Glocke wieder zu Hause

Unter einem festlichen Choral der Blaskapelle Bayerisch Blech ließen die Rückersriether Johann Scheuerer (mit Mikrofon) und Heinrich Summer die am Hebewerk eines Traktor angehängte Glocke letztmals erklingen. Der Kössinger Hans Meller (mit Stockschirm neben Scheuerer) hatte lange um die Heimkehr der Dorfglocke gekämpft. Bild: gi
Vermischtes
Vohenstrauß
16.08.2016
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Die Nationalsozialisten hatten 1940 die Glocke der Dorfkapelle in Kößing beschlagnahmt und zum Einschmelzen nach Hamburg gebracht. Daraus sollte Munition werden. Wie durch ein Wunder blieb das gute Stück unversehrt, kam aber nach dem Zweiten Weltkrieg nach Rückersrieth.

Kößing/Rückersrieth. Der verstorbene Prälat Johann Ascherl und der damalige Stadtpfarrer Franz Winklmann betrieben Archivforschung und stellten fest, dass es sich bei der Glocke um die von Kößing handelte. Das verriet ihnen die eingegossene Inschrift "Mathes Dives, Fudit Egrae (Eger), 1777".

Endlich abgeholt


Mit der Blaskapelle "Bayerisch Blech" und einem großen Aufgebot von Dorfbewohnern waren die Kössinger unterstützt von Bürgermeister Andreas Wutzlhofer, Stadträten, Kirchenräten und Böhmischbrucker Pfarrgemeinderäten in Rückersrieth angerückt, um ihre Glocke heimzuholen und sie wieder im Turm ihrer Kapelle aufzuhängen. Dekan Alexander Hösl, Geistlicher Rat Winkelmann sowie die Moosbacher Pfarrer Josef Most und Hermann Schötz feierten mit den Gläubigen zunächst einen Gottesdienst. Most freute sich "mit den Gläubigen aus Kößing, die ihre alte Glocke endlich abholen und nach Hause bringen". Die Lesung trug Roswitha Meißner.

Nach dem Gottesdienst versammelten sich alle am Kapellenplatz um die Glocke. "Wer Glocken einschmilzt und daraus die Munition macht, kann nie einen Krieg gewinnen", gab Johann Scheuerer zu bedenken. 33 Jahre läutete das Glöcklein in Rückersrieth. Niemand wusste etwas von der Irrfahrt. Die Familie Summer in Rückersrieth war für das Läuten zuständig. Ihr und dem Dorf falle der Abschied schwer. Immerhin habe sie in dieser Zeit für 40 verstorbene Rückersriether geläutet. Scheuerer freute sich, dass ein großer Wunsch der Kössinger in Erfüllung ging. Die Glocke bleibe in der Heimat, denn früher gehörten Kößing und Rückersrieth zur Pfarrei Böhmischbruck. Moosbachs zweiter Bürgermeister Fritz Steinhilber sagte, dass der Marktrat bereits 2002 beschlossen hatte, die Glocke zurückzugeben. Wutzlhofer erinnerte an die wichtige Vorarbeit von Prälat Ascherl und Winklmann. Als Triebfeder bezeichnete er jedoch den Kössinger Hans Meller, der jahrzehntelang um die Heimkehr der Dorfglocke gekämpft hatte. Der endgültige Durchbruch bei den Verhandlungen gelang aber im April diesen Jahres in einer Dorfversammlung in Rückersrieth.

Tränen in den Augen


Gerhard Biegerl dankte im Namen des Vohenstraußer Ortsteils den Rückersriethern die "gute Aufbewahrung der Glocke". Unter einem festlichen Choral der Blaskapelle Bayerisch Blech ließen Scheuerer und Heinrich Summer die am Hebewerk eines Traktors angehängte Glocke letztmals erklingen. Da hatte so mancher Tränen in den Augen. "Geben ist seliger denn nehmen", tröstete Scheuerer.
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