Drei Monate auf der Priesbergalm
Zwischen Kühen und Küche

Die 24-jährige Physiotherapeutin Monja Engelbrecht aus Lohma verbrachte über drei Monate als Sennerin auf der Priesbergalm bei Berchtesgaden. Bilder: hfz (2)
Vermischtes
Vohenstrauß
31.10.2016
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Auch die Geselligkeit kam auf der Alm nicht zu kurz. Monja Engelbrecht spielte dazu zünftig mit der Quetschn auf.

Seit ihrer Kindheit träumt Monja Engelbrecht davon, als Sennerin auf einer Alm zu arbeiten. Ende Juni erfüllt sich die 24-jährige Physiotherapeutin aus Lohma diesen Traum. Auf der Priesbergalm in Berchtesgaden erlebt sie drei unvergessliche Monate.

"Ein Freund meiner Mama war Senner. Das hat mir als Kind so gefallen. Das wollte ich unbedingt auch mal ausprobieren", erinnert sich die gebürtige Goldkronacherin. Als Monja sich Ende 2015 zu diesem Schritt entscheidet, stehen Familie und ihr Lebensgefährte, mit dem sie seit vier Jahren in Lohma wohnt, voll hinter ihr.

Vorkenntnisse nicht nötig


Mit ihrem Chef regelt sie die berufliche Auszeit von der Vohenstraußer Praxis. Über die Bewerbung beim Almwirtschaftlichen Verein Oberbayern landet sie schließlich am 23. Juni auf der Priesbergalm bei Berchtesgaden. Vorbereitet hatte sie sich durch die Arbeit auf dem Bauernhof eines Freundes. "Vorkenntnisse braucht man aber eigentlich nicht. Man wird ja dann auf der Alm angelernt", erzählt Monja.

Das Leben und die Arbeit rund um die Hütte auf etwa 1500 Meter Höhe, ohne Strom, ohne jeglichen Komfort, hat die junge Frau anfangs etwas beängstigt. Die Vorstellung von einem alternativem Wellnessurlaub sei schlichtweg falsch. Es gibt nur eine Mini-Dusche im Außenbereich "mit einem sehr spärlichen Wasserstrahl", keine Spülmaschine und natürlich keinen elektrischen Herd. Dafür gibt es einen Holzofen, den es tunlichst regelmäßig zu befeuern gilt, denn: "Ohne den Ofen bist du aufgeschmissen, auch im August. "

In den dreieinhalb Monaten war es zwischendurch sehr kalt, es schneite sogar. Von schlimmen Unwettern ist die junge Sennerin verschont geblieben. In der kargen Behausung ist die Ausstattung auf ein Minimum reduziert. Was es dagegen im Überfluss gibt, ist Arbeit. Und die muss die junge Oberpfälzerin täglich ab 5.30 Uhr fast im Akkord erledigen, weil die zweite Sennerin ihre Schürze schon nach vier Wochen entnervt hinschmeißt und Monja mit zwei Milchkühen und fünf Kälbern auf der Alm alleine lässt.

Die Tiere müssen in der Frühe von der Weide geholt und gemolken werden. Das gelingt der 24-Jährigen am Anfang oft nur mit einem Trick: "Ich hatte immer Salz und Brot dabei, damit sie schön mit mir mitgehen." Nach dem Melken muss die Milch gefiltert und in die sogenannten "Millibutschen" (20-Liter-Kannen) umgefüllt werden. Anschließend trollen die Kühe wieder auf die Weide, während die Sennerin das Melkgeschirr blitzeblank reinigt.

Bis zu 150 Wanderer


Da die Priesbergalm auch Anlaufstation für viele Wanderer ist - an manchen Tagen sind es bis zu 150 Leute - muss Monja ausreichend Brotzeiten vorbereiten. "Kuchen backen mit einem Holzofen ist gar nicht so einfach", lacht die junge Frau. Aber nach einer gewissen Zeit hat sie den Dreh raus. Keine Probleme bereitet ihr das Käsen. Der frische Käse landet später auf den Brotzeit-Brettern.

Ein Arbeitstag zwischen Kühen, Küche und Gästen verlangt der Oberpfälzerin einiges ab: "Gerade am Anfang bin ich nach 15 Stunden Arbeit um 21.30 Uhr todmüde ins Bett gefallen. Ich hatte Bücher dabei. Hatte aber keine Zeit zum Lesen." Den Fernseher vermisst sie keine Minute. Ihr Handy lädt Monja über ein Autoradio auf, das sie an das Aggregat anschloss. Nur ab und zu hatte sie an den Abenden mit der Einsamkeit zu kämpfen. Umso mehr freute sie sich, wenn Freunde oder ihre Familie zu Besuch kamen. Einmal pro Woche brachte die Bäuerin eine Lebensmittellieferung auf die Alm.

Ihre "Mädels" - die Milchkühe Gansei, Vroni und die Kälber Wally, Hermine, Flocke, Lisi und Sternei - erkennen die Sennerin nach einiger Zeit an ihrer Stimme. Manchmal warten sie in der Frühe ohne große Einladung schon brav vor der Hütte. "Aber das Größte ist, wenn du morgens aufstehst und vor dir steht der Watzmann, feuerrot angestrahlt von der Sonne. Das ist ein wunderschöner Blick. Da vergisst du die ganze Arbeit."

Kraft schöpfen


Nach über drei Monaten in den Bergen fällt es Monja zu Hause dann schwer, sich im Alltag inmitten von Menschen wieder einzuleben. Sie schöpft Kraft aus den Erinnerungen an die manchmal durchaus schwierigen Phasen auf der Alm, als sie zum Beispiel stundenlang nach einem verirrten Kalb suchte: "Ich habe mir gesagt, das kriegst du schon irgendwie geschaukelt." Am nächsten Tag stand das Kälbchen einfach vor der Hütte. Irgendwie geht es immer wieder weiter.

Ob sie ihr Abenteuer eines Tages wiederholen wird, steht noch in den Sternen. Es könne aber gut sein, dass der Berg wieder ruft. Monja: "Vielleicht dann auf einer Alm mit weniger Betrieb und mehr Käsen. Wer weiß."

PriesbergalmDie Priesbergalm liegt auf 1500 Meter Höhe oberhalb des Königssees in der Nähe des Jenners. Sie ist eine Hochalm, dass heißt: die Alm ist nur im Hochsommer bewirtschaftet, die ersten und die letzten Wochen des Almsommers verbringt das Almvieh auf der niedriger gelegenen Königsbachalm.

Auf einem gut ausgebautem Weg, dem Königsweg, kann man die Priesbergalm vom Wanderparkplatz Hinterbrand in etwa 2 Stunden erreichen. Oder man fährt mit der Jennerbahn bis zur Mittelstation oder der Bergstation und wandert dann zur Priesbergalm. Auch mit dem Mountainbike ist die Auffahrt bis zur Priesbergalm möglich. Schon wenige Meter nach dem Betreten der Almfläche steht die Brennhütte einer Enzianbrennerei. Hier wird händisch nach Enzianwurzeln gegraben, die dann auf der Alm von Hand zerkleinert, eingemaischt und zu Gebirgsenzian gebrannt werden. (ck)
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