Erinnerung an einen gefallenen Vohenstraußer
Böse Vorahnung

Hans Pinter (rechts) als Ministrant um 1937. Daneben von rechts nach links Georg Käs, Josef Kirner, Karl Dietl, Richard Ferazin, Ludwig Müller und Hans Kirner. Bis auf Käs und Ferazin sind alle im Zweiten Weltkrieg gefallen. Als Kooperator war zu dieser Zeit Robert Weiß in Vohenstrauß.
Vermischtes
Vohenstrauß
17.06.2016
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Bis heute erinnert ein Sterbebild an den gefallenen Vohenstraußer Hans Pinter.

"Mutter, hier ist ein schöner Platz für meinen Grabstein." Hans Pinter steht bei dieser Feststellung unter den beiden großen Bäumen im Garten seiner Eltern am Eglseeweiher. Und nochmals leise: "Wenn ich nicht mehr komme, müsst ihr mir hier meinen Grabstein hinsetzen!"

Der Gefreite Pinter hat gerade Fronturlaub. Die Eltern Donat und Katharina Pinter verstehen ihren 20-jährigen Buben, der gerne eine Tochter des "Zirlwirts" sah. Einige seiner Kameraden starben schon den "Heldentod": Der Kürschnerssohn Ludwig Müller fiel am 5. Juli 1943 bei Charkov in der Ukraine, Lorenz Bäumler blieb am 30. September 1943 in der Schlacht bei Melitopol, Hermann Pröls fand sein Grab am 4. Juli 1944 bei Baranowitschi in Weißrussland.

Gedenktag am Montag


Wer kennt Insterburg, eine Stadt 90 Kilometer östlich von Königsberg im ehemaligen Ostpreußen? Heute heißt die Stadt Cernjachovsk. Am Montag, 20. Juni, findet dort eine Veranstaltung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge statt. Der Volksbund gedenkt der etwa 9000 Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkriegs, die hier auf einem deutschen Sammelfriedhof bestattet wurden.

Es finden sich darunter die Namen von Josef Hofmann aus Tännesberg, gefallen am 25. Januar 1945 bei Insterburg. In Block 4, Reihe 10, Grab 720 liegt Johann Köberl aus Eslarn, verstorben am 31. Dezember 1944 auf dem Hauptverbandsplatz. Am Südrand des Friedhofs in Block 2, Reihe 2, Grab 99 ist die Endgrablage für "Johann Pinter, geboren in Vohenstrauß, gefallen am 29. Dezember 1944 bei Stehlau".

Schnaps an Weihnachten


Nach den ersten Schlachten in Kurland erwarteten die zurückweichenden deutschen Divisionen Ende Dezember 1944 den sowjetischen Angriff bei Gumbinnen in Ostpreußen. Vater Donat Pinter beschrieb den 29. Dezember: "Der Hans war bei der Artillerie und ist gefallen als vorgeschobener Beobachter. Seine Kameraden waren alle besoffen vom Schnaps, den es zu Weihnachten gab. Der unsere nicht, deswegen musste der auf Wache ziehen, da hatte ihn das Unglück ereilt."

Noch nach Wochen erhält die Familie Briefe von Hans Pinter aus einem Gutshof in Ostpreußen, da war der Bäckerssohn längst tot. Der Kompanieführer schrieb die Todesnachricht, die vom Ortsgruppenleiter am 10. Januar 1945 überbracht wurde. Die Ahnung von Hans Pinter hatte sich bestätigt. Am Sonntag darauf war um 11 Uhr eine Gedenkfeier im großen Rathaussaal in Vohenstrauß.

Ein Sterbebild erinnerte an den Bäckerssohn: "Gefallen im Osten im Alter von 21 Jahren". Hans kam am 28. Februar 1924 zur Welt. Als er starb, war er also erst 20 Jahre alt. "Man sollte den Wortlaut der Todesanzeige nach Bayreuth zur Kontrolle schicken, dass nichts geschrieben wird, dass nicht in den Kram passt."

Vater Pinter tat das nicht. "Man muss doch schreiben, Dienstgrad, ob Infanterie, oder Ort, und wann gefallen, Osten oder Westen. Die hiesige Einwohnerschaft kam aus jedem Haus zu seinem Gottesdienst, obwohl nichts in der Zeitung stand und alle wussten es. Ich wollte aufstehen in der Kirche und mich für den zahlreichen Besuch bedanken, aber es ist noch nicht dagewesen, dass sich jemand in der Kirche bedankt hätte." Diese Sätze stehen in den Aufzeichnungen des Vohenstraußers, weiß Heimatforscher Karl Ochantel, der es nicht versäumen will, an diesen Kriegstoten zu erinnern.

Und was ist mit dem Wunsch eines Grabsteins im elterlichen Garten? Am 13. Januar 1945 meldete Donat Pinter dem Landrat in Vohenstrauß: "Mein Erstgeborener, ein Mann von 21 Jahren, gewachsen wie eine Tanne groß und stark, fiel in Ostpreußen im Nahkampf und liegt dort begraben." Und der Vater erfüllte den Wunsch seines Sohnes. Zwischen den großen Bäumen am Eglseeweiher stellte er einen Gedenkstein auf: "Dem Soldaten Hans Pinter zum Gedächtnis." Leider schlich sich dabei ein Fehler ein, denn es fehlt der Buchstabe t. Der Senior ließ deshalb vom Steinmetz Schmidt 1970 für 660,45 Mark einen neuen Granitstein erstellen.

Grabsteine erhalten


Ochantel vom Heimatkundlichen Arbeitskreis war erstaunt, dass Bäckermeister Otto Pinter noch beide Steine im Garten am Eglseeweiher hat. Hans Pinter war der Großonkel des jetzigen Besitzers. Auch Marterlforscher Rudolf Großmann ergänzte seine Liste über die Denkmäler. Hans Pinter hatte noch einen jüngeren Bruder Donat. Dieser wird mit 18 Jahren in einem Flakregiment in Italien verwundet. An seinem 19. Geburtstag kam er als "bedingt kriegsverwendungsfähig" (bKV) mit seiner Division nach Ostpreußen. Am 13. Januar 1945 begann der Großangriff der Russen in Ostpreußen. Die deutsche Front wurde zurückgedrängt und Königsberg eingeschlossen. Donat Pinter gelang der Rückzug über Danzig. Er kam in Kriegsgefangenschaft.

Bruder in der Nähe


Am 30. Juni 1945 sah er seine Heimatstadt Vohenstrauß wieder und half, das durch eine Panzergranate getroffene Elternhaus wieder aufzubauen. Ob er gewusst hatte, dass sein Bruder nur einige Kilometer von seiner Stellung entfernt gefallen war, wurde nicht überliefert. Am 22. Januar 1945 besetzte die sowjetische Armee die brennende Stadt Insterburg. Die Stadt wurde nachfolgend nach dem sowjetischen General Cernjachovsk umbenannt. Dieser ließ ein großes Durchgangslager für deutsche Kriegsgefangene einrichten, das von 250 000 Gefangenen durchlaufen wurde, von denen 16 000 dort verstarben. Wie Josef Zimmet aus Eslarn, der am 14. Dezember 1945 im Gefangenenlazarett starb und im Friedhof Insterburg beerdigt wurde.

Beim Rückzug im Januar 1945 konnten viele gefallene Soldaten nicht geborgen werden und gelten bis heute als vermisst, wie Ludwig Gürtler aus Tännesberg, Anton Zilbauer aus Braunetsrieth, Theodor Kleber und Johann Forster aus Eslarn.
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