Eiserner Schutzmann
Kein zusätzliches Personal für die Polizei in Vohenstrauß

Polizeivizepräsident Michael Liegl zeigte anhand einer aufwendig erarbeiteten Matrix, wie die Zuteilung der Polizisten an die Dienststellen oberpfalzweit erfolgt. (Foto: dob)
Vermischtes
Vohenstrauß
14.12.2015
1088
0

Die Menschen in Vohenstrauß, der größten Stadt im Landkreis, könnten schon bald nachts vor verschlossenen Türen der Polizeiinspektion stehen. Auch Staatssekretär Gerhard Eck hat am Montag keine neuen Beamten aus dem Ärmel gezaubert.

Die Unterschriftenliste, in die sich 5136 Bürger aus dem Bereich der Dienststelle Vohenstrauß gegen den geplanten Stellenabbau eingetragen hatten und vor einem Jahr an Innenminister Joachim Herrmann übergeben worden war, lässt auch heuer keinen rechten Weihnachtsfrieden zu. Am Montag eilte Staatssekretär Gerhard Eck aus dem Innenministerium zur Polizeiinspektion Vohenstrauß.

Die geplante Stellenreduzierung hat in der Vergangenheit für viel Zündstoff in der Bevölkerung gesorgt. Insbesondere der Verein "Bürger und Polizei - Partner für Sicherheit" setzte mit der Unterschriftenaktion Zeichen gegen diese Schreibtisch-Planungen des Präsidiums Oberpfalz in Regensburg. Werden die Stellen der Polizisten, die sich in den Ruhestand verabschieden, nicht mehr besetzt, so könnte der reguläre Schichtdienst nicht mehr aufrecht erhalten werden, sorgen sich die Unterstützer. Ein sogenannter Eiserner Schutzmann - eine Telefonsäule, die für diesen Zweck an der Inspektion angebracht wird - würde den Hilfesuchenden, der nachts zur Dienststelle kommt - auf Knopfdruck telefonisch mit der Einsatzzentrale in Regensburg verbinden. Der Einschnitt würde nicht nur die Vohenstraußer treffen, sondern 13 Gemeinden im östlichen Landkreis mit über 28 000 Einwohnern. "Ein fatales Signal an das Sicherheitsgefühl der Bewohner", glauben zumindest die Bürgermeister aus Vohenstrauß und Pleystein, Andreas Wutzlhofer und Rainer Rewitzer, sowie die Altbürgermeister Josef Zilbauer und Johann Walbrunn, die sich im Polizeiverein für die Wiederbesetzung der Stellen und einen Rund-um-Schichtbetrieb mit nächtlicher Präsenz stark machen.

Keine Order aus München


Zwar gebe es in Bayern so viele Polizisten wie noch nie, doch der gesellschaftliche Wandel verändere die Aufgaben vollkommen, führte Eck im internen Gespräch aus und nannte Internetkriminalität, Flüchtlingssituation, Rechtsextremismus, IS-Terror-Anschläge und den damit verbundenen Sicherheitsaspekt. Natürlich versuche das Ministerium, Ressourcen freizuschaufeln. So wurden bereits Schwertransportfirmen, die eine polizeiliche Begleitung für ihre Fahrten brauchen, angewiesen, private Sicherheitsunternehmen zu generieren.

Der Staatssekretär versprach aber, dass die Anweisung für einen Eisernen Schutzmann in Vohenstrauß nicht vom Innenministerium kommen werde. Allerdings könnte sich Eck durchaus einen Probebetrieb bis zu einem Jahr vorstellen, um die Vor- und Nachteile dieser Regelung genau abzuwägen. Danach würde er erneut nach Vohenstrauß kommen, signalisierte er weitere Gesprächsbereitschaft. "Wir wollen niemand etwas aufzwingen. Wenn es nicht von der Dienststelle getragen wird, hat es keinen Sinn", meinte Vizepräsident Michael Liegl.

Von den 23 Beamten der Inspektion leisten 18 Schichtdienst. Falls die Ausscheidenden nicht mehr besetzt würden, müsse der Inspektionsleiter, Erster Hauptkommissar Martin Zehent, jedoch handeln und sich trotzdem mit der unpopulären Lösung anzufreunden. So entstand der Eindruck, als werde der schwarze Peter geschickt an die Dienststelle zurückgeschoben.

Keine Zusagen


Wutzlhofer wollte von Liegl zumindest wissen, ob die Stellen der starken Abgänge des Jahres 1957 wieder besetzt würden, die in zwei Jahren zur Pensionierung anstehen. Doch auch in diesem Punkt ließ sich Liegl nicht festlegen. "Wir warten von Zuteilung auf Zuteilung."
Weitere Beiträge zu den Themen: Polizei (2699)Gerhard Eck (5)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.