Evangelische Kirchengemeinde feiert langjährige Partnerschaft mit tschechischen Freunden
Glaube überwindet Grenze

Die Partnergemeinde in Cernosín bekam vor zwei Jahren mit Ludek Korpa (Dritter von links) einen neuen Pfarrer, der nun zum Gemeindefest nach Vohenstrauß kam. Stadtpfarrer Peter Peischl sowie dessen Vorgänger und Initiator dieser Beziehungen, Stadtpfarrer a. D. Hermann Bock, (von rechts) freuten sich mit den Vertrauensleuten im Kirchenvorstand, Ulrike Kießling (Zweite von links) und Uli Münchmeier (links). Bild: dob
Vermischtes
Vohenstrauß
14.07.2016
63
0
 
Der neue Pfarrer von der Partnergemeinde Černošín, Ludek Korpa (rechts), kam mit einer großen Delegation aus Tschechien zum evangelischen Gemeindefest, bei dem auf 25 Jahre Partnerschaft zurückgeblickt wurde.

Wie Glaube und Liebe Grenzen überwinden kann, beweist die Evangelische Kirchengemeinde mit der tschechischen Partnergemeinde in Cernosín nun schon seit 25 Jahren.

In diesem Jahr kann dieses markante Jubiläum gefeiert werden, denn ab 1991 wurde die zuvor mehr persönlich gelebte Beziehung der beiden Pfarrfamilien auf eine offizielle Ebene einer Partnerschaft zwischen der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde und der "Ceskobratrská církev Evangelická" Cernosín gehoben.

Der ehemalige Stadtpfarrer Hermann Bock erinnerte sich mit seiner Ehefrau Lieselotte am Gemeindefest an den Beginn dieser Beziehungen ins Nachbarland. "Es waren aufregende Zeiten damals, Herbst 1989 und dann vor allem das Jahr 1990 und die unmittelbar folgenden." Viele Familien aus der damaligen DDR waren nach Vohenstrauß gekommen und suchten eine Bleibe. Kurz darauf kamen die Familien aus Siebenbürgen und die "Russlanddeutschen" dazu.

Der Pfarrer und seine Frau waren damals hin und wieder in der damaligen Tschechoslowakei, in Prag auf Kulturreisen, in Budweis, auf den Spuren von Jan Hus und der Böhmischen Brüdergemeinde. Nach der Grenzöffnung kam der elementare Wunsch auf, die neuen Möglichkeiten der Begegnung mit den Menschen jenseits des einst undurchdringlichen Eisernen Vorhangs zu nutzen, insbesondere zu den Glaubensgeschwistern im Nachbarland. Die christlichen Kirchen waren dort zwar vom Staat geduldet, die Anzahl der Priester reglementiert. Im öffentlichen Leben spielten Kirchen und Christen nahezu keine Rolle.

Abenteuerliche Reise


Seit einigen Jahren schon übernachtete zu dieser Zeit bei der Familie Bock im Pfarrhaus eine kleine Gruppe aus Breda (Holland), die auf der Fahrt nach Brünn (Tschechien) in Vohenstrauß Rast machten. Sie brachten zweimal im Jahr gebrauchte Kleidung in ein Kinderheim nach Brünn. Pfarrer Bock bat seine Gäste, in Erfahrung zu bringen, wo die nächste evangelische Kirchengemeinde zu Vohenstrauß angesiedelt war. "Auf der Rückfahrt kamen die Holländer wieder bei uns vorbei und nannten uns Cernosín".

Obwohl die Vohenstraußer kein Wort Tschechisch sprachen oder verstanden, machten sie sich am 1. Mai 1990 auf den Weg nach Cernosín zur Adresse Husova 249. Auf dieser abenteuerlichen Reise lernten sie schließlich Pfarrer Jirí Marvan kennen. Sudetendeutsche, die in dem Ort einen Bauernhof betrieben, fungierten als Übersetzer. Gleich beim ersten Besuch hielt der Vohenstraußer eine Bibelstunde. "Ab diesem Zeitpunkt wussten wir, dass es eine Verständigungsmöglichkeit gab." Beim Abschied wurde klar, dass es weitergehen sollte und musste.

Alles hing jedoch an der Frage der Verständigung und des Dolmetschens. Ein Glück, dass Jirí Marvans Mutter, Mila Marvanová, in Prag lebte. Sie hatte in der Schweiz als Übersetzerin und Dolmetscherin gearbeitet und war von da an, neben wechselnden jungen Damen mit Deutschkenntnissen stete Begleiterin. Die Partnerschaft war besiegelt. Es erfolgten Einladungen der Kirchenvorstände hinüber und herüber.

"Das geistliche Element der Beziehung spielte immer eine große Rolle." Meist wurden die Vohenstraußer zum "geistlichen Besinnungstag" nach Cernosín eingeladen. Neben den Mitgliedern des Kirchenvorstands reisten mitunter die Bläser des Posaunen- und des Kirchenchors, aber auch die übrigen Gemeindemitglieder, denen diese Partnerschaft einfach wichtig war, mit zu den Besuchen.

Aus diesen mehr offiziellen Begegnungen sind so manche persönliche Freundschaften entstanden. Besonders die Familien Hofmann, Seidl und Stahl senior erwähnte der ehemalige Stadtpfarrer in diesem Zusammenhang. Umgekehrt waren die Brüder und Schwestern aus Cernosín gerngesehene Gäste bei den Gemeindefesten. Nachdem Pfarrer Bock dann Vohenstrauß verlassen hatte, führte sein Nachfolger Stadtpfarrer Peter Peischl und der damalige Pfarrer Dr. Norbert Kotowski die Partnerschaft fort. Vor sechs Jahren wurde sogar offiziell ein Partnerschaftsvertrag zwischen beiden Kirchengemeinden geschlossen. Ziel war, mit umfangreichen Bemühungen das Cernosíner Gemeindehaus mit EU-Fördergeldern zu renovieren, was auch gelang.

Neue Generation


Vor zwei Jahren wurde Pfarrer Ludek Korpa installiert, der selbstverständlich am Sonntag beim Gemeindefest mit einer Delegation anreiste. Eine neue Generation ist herangewachsen. Deshalb lautete Pfarrer Bocks großer Wunsch: "Möge die Partnerschaft wachsen, blühen und gedeihen, Gott zur Ehre und zum Wohl der Menschen." Das zum Gemeindefestsonntag veranstaltete Partnerschaftsquiz gewann Elly Hilburger. Sie durfte ein Aquarell von Adrian Arthur Senger mit nach Hause nehmen.

CernosínCernosín ist eine Stadt mit 1159 Einwohnern. Sie liegt am Bach Cernosínský und gehört dem Kreis Tachov/Tachau an. Der Ort befindet sich 11 Kilometer nordwestlich von Stríbro/Mies, der politischen sowie kirchlichen Partnerstadt von Vohenstrauß und der katholischen Pfarrgemeinde, an der Verbindungsstraße nach Planá. (dob)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.