Fahrzeug der Helfer vor Ort erhält Segen
Pfarrer lesen BRK die Leviten

Der Helfer-vor-Ort-Einsatzwagen erhielt den kirchlichen Segen. Doch auch die Turbulenzen um die Verlegung des Rettungswagenstandorts flammten durch die beiden Geistlichen Stadtpfarrer Peter Peischl und Dekan Alexander Hösl noch einmal auf. Bild: dob
Vermischtes
Vohenstrauß
15.03.2016
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Seit der Inbetriebnahme der Helfer vor Ort (HvO) rückten die Ehrenamtlichen schon zu über zehn Einsätzen aus. Am Samstag segneten Dekan Alexander Hösl und der evangelische Stadtpfarrer Peter Peischl den neuen Einsatzwagen. Dabei fanden beide klare Worte zu den Vorkommnissen um die Verlegung des Rettungswagenstandorts nach Lohma.

Mit der Segnung brächten die Rotkreuzler zum Ausdruck, dass sie ihr soziales Engagement auf der christlichen Basis bauen wollen, sagte Dekan Hösl. "In unserer Region sei es noch lebenswert, weil wir noch eine relativ hohe ehrenamtliche Dichte aufweisen können", lobte der Seelsorger.

Mann der offenen Worte


Wer ihn kenne, wisse, dass er ein Mann der offenen Worte sei. In den letzten Wochen sei ihm sehr sauer aufgestoßen, wie man mit Kollegen und Mitarbeitern umgehe, die ihr Herzblut an ihren Dienst und an die Arbeit hängten, aber nur einmal anderer Meinung seien. Damit ging der Geistliche auf die Turbulenzen innerhalb des Rettungszweckverbands, der Rotkreuzführung und Mitarbeiter ein, die um die Verlegung des Rettungswagenstandorts entstanden waren. "Kritik zeigt doch nur meine große Leidenschaft für eine Sache, die mir viel bedeutet, und dass ich unter der Situation einfach leide", erklärte der Seelsorger.

"Auch ein Politikum"


Jetzt stehe es also da, das neue HvO-Auto, "das irgendwie auch ein Politikum war", fand Peischl. Er machte klar, dass Veränderungen nicht selten die Wogen hochschlagen lassen. Für kühle Sachlichkeit sei dann manchmal kein Platz mehr. Im Fall der Verlegung des Rettungswagens wurde Lohma als richtiger Standort für die Rettungswache entschieden, denn "wir haben ein Gesetz". Aber schon ein altes Sprichwort laute: "Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast."

Manchmal liege die Kunst auch darin, bei der Berechnung oder Beurteilung Faktoren wegzulassen. Wie sinnvoll die Wache am neuen Standort sei, werde sich zeigen. Mit der Hilfsfrist sei das so eine Sache. Grundsätzlich sei dagegen nichts einzuwenden. Aber fließe dann auch ein HvO-Fahrzeug bei der Berechnung in die Zauberformel mit ein?

Es gebe im Zusammenhang mit dem neuen Fahrzeug eine Menge Dinge, über die man sich Gedanken machen könne. Es brauche jedenfalls viel Engagement, die Bereitschaft für diesen Wagen aufrechtzuerhalten, erkannte Peischl.

Für stellvertretenden BRK-Kreisvorsitzenden Dr. Rudolf Poschenrieder war die Inbetriebnahme des Helfer-vor-Ort-Standorts in Vohenstrauß ein Grund zur Freude. Den Leiter der Integrierten Leitstelle, Herbert Putzer, bezeichnete er als Urvater der Helfer vor Ort, der schon vor Jahrzehnten die Wichtigkeit dieser Organisation erkannte.

30 dieser Standorte gebe es im Kreisverband Weiden und Neustadt. Es sei ein schwerer Dienst mit hoher nervlicher Anspannung, den die Frauen und Männer übernehmen. Angesichts von Hektik und Verzweiflung müssten die Einsatzkräfte immer kühlen Kopf bewahren.

Gräben überwinden


Besonnen und konsequent sollten die Helfer vorgehen, riet der Allgemeinmediziner. Er wünschte der Rotkreuzgemeinschaft wieder große Befriedigung, eine gute Gemeinschaft und großen Zusammenhalt. Die tiefen Gräben, die im Vorfeld mit der Verlegung des Rettungswagenstandorts entstanden waren, müssten nun überwunden werden.

Nach zähen Verhandlungen sei nun der HvO-Dienst gegründet worden, lobte Bürgermeister Andreas Wutzlhofer den Einsatz von Christian Messer. Der Rathauschef wünschte den Einsatzkräften Kraft und Nachhaltigkeit. Wie schnelle, ausgezeichnete Hilfe aussehen könne, habe er am eigenen Leib erfahren. Die Zahlen hinsichtlich der Verlegung des Rettungswagenstandorts behalte er im Blick, sie müssten sich nach dem ersten Quartal beweisen.

Der Chefarzt im BRK-Kreisverband, Gerhard Wührl , ging auf die schnelle und exakte Hilfe bei Notfällen, besonders bei Herz-Kreislauferkrankungen ein. Für ihn stelle sich die Frage nach der Einhaltung der Hilfsfrist nicht, denn der Rettungsdienst werde es nie schaffen, immer rechtzeitig vor Ort zu sein.

"Wenn man den HvO-Dienst noch nicht hätte, müsste man ihn erfinden", versicherte Kreisgeschäftsführer Franz Rath . Er habe diese Anliegen von Beginn an unterstützt. Doch gelte es immer, die eigene Sicherheit vor der Schnelligkeit im Blick zu behalten, legte er den Helfern ans Herz, die auch den Bereich der Autobahn A 6 betreuen.

ILS-Leiter Herbert Putzer erinnerte an die Umsetzung der Helfer-vor-Ort-Idee vor 21 Jahren, als er auf Bezirksverbandsebene als Vorsitzender nur belächelt wurde. Damals habe er das Konzept konsequent umgesetzt, das heute von Erfolg gekrönt sei. Dank der Kreisverbandsführung sei dies ermöglicht worden.

Für Bereitschaftsleiter Johann Ram schloss sich mit der Installation des HvO in Vohenstrauß der Kreis, der nun der Veränderung Rechnung trage und zum breiten Feld des Aufgabenspektrums gehöre.

Über 100 Einsätze pro Jahr



Ein Notfalleinsatz mit einer laufenden Reanimation vor einem dreiviertel Jahr gab bei Rettungssanitäter Christian Messer den Ausschlag, einen HvO-Standort in Vohenstrauß zu gründen. Daraufhin setzte er sich massiv für die Verwirklichung ein und erhielt auch Unterstützung aus dem Kreisverband Weiden mit Kreisgeschäftsführer Franz Rath und Rettungsdienstleiter Peter Lischker .

Am 18. Januar gründete sich die HvO-Gruppe mit Veronika Beierl , Johannes Burger , Dominik Hanauer , Stephan Kraus , Christina Messer , Tanja Messer , Tobias Pausch , Uwe Rauch , Josef Solfrank , Rosi Stiebitz , Birgit Pruy , Dominik Kropf und Jasmin Träger , die nun in Notfällen für sogenannte Duplizitätsfälle ausrücken. Das bedeutet, wenn der Rettungswagen in Lohma, der Notarztwagen oder Krankentransportwagen in Vohenstrauß bereits im Einsatz sind und zusätzlich ein Notfall gemeldet wird.

In erster Linie überbrücken die Helfer vor Ort die therapiefreie Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdiensts aus Weiden, Neustadt oder Oberviechtach mit qualifizierter Hilfe. In Vohenstrauß und Umgebung beträgt diese Zeit zwischen 10 bis 14 Minuten, informierte Messer. Der Zeitvorteil sei bei der Reanimation lebensentscheidend, wenn man bedenke, dass jede Minute ohne eine Herzmassage die Überlebenschance um zehn Prozent sinke. Jährlich rechnen die Verantwortlichen mit 100 bis 150 Einsätzen. An den Wochentagen sind die Kräfte jeweils von 18 bis 6 Uhr und von Freitag, 18 Uhr, bis Montag, 6 Uhr, besetzt. Während der Woche von 6 bis 18 Uhr könne der Dienst bisher nur durch Helfer besetzt werden, die sich in keinem Arbeitsverhältnis befinden, nachdem dieser Dienst auf rein ehrenamtlicher Basis und unentgeltlich abgedeckt werde. Deshalb sei man stets auf der Suche nach weiteren Mitstreitern.

Großen Dank richtete Messer an den Leiter der HvO-Ortsgruppe Waidhaus, Thomas Schmidt , der die Ausbildung der Vohenstraußer mit übernahm. Doch auch seiner Ehefrau dankte Messer, denn ohne sie hätte er die knapp 100 Stunden Freizeit für diesen Zweck nicht aufbringen und leisten können.
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