Faschingsbrauchtum in Vohenstrauß
"Boußn" soll richtig wehtun

Heimatkundler Karl Ochantel demonstrierte an der Schaufensterpuppe mit seinen Kollegen vom Heimatkundlichen Arbeitskreis Heiner Aichinger, Rudolf Großmann und Peter Staniczek (von links) das "Oarschboußn" mit Brett und Holzhammer. Bild: dob
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Vohenstrauß
21.01.2016
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Hinter dem Wort "Oarschboußn" vermutet so manch einer, der nicht der Oberpfälzer Sprache mächtig ist, eine schier obszöne Tat. Karl Ochantel vom Heimatkundlichen Arbeitskreis hat sich diesem alten Brauch angenommen, der bis zum Ende des 18. Jahrhunderts zurückreicht.

Obwohl der Gemeinderat Vohenstrauß das Brauchtum vor rund 170 Jahren verboten und unter Strafe gestellt hatte, verschwand es nie ganz aus den Köpfen. Das "Oarschboußn" kennzeichnete beim Kehraus in der Nacht vom Faschingsdienstag auf den Aschermittwoch das Ende der fünften Jahreszeit. "Boußn" bedeutet so viel wie schlagen, weiß Ochantel. Man erinnere dabei an den Amboss des Schmieds, auf den geschlagen wird.

"Schlegeln" oder "Pleschn"


Andernorts spreche man vom "Pleschn", in Flossenbürg vom "Pritschn" oder in der Region um Waidhaus vom "Schlegeln". Beim "Boußn" griff einer der Burschen nach einem Mädchen, das sich natürlich oder nur scheinbar heftig wehrte, und hielt ein Brett auf den Hinterteil der jungen Dame. Ein anderer schlug dann mit einem Holzhammer drei Mal darauf. Ein Schlag, der danebenging und die "Zeugungswerkzeuge" traf (der eigentliche Sinn des "Boußns"), tat demjenigen dann so richtig weh, sagt Ochantel.

Vorchristlicher Brauch


Dieses Schlagen sei ein vorchristlicher Fruchtbarkeitsbrauch gewesen. Nach dem langen Winter sollte die Fruchtbarkeit der Natur und des Menschen wieder aufgeweckt werden. Manche sahen im Hammer sogar das Sinnbild des heidnischen Donnergotts Thor oder Donar, an dem der "Unsinnige Donnerstag" ebenfalls erinnert. Die Mädchen hatten dann beim "Oarschboußn" einen Obolus zu geben, der anschließend gemeinsam vertrunken wurde.

Es blieb natürlich nicht aus, dass manchmal "vom sittenlosen Missbrauch" unter ledigen Burschen gesprochen wurde, wenn sie es mit den "Weibsbildern" zu toll trieben. "Deshalb kam dann vermutlich auch das offizielle Verbot", ergänzt Ochantel.

In Tschechien bestreichen die Burschen bis heute am Ostermontag mit der geflochtenen Osterrute die verlängerten Rücken der Mädchen. Damit wolle man die Fruchtbarkeit der Ruten auf die Weiblichkeit übertragen. Der Lehrer mit der Rute sei zudem sprichwörtlich zu nehmen, denn an einem gewissen Tag vor rund 100 Jahren wurde dieses Szenario alljährlich zum Mordsspaß für Kinder. In Waldau wurde zum Beispiel zu Fasching "ausgepeitscht". Der Lehrer saß dazu mit der Rute auf einer Bank. Zuerst krochen die Burschen auf allen Vieren durch die Beine des Lehrers und bekamen einen Streich mit der Rute auf das Gesäß. Anschließend waren die Mädchen an der Reihe, die dazu laut kreischten. Danach bekam der Lehrer ein "Ausstreichgeld". Diese Münze hatten alle Kinder für diesen Zweck schon in ihren Taschen.
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