunternehmer Karl Liegl aus Wieselrieth hat vor kurzem das Gebäude ersteigert, in dem viele Jahre das Blumengeschäft Schenk untergebracht war. Er will darin nach einem gut geplanten Umbau "mit Stil" im besten Fall drei Wohnungen und ein Geschäft errichten. Der neue Hausbesitzer ist vollkommen überrascht von der Menge der Anfragen, die auf ihn einprasseln: "Ich könnte fünf solcher Objekte brauchen." Sowohl für die Wohnungen als auch für die Ladenräume habe er unzählige Angebote erhalten: "Das reicht vom Bekleidungsgeschäft, über einen Imbiss bis hin zur Sozialstation, Tagespflege oder Rechtsanwaltskanzlei."

Liegl sucht den Grund für die vielen Leerstände in Vohenstrauß vor allem bei den Hausbesitzern: "Manche verlangen Mieten, die sind jenseits von Gut und Böse." Angesichts der oftmals heruntergekommenen Immobilien könne man von keiner Verhältnismäßigkeit mehr sprechen. "Wenn die Leute normale Preise verlangen würden, gäbe es diese Leerstände nicht", bringt es der Unternehmer auf den Punkt.

Verlegung von Praxisräumen

Dem kann auch der Bürgermeister nicht widersprechen. Dazu komme, dass einige Vermieter für ihre Flächen ganz besondere Vorstellungen hätten und so manche Geschäftsidee bereits im Keim ersticken. Andererseits, so weiß Wutzlhofer, seien zu kleine Flächen und fehlende Parkplätze vor den Geschäften in einigen Fällen ein großes Hindernis.

Kein Problem hat der Bürgermeister damit, wenn Ärzte ihre Praxisräume in das neue Gesundheitszentrum "An der Burg" verlegen: "Das werte ich nicht als Leerstand."

Neuvermietung der Burgapotheke

Als Vermittler trat er bei der Neuvermietung der Burgapotheke auf. Wie Apothekerin Regina Wolf informierte, ist ein Nachmieter für den noch bis Dezember 2016 laufenden Mietvertrag in der Friedrichstraße bereits gefunden: Die AWO zieht mit ihrem Second-Hand-Laden "Brauchbar" ein. Nach kleinen Renovierungsarbeiten soll der Umzug wenn möglich noch im März über die Bühne gehen. Auch Josef Pflaum ist zuversichtlich, dass im Erdgeschoss seines Hauses in der Friedrichstraße 20 (ehemals "Der neue Tag") ein Ladengeschäft eröffnet. Pflaum: "Die Fläche wird sicher nicht auf Dauer leer bleiben."

Weinlokal am Marktplatz

Die Altstadt, die als Achse die beiden Einkaufszentren der Stadt verbindet, will Wutzlhofer unbedingt lebendig erhalten. Die Ansiedlung von weiteren Discountern, die das typische Sortiment des Einzelhandels mit abdecken, werde er deswegen zu verhindern wissen: "Wir sind mit Discountern bestens versorgt." Wünschenswert seien stattdessen kleinere Straßencafés oder Erlebnisgastronomie hauptsächlich für die jüngere Bevölkerung. "Ich könnte mir auch sehr gut ein schönes Weinlokal am Markplatz vorstellen", schwärmt der Rathauschef.

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Leerstände


Von der Bahnhofstraße über den Marktplatz bis hinauf zur Friedrichstraße sind es laut Geschäftsleiter der Stadt, Alfons Sier, mittlerweile elf Gebäude, die derzeit leer stehen.

Zwei Arztpraxen in der Bahnhofstraße (19 und 25) sind frei geworden. Weiter geht es am Markplatz 22 (ehemals Computer Schober), Marktplatz 26 (Würschinger - zuletzt Reisebüro Hermann), Marktplatz 42 (Beate's Modeecke), Markplatz 41 (Bäckerei Brunner) Marktplatz 37 (Reinigung Ries), Marktplatz 3 (Blumen Schenk).

In der Friedrichstraße sind es bislang noch folgende Objekte: Friedrichstraße 17 (Schlecker), Friedrichstraße 20 (frühere NT-Geschäftsstelle), Friedrichstraße 22 (Schilder Wurdack).

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