Gerhard Gösl legt Amt als Kreisbrandmeister nieder
Kurze Hose - verbrannte Erde

Gerhard Gösl ist nicht mehr Kreisbrandmeister. Trotz etlicher Vermittlungsversuche war die Feuerwehrspitze nicht bereit, die aus einer Verärgerung heraus ausgesprochene Kündigung rückgängig zu machen. Bild: dob
Vermischtes
Vohenstrauß
08.09.2016
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Das Band ist zerschnitten. 21 Jahre lang ist Gerhard Gösl Kreisbrandmeister. Am Tag des Unfalltods eines 18-jährigen Moosbachers legt der bis dahin engagierte Feuerwehrmann sein Ehrenamt verärgert und enttäuscht nieder.

An diesem schicksalshaften 11. Juli rückte Gösl mit unvollständiger Schutzkleidung aus, und das zog Konsequenzen nach sich. Seither liegt der Vohenstraußer im Clinch mit Kreisbrandrat Richard Meier.

Zur Vorgeschichte: Als die Alarmierung zu dem tödlichen Unfall ausgelöst wird, springt der Kreisbrandmeister in sein Privatauto und eilt zur Staatsstraße 2166, Abzweigung Remmelberg. Gösl setzt sich schnell den Schutzhelm auf und zieht sich die Schutzjacke über, trägt jedoch eine kurze Hose. Am Einsatzort erfährt der 59-Jährige vom Unfalltod des bekannten Moosbachers und zugleich vom schwerverletzten Busfahrer, den er bestens kennt, da dieser ein guter Freund seines Sohnes ist und nahezu täglich bei ihm aus- und eingeht.

"Emotional ging mir das sehr nahe", erinnert sich Gösl. Trotz der hohen persönlichen Anspannung wollte Gösl seinen Feuerwehrkameraden helfen und sich nützlich machen. Um nicht direkt am Geschehen zu sein, läuft Gösl die Staatsstraße entlang zu zwei Lkw, um diese Richtung Albersrieth umzuleiten.

Zu diesem Zeitpunkt trifft auch Kreisbrandmeister Martin Weig von seiner Arbeitsstelle aus Weiden ein, ebenfalls in Shorts und T-Shirt. Deshalb bleibt er abseits stehen und wartet auf die Schutzkleidung, die ihm gebracht wird.

Zutiefst verletzt


Als wenige Minuten später Kreisbrandrat Richard Meier dazukommt, macht ihn ein Feuerwehrmann recht spitz auf die beiden Kreisbrandmeister aufmerksam: "Gibt es wohl für deine Führungskräfte keine Kleiderordnung?" Daraufhin geht Meier schnurstracks auf Gösl zu und schickt ihn unverzüglich vom Einsatzort weg.

Das barsche Auftreten Meiers erzürnt Gösl so sehr, dass er dem Kreisbrandrat impulsiv und innerlich äußerst erregt seine Jacke in die Hand drückt und gekränkt von dannen zieht. Als ihm Meier folgt, wirft ihm Gösl auch noch seinen Helm entgegen. "Richard Meiers Art hat mich zutiefst verletzt und schwer getroffen", verrät Gösl.

Zu Hause setzt er sich sofort an den Computer und verfasst eine E-Mail an das Landratsamt. Er legt mit sofortiger Wirkung sein Ehrenamt als Kreisbrandmeister nieder. Schon Ende Juli flattert ihm ein Schreiben von Landrat Andreas Meier ins Haus. Der oberste Dienstherr der Landkreiswehren bestätigt das Ausscheiden Gösls aus dem aktiven Dienst.

"Sie haben in der vergangenen Zeit an zahlreichen Ausbildungsveranstaltungen, Übungen, Einsätzen und sonstigen zum Feuerwehrdienst zählenden Veranstaltungen teilgenommen und Ihre Freizeit für die Belange unserer Feuerwehren geopfert. Dafür darf ich Ihnen als Landrat meinen herzlichen Dank aussprechen und Ihnen für Ihre weitere Zukunft alles Gute wünschen", schreibt der Landkreischef. Gleichzeitig wird in dem Brief die Bestätigung der Bestellung zum Kreisbrandmeister mit Wirkung vom 11. Juli 2016 zurückgenommen.

Offizielles Schreiben


Auf Nachfrage teilte Kreisbrandrat Richard Meier mit, dass er gezwungen sei, seine Feuerwehrleute auf das Tragen von geeigneter Schutzkleidung hinzuweisen. In einem etwaigen Verletzungsfall sei der Feuerwehrmann ansonsten nicht versichert. Das sieht auch Gösl ein: "Ich war nicht ordnungsgemäß gekleidet." Es sei heiß gewesen an diesem Tag, und nachdem er vom Unfalltod des Moosbachers und zugleich von dem von ihm bekannten schwerverletzten Busfahrer erfahren habe, sei er sowieso nicht an den direkten Einsatzort gegangen. Denn: "Ich predigte bei den Feuerwehren in Fortbildungen immer wieder, dass Kameraden, sollten sie persönlich betroffen sein, lieber vom Einsatz wegbleiben sollten.

Jedoch vertritt Gösl schon die Meinung, dass nach diesem schwierigen Einsatz der Kreisbrandrat mit ihm in Ruhe das Schutzkleidungsproblem hätte besprechen können und nicht ad hoc und in diesem Ton beim Einsatz. Da seien beide Gemüter erhitzt gewesen, meint der Vohenstraußer. Der Vorgesetzte sieht dagegen in der von Gösl verfassten E-Mail ein offizielles Schreiben an das Landratsamt, und das könne man nicht einfach wieder zurücknehmen.

Richard Meiers Art hat mich zutiefst verletzt und schwer getroffen.Gerhard Gösl


Ich bin gezwungen, meine Feuerwehrleute auf das Tragen von geeigneter Schutzkleidung hinzuweisen. In einem etwaigen Verletzungsfall sind sie sonst nicht versichert.Kreisbrandrat Richard Meier
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