Erstes Prinzenpaar der Stadt Vohenstrauß
Fasching wird eine Schau

Präsident Hermann Schmidt (links) und Hofmarschall Philipp Gruber (rechts) präsentierten 1956 das erste Prinzenpaar der Stadt Vohenstrauß: Emma Rewitzer als Prinzessin Emmi und Max Mehr als Prinz Max (sitzend). Die Aufnahme stammt aus dem Besitz von Gruber. Repro: tss
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Vohenstrauß
30.12.2015
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Kaum ist das Knallen der Böller und Sektkorken an Silvester verhallt, folgt schon der nächste Grund zum Feiern: der Fasching. Heuer ist er recht kurz, eine Schau wird er trotzdem.

Zumindest wenn es nach dem Heimatkundlichen Arbeitskreis geht. Denn die Verantwortlichen um Vorsitzenden Heinrich Aichinger bereiten im Heimatmuseum eine Ausstellung über die Geschichte der närrischen Zeit vor. Ab Montag, 18. Januar, sind unter anderem Fotos, Faschingsdekoration aus den 1950er Jahren, Narrenkappen, Faschingsorden oder Zeitungsausschnitte zu sehen. Ein weiterer Schwerpunkt ist das Brauchtum.

Federführend ist Karl Ochantel, der die Historie des Faschings in Vohenstrauß erforscht hat. "Vor 150 Jahren waren die Faschingsbälle eine vornehme und teure Angelegenheit. Es gab jährlich einen oder zwei Bälle." Vor etwa 100 Jahren brauchten die Wirte eine besondere Lizenz für Tanzmusik. Die Gemeinden wollten mit der Gebühr ihre Kassen aufbessern, sie sollte auch der Sicherheit dienen.

"Narrhalla" Vohenstrauß


Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Vereine erst 1951 wieder aktiv. Erstmals am Faschingsdienstag 1952 organisierte der TV wieder einen Kinderfaschingszug. 1955 gründete sich aus TV und SpVgg die Faschingsgesellschaft "Narrhalla" Vohenstrauß. Der Elferrat traf sich unter Präsident Hermann Schmidt zur ersten Sitzung im Jägerstüberl am Neuwirtshauser Weg. Die Verantwortlichen meinten, dass es wenigstens beim Sportlerball ein Prinzenpaar geben sollte. So folgte beim Ball der Spielvereinigung in der Turnhalle die Inthronisation von Prinz Ernst von Bayuwarien (Ernst Mauerer) und Ihrer Lieblichkeit Prinzessin Emmi von Porzellino de Telefonata (Emmi Stephan).

Neben den später legendären Hausbällen beim "Emil" in der alten Turnhalle oder den Faschingsdienstagen in der Tanzdiele Sommer gab es 1956 einen ganz besonderen Höhepunkt: das erste Prinzenpaar der Stadt Vohenstrauß. "Zunächst lüftete Präsident Hermann Schmidt das Geheimnis: Prinz Max (Max Mehr) wurde den Elferräten vorgestellt und seine Wahl einstimmig gebilligt", berichtet Ochantel.

Hofmarschall Philipp Gruber rief Emma Rewitzer als Prinzessin Emmi aus. Elferräte waren Alfred Blobner, Bernhard Dettki, Willi Gesierich, Georg Hofmann, Hans Solfrank, Hermann Schall, Theo Stümpfler und Rudi Zimmermann. "Schneidig marschierte zur Inthronisation am 7. Januar 1956 Gardeoberst Lilo Windschiegl unter den Klängen der Kapelle Zupfer aus Neustadt in die Turnhalle, gefolgt von den Gardemädchen Sieglinde Bäumler, Hermine Dangriess, Hildegard Hofmann, Margit Patzner, Lydia Schönberger, Elfriede Schönberger, Fanny Suckart und Irmgard Vogt", weiß der Heimatforscher.

"Unsittliches Treiben"


Funkenmariechen Liesl Höllerer wirbelte durch den Saal. Bürgermeister und Ehrenpräsident Hans Fuchs überreichte die Schlüssel der Stadt. Dann feierte der "Liederkranz" den "Ball der Stadt Wien". Beim Bauernball wurden sogar zwei Ferkel ausgetanzt. "Einen Fasching wie 1956 hat Vohenstrauß noch nicht erlebt", berichtete die Presse. Ganz anderer Meinung war laut Ochantel ein Geistlicher aus dem nördlichen Raum. Als Beispiel des "unsittlichen Treibens" nannte er die Karnevalsschlager "Wir kommen alle, alle in den Himmel" und "Der schönste Platz ist immer an der Theke".

Erst 1963 präsentierte der Turnverein wieder Tollitäten: Prinz Peter von Exportanien (Peter Hegenbarth) und Prinzessin Doris (Ressel). Hofmarschall war damals Horst Frötschl und Präsident Fred Blobner. Eine Attraktion erwähnt Ochantel beim Kinderfaschingszug: ein Fußballspiel zwischen einer internationalen Damenauswahl und einer Elf aus dem Kongo. "Im Großraumstadion beim Rathaus standen sich dann die Nitribitt, die Bardot und die Diba dem Tscherbeerbudy, dem Lumumbo Günther, dem Bisidimo Max und dem Balla Kalle gegenüber. Masseur war Hans Gesierich. Nachdem das Spiel 2:2 ausgegangen war, erhielten die Indianer, Cowboys, Kaminkehrer, Gartenzwerge oder Prinzessinnen in der Turnhalle Brezen, Würstchen und Leckereien. Die erschöpften Fußballer erfrischten sich in der Tanzdiele Summerer."

Fasching früher anders


1964 zogen Prinz Willi I. (Schönberger) und Prinzessin Elfi (Dobner) mit Funkenmariechen (Christa Walter) in den voll besetzten Saal der städtischen Turnhalle ein. Viel Beifall erhielten Hofmarschall Ernst Bartl, Präsident Hans Rosner und die Elferräte. 1965 regierten Prinz Walter und Prinzessin Helga, dann Prinz Adam und Prinzessin Bärbel sowie Prinz Manfred und Prinzessin Ingrid. Ein Elferrat erinnert sich mit Wehmut: "Es war halt ein anderer Fasching früher."

Alfred Schmucker lobte den kürzlich verstorbenen Alfred Blobner: "Der Fred war schon immer der Hauptmacher, mit seinen Malkünsten war er die Identifikation des Fasching in Vohenstrauß." Neue Akzente setzte ab 1973 der neu gegründete Vohenstraußer Faschingsverein (VFV). Unter Vorsitzendem Hans Wurdack gab es unter anderem auch einen Faschingszug.
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