Früher ging es bei der Kirwa auch schon mal hoch her - Willkommene Feier nach harter ...
Nicht selten flogen auch die Fäuste

Vermischtes
Vohenstrauß
24.10.2015
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"A richtiger Kirta dauert bis zum Irta. Wann se's tuat schicka, aa bis zum Migga." Seit nunmehr 149 Jahren findet jeden dritten Oktobersonntag die Allerweltskirchweih statt und eine Woche später die "Kalte Kirwa" der Vohenstraußer.

Das große Fest der Kirchenweihe hat mittlerweile eine jahrhundertelange Tradition: Schon seit 779 wurde der Brauch in Bayern dokumentarisch festgehalten und erfreut sich bis heute großer Beliebtheit. Denn wie heißt es so schön: "Man muss den Weibern ihren Kaffee und den Bauern ihren Kirta lassen."

Bis sich die aus vielen Einzel-Kirchweihen entstandene Allerweltskirchweih durchsetzte, dauerte es aber. Erst der königliche Erlass aus dem Jahre 1866 legte die einzelnen Kirchweihfeste auf dem dritten Sonntag im Oktober zusammen. Bevor die "staade Zeit" mit dem kalten Winter kam, ging es nochmal rund: Kirchweih war nicht nur ein Fest der Kirche, sondern vielmehr ein Erntedankfest - eine Feier, weil die harte Erntearbeit vorüber war.

Großes Ereignis

Die Feldarbeiter wurden für ihre Mühen ausgezahlt - und schon eine ganze Woche vor dem großen Ereignis liefen die Vorbereitungen auf Hochtouren: Der Hof wurde auf Hochglanz gebracht und die Festbekleidung sorgfältig zurechtgelegt. Bereits Tage zuvor begannen die Bäuerinnen, sich um die Verpflegung von Familienmitgliedern und Erntehelfern zu kümmern, denn auch die Mägde, Knechte und Dienstboten wollten an diesen Tagen entsprechend verköstigt werden, erzählen Zeitzeugen.

Dem Kirchweihtanz folgte zu fortgeschrittener Stunde und gestiegenem Alkoholpegel nicht selten eine Schlägerei zwischen befehdeten Nachbarsdörfern. Die Gaumenfreuden, mit denen die Bäuerinnen ihre Leute verwöhnten, waren für die damalige Zeit eine Besonderheit: Pfannkuchensuppe, Schweinebraten mit Kartoffelknödel und Kartoffel-Endivien-Salat fehlten ebenso wenig wie die in Fett herausgebackenen hausgemachten Küchel.

Oft saßen die Männer mit Zigarre und Bier kartenspielend in der Stube, während die Bäuerin zusammen mit den Mägden in der Küche schon die Köstlichkeiten für den Abend herrichtete.

Anderes Publikum

Nach dem Zweiten Weltkrieg feierte die Bevölkerung anders, berichten Zeitzeugen. Zwar gab es das Fest nach wie vor, doch das Publikum veränderte sich: Die Erntehelfer waren größtenteils Flüchtlinge oder heimatlose Kriegsheimkehrer, die sich mit der Arbeit auf dem Hof ihr Überleben sicherten.
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