Für den MGV Kaimling läuten bald die Totenglocken
Das Ende vom Lied

"Wir werden in schwacher Besetzung noch einmal beim Patrozinium unserer Kaimlinger Kirche am 8. Dezember zur Ehre Gottes Singen und am 26. Dezember bei der Weihnachtsmesse in der Roggensteiner Pfarrkirche." Zitat: MGV-Vorsitzender Josef Ertl
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Vohenstrauß
28.10.2016
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Noch im Jahr 2015 war die MGV-Vorstandschaft guter Dinge den Fortbestand der Gemeinschaft doch noch sichern zu können. Josef Barth (links), Vorsitzender der Sängergruppe Floß brachte damals Ehrungen für Hans Hermann (Dritter von links) und Hans Eiberweiser (Zweiter von rechts) für 40 Jahre Chorgesang mit nach Kaimling.


"Kaimlinger Lied"Unter dem Titel "Jenseits des Tales" gab der MGV 2003 eine CD heraus. Darauf ist auch das von Josef Ertl getextete und von Corinna Rösel vertonte "Kaimlinger Lied" zu hören, in dem die Sänger ihre Liebe zur Heimat gestehen und das romantische Luhetal besingen:

"Dort wo die Sonne scheint, dort wo die grünen Wälder stehen, wo sich der Luhebach sein Bett von Ost nach Süd gemacht, da liegt Kaimling im Luhetal, ja unser Kaimling im Oberpfälzer Wald.

Und diesen schönen Ort umgeben Burgen alt und grau, es grüßen Leuchtenberg und Roggenstein am Horizont. Da liegt Kaimling im Luhetal, ja unser Kaimling im Oberpfälzer Wald. Bist du der Heimat fern, erlebst der Städte Hast und Müh', denkst du dann gern zurück an dort wo Ruhe dich empfängt. Da liegt Kaimling im Luhetal, ja unser Kaimling im Oberpfälzer Wald. Und wenn du müde bist, der Alltag dir zur Last, dann gehst du zum Luhebach, der rauscht wie ein Gebet so still. Da liegt Kaimling im Luhetal, ja unser Kaimling im Oberpfälzer Wald." (dob)

Nach 113 Jahren wird der Männergesangverein "Liederkranz" (MGV) Kaimling bald Geschichte sein. "Es geht nicht mehr weiter", informiert Vorsitzender Josef Ertl nach einer außerordentlichen Versammlung im Schulhaus vom Aus.

Kaimling. Sein ganzes Herzblut steckte der Lämersdorfer, der seit 24 Jahren an der Spitze steht, in den MGV. Schon seit langem wissen die noch verbliebenen 15 Sänger mit einem Durchschnittsalter von 68,5 Jahren, dass ein Wunder geschehen müsste, um das Rad noch einmal herumzureißen. 32 Mitglieder halten dem Verein noch passiv die Treue.

Noch zwei Auftritte


Viele Sänger sind mittlerweile gestorben oder das Singen ist ihnen altersbedingt einfach nicht mehr möglich und zu beschwerlich. Die Stimmung unter den Mitgliedern ist demzufolge gedrückt. Das Klammern an jeden noch so kleinen Strohhalm erscheint jedoch aussichtslos. Noch zwei Mal wollen die Männer in der Öffentlichkeit auftreten, dann werden die gern gehörten Stimmen für immer versiegen.

"Wir werden in schwacher Besetzung noch einmal beim Patrozinium unserer Kaimlinger Kirche am 8. Dezember zur Ehre Gottes Singen und am 26. Dezember bei der Weihnachtsmesse in der Roggensteiner Pfarrkirche", verspricht Ertl. Wenige Tage vor dem Jahreswechsel sei es dann aber definitiv das letzte Mal, dass sich der MGV in dieser Formation zeigen werde.

Ausflug und Essen


Bis ins Frühjahr zur ordentlichen Jahreshauptversammlung bleibe die Organisation zwar bestehen, doch danach werde die Auflösung abgewickelt und der Verein stillgelegt. Mit dem Vermögen streben einige Sänger noch einen Ausflug und ein gemeinsames Essen an. Genaueres sei jedoch nicht entschieden.

Ertl kandidiert jedenfalls nicht mehr für den Vorsitz und eine neue Mannschaft ist nicht in Sicht. Die Mitglieder sehen einfach keine Perspektive mehr, auch wenn diese Tatsache keinem der Sänger leicht fällt. Auf Dauer sei der MGV aber einfach nicht mehr überlebensfähig, gesteht Ertl ein. "Auch wenn es noch so schmerzt." Jüngere Mitglieder sind nicht in Sicht.

Vor rund acht Jahren war man noch voller Hoffnung. Neue und vor allem jüngere Sänger kamen in die Runde. Doch die seien weggezogen oder haben weggeheiratet. Immer wieder wurden vermeintliche Kandidaten gefragt, ob sie sich nicht vorstellen könnten, zum MGV zu kommen. Doch der Chorgesang hat in der heutigen Zeit keinen so hohen Stellenwert mehr, wie dies noch vor Jahrzehnten der Fall war. Deshalb wagt Ertl mittlerweile nicht mehr, auf Jüngere zu hoffen.

Seit der Wiedergründung 1970 brauchte der Männergesangverein nur zwei Vorsitzende. Bis 1992 führte Adolf Herrmann die Riege, bevor Ertl die Nachfolge antrat. Gegründet wurde der MGV "Liederkranz" Kaimling am 6. Dezember 1903. Ein Foto im Probenraum im Schulhaus zeigt die Gründungsmannschaft, der Vorsitzender Johann Beigler, Dirigent Nikolaus Kneidl, Schriftführer Johann Waldhier, Kassier Jakob Faltenbacher und Tafelmeister Josef Waldhier angehörten.

Rosa Beimler springt ein


Eine erste Unterbrechung der Vereinstätigkeit erfolgte während des Ersten Weltkriegs. Nach mündlicher Überlieferung sei bis 1927 aktiv gesungen worden. Ab 1927 gab es keinen Gesang mehr, denn in der NS-Zeit wurden solche Vereine verboten. Nach Kriegsende bis 1969 wurde dann nur spontan gesungen. Überwiegend führte der Katholische Burschenverein den Chorgesang weiter. 1970 ergriffen Adolf Herrmann, Adolf Gmeiner und Karl Woppmann die Initiative zur Wiedergründung. Heribert Bauer war damals Lehrer in Kaimling und so übernahm er als Dirigent die Gemeinschaft und legte so wieder den Grundstein für den MGV.

Ein Jahr lang sprang 1980 kurzfristig Rosa Beimler als Dirigentin ein, bevor sie den Stab an Toni Hiereth weiterreichte. 1987 fanden die 24 aktiven Männer schließlich mit Adolf Rösel aus Vohenstrauß einen leidenschaftlichen Dirigenten. Das Repertoire der Sänger war stets anspruchsvoll, fast 60 Prozent ihrer Aktivitäten und Auftritte waren bei der Mitgestaltung des Kirchenjahres gefragt.

2004 bekam der Verein die begehrte "Zelter-Medaille" von Staatsminister Thomas Goppel. Sie ist Auszeichnung für Chorvereinigungen, die sich in langjährigem Wirken besondere Verdienste um die Pflege der Chormusik und des deutschen Volkslieds und damit der Förderung des kulturellen Lebens erworben haben. Nach dem Jubiläumskonzert in der Stadthalle mit rund 200 Sängern und rund 400 Zuhörern im Mai 2013 gestand Ertl: "Das Herz ist übervoll an Freude. Es wäre ein schönes Omen, wenn die Mitwirkenden durch diese Veranstaltung Männer und Frauen zum aktiven Mitsingen in einem der Chöre begeistern könnten." Diese Hoffnung erfüllte sich leider nicht.

Wir werden in schwacher Besetzung noch einmal beim Patrozinium unserer Kaimlinger Kirche am 8. Dezember zur Ehre Gottes Singen und am 26. Dezember bei der Weihnachtsmesse in der Roggensteiner Pfarrkirche.MGV-Vorsitzender Josef Ertl
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