Grenzüberschreitende Theateraufführung
Von der Pest zum Rathaus-Lift

Fürstliche Bräuverwalter, Händler, Anlieferer und Marktfrauen, Handwerker sowie Bergarbeiter zeigten den Handel zwischen Bayern und Böhmen um 1662. Bilder: dob (2)
Vermischtes
Vohenstrauß
02.06.2016
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Marie Hartinger spielte Herzogin Katharina-Sophia, Pfalzgraf Friedrichs Ehefrau.

Pfalzgraf Friedrich wäre wohl vor Neid erblasst, hätte er den Auftritt der Schüler aus der Základní skola aus der Partnerstadt Stríbro und der Mittelschule Vohenstrauß im Schlosshof erlebt. Anlässlich des 700. Geburtstags Kaiser Karls IV. führten die Jugendlichen ein Theaterstück mit historischem Hintergrund auf.

Jakub aus Stríbro (Mies) besuchte Pfalzgraf Friedrich aus Vohenstrauß. Beide Persönlichkeiten nahmen die Zuschauer für rund eine Stunde an die Hand, machten eine Zeitreise durch die vergangenen 700 Jahre und erzählten so manch in Vergessenheit geratene Geschichte der Partnerstädte.

Bedeutender Herrscher


Das Theaterstück ist Teil des Begleitprogramms der Bayerisch-Tschechischen Landesausstellung über Karl IV. in Prag und Nürnberg. Der böhmische und römisch-deutsche König Karl IV. (1316 bis 1378) gehörte zu den bedeutendsten Herrschern der böhmischen und deutschen Geschichte. Ihm zu Ehren und zum Jubiläum "650 Jahre Goldene Straße" 2017 hatten sich die Schüler mit ihren Lehrern an dieses zweisprachige Theaterstück getraut.

Die tschechischen Schüler wurden von Klassenleiterin Jana Pitrova und Eva Nemecková begleitet. Die Hauptorganisation auf deutscher Seite lag bei Lehrer Ronny Tölzer, der die Zuschauer als "liebe Untertanen" im Schlosshof begrüßte. Er sprach von einem schwierigen Projekt, denn die Schüler lernten das Theaterstück in zwei Sprachen an einem Tag.

Die Zeitreise begann im 14. Jahrhundert in einer Zeit der Krisen und des Umbruchs. Die Pest wütete in weiten Teilen Europas, Naturkatastrophen und Hungersnöte forderten viele Opfer. Zugleich erlebten Architektur, Technik, Kunst und Kultur einen Aufschwung, besonders in den mit Kaiser Karl verbundenen Reichs- und Bischofsstädten. Prag erhielt die erste Universität Mitteleuropas und entwickelte sich zur Metropole. Auch die freie Reichsstadt Nürnberg wurde durch großzügige Stiftungen Karls IV. gefördert.

In dieser Zeit trafen sich der Prediger Jakub aus Mies und der Schloss-Erbauer Pfalzgraf Friedrich. Zudem tauchte Herzogin Katharina-Sophia, die Ehefrau des Pfalzgrafen, auf, die einer Anna Schödl in Mies einen Brief schrieb. Weiter betraten die Architekten Greineisen und Maurermeister Reicholt die Bühne, die das Schloss bauen sollten. Jakubs Eltern waren arme Bauern, aber sie schickten ihn auf die Universität in Prag. Dort lernte er Jan Hus kennen. Beide wurden Priester sowie Prediger und setzten sich stark mit der Religion auseinander. Hus wurde auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Seine Anhänger waren natürlich sauer, dass er umgebracht wurde. Deswegen kam es immer wieder zu großen Aufständen, die in die Hussitenkriege mündeten. Außerdem erfuhren die Besucher, wie der Handel und die Jahrmärkte in beiden Städten abliefen, bevor es in die Gegenwart ging und die Schauspieler einen Blick in die beiden Rathäuser warfen. Im Vohenstraußer Sitzungssaal eröffnete zweiter Bürgermeister Uli Münchmeier gerade eine Stadtratssitzung, da Andreas Wutzlhofer wegen einer Veranstaltung im Schlosshof der Friedrichsburg einem Begleitprogramm der Bayerisch-Tschechischen Landesausstellung Karls IV. lauschte.

Begeisterte Zuschauer


Probleme wie der geplante Einbau eines Aufzugs im Rathaus wurden humorvoll aufgezeigt. Schließlich betraten alle Mitwirkenden noch einmal die Bühne und ließen sich enthusiastisch feiern. Bei der Nachmittagsvorstellung waren die Bürgermeister Wutzlhofer und Karel Lukes aus Stríbro dabei, außerdem dritter Bürgermeister Johann Gollwitzer, Stadtrat Johann Gösl, die Rektoren beider Schulen, Alfons Raab und Kvetoslava Spilerová, LTO-Geschäftsführer Wolfgang Meidenbauer, die Grundschulganztagsklasse sowie viele Eltern und Verwandte der Darsteller. Die Zuschauer waren vom Stück und den schauspielerischen Talenten der Schüler vollends begeistert.
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