Ein mittleres Erdbeben
Verlegung des BRK-Rettungswagen-Standorts schlägt weiter hohe Wogen

Vermischtes
Vohenstrauß
23.12.2015
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Wenn heute das "Stille Nacht, heilige Nacht" angestimmt wird, dürfte nicht überall rechte Weihnachtsstimmung aufkommen. Große Enttäuschung machte sich jedenfalls in diesem Jahr beim Politikerrundgang der CSU-Mandatsträger breit. Die angespannte Personalsituation bei der Polizeiinspektion Vohenstrauß mit der Streichung von drei Sollstellen und die Verlegung des BRK-Rettungswagen-Standorts nach Lohma lassen Frustration zurück.

Die Pläne waren schon im Vorfeld auf erheblichen Widerstand gestoßen. Beim BRK im Rotkreuzhaus verursachte der NT-Artikel "Keine Rettung für BRK-Standort" ein mittleres Erdbeben in den Reihen des Rettungs-Zweckverbandes, denn erstmals kam BRK-Geschäftsführer, Direktor Franz Rath, persönlich zum Politikerempfang, um Stellung zu nehmen. Ausgerechnet Wachleiter Martin Putzer, Rotkreuzmann mit Leib und Seele, war auffallend an diesem Abend nicht anwesend.

Der stellvertretende Chefarzt im Kreisverband Neustadt und Weiden, Dr. Richard Pruy, würdigte Putzer gleich zu Beginn als Integrationsfigur der Vohenstraußer Wache. Ihm seien der Erfolg und die Rekordzahlen, die das BRK im abgelaufenen Jahr vermeldete und die der stellvertretende Bereitschaftsleiter Christian Messer und der stellvertretende Wachleiter Manfred Bäumler zuvor den Gästen verkündet hatten, in erster Linie zuzuschreiben, denn Putzer motiviere Ehren- wie Hauptamtliche, an einem Strang zu ziehen. "Ohne Martin Putzer würde es hier nicht gehen", sagte Pruy.

Lohma sieht er nicht als optimalen Rettungswagen-Standort an, ließ Pruy durchblicken. Wenig Vertrauen schenkt der stellvertretende Chefarzt auch dem "Trust"-Gutachten (Trendanalysen des Rettungsdienstes in Bayern), auf dem die neue Strukturierung des Rettungsdienstes und demnach die Verlegung fußt. "Unser ganzes Land wird von Gutachten überzogen." Wie hätte wohl eine dritte in Auftrag gegebene Studie ausgesehen? "Da kann ich auch eine Münze werfen, das ist billiger."

Da kann ich auch eine Münze werfen, das ist billiger.Dr. Richard Pruy

Pruys Dank galt dem Vohenstraußer Bürgermeister Andreas Wutzlhofer und dem Stadtrat, die sich massiv für den Verbleib am Ort eingesetzt und zusätzlich einen Stellplatz in Eslarn gefordert hätten, um allen Menschen in der Region die gleiche Hilfe zu gewähren. Das von der Stadt in Auftrag gegebene Gutachten wurde von einer Schiedsstelle in München abgeschmettert.

Landrat Andreas Meier, gleichzeitig Verbandsrat, erläuterte noch einmal das "Trust"-Gutachten als Basis für alle getroffenen Entscheidungen und nahm alle seine mit ihm im Gremium sitzenden Kollegen in Schutz. Mehrere Juristen hätten ihnen klar gemacht, dass bei einer Nichtumsetzung des Gutachtens die persönliche Haftung eines jeden Funktionärs im Raum gestanden wäre: "Alle Menschen bekommen innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Vorgabefrist die gleiche Hilfe." Sollte jedoch nach Inbetriebnahme des neuen Rettungswagen-Standorts in Lohma Nachsteuerungsbedarf bestehen, werde man eine Korrektur vornehmen. "Ich bin der Erste, der sich massiv für eine andere Lösung einsetzen würde, wenn es andere Ergebnisse geben würde", versicherte Meier.

Bürgermeister Wutzlhofer erkundigte sich, wie es bei jenen, die das Gutachten erstellt haben, mit der persönlichen Haftung aussehe, wenn sich herausstelle, dass die Auswertung nicht das "Gelbe vom Ei" und deshalb von falschen Voraussetzungen heraus entschieden worden sei. "Wir werden die Ersten sein, die erhobenen Hauptes Nachbesserungen einfordern, und die Container bauen wir dann eben wieder ab."

Direktor Franz Rath stellte klar: "Das BRK ist nicht schuld, dass die Verlegung gekommen ist." Außerdem legte der Geschäftsführer Wert auf seine Intention: "Zu keiner Zeit wird die Bevölkerung unversorgt gelassen. Der in Vohenstrauß stationierte Krankenwagen kann ebenfalls eine Erstversorgung übernehmen, und Vohenstrauß wird einen Helfer vor Ort (HvO) bekommen, denn wir wollen die Versorgung der Bevölkerung gewährleisten." Indes zeigte sich Rath froh, dass der Zweckverband dem BRK das Vertrauen mit der Auftragsvergabe schenke.
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