Grundschule Vohenstrauß
Ganztags entspannt

Konrektorin Dorit Schmid (rechts) bildet mit Susanne Staudinger (links) das Lehrer-Tandem in der dritten Ganztagsklasse. Die Schüler sitzen im Kreis, während ein Mädchen ihr Lieblingsbuch vorstellt. Bilder: ck (3)
Vermischtes
Vohenstrauß
04.02.2016
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Wir sind als Grundschule schon in der Verantwortung, auf die Veränderungen in der Gesellschaft zu reagieren.

Schule bis Mittag, ab nach Hause, Essen und Hausaufgaben machen. Dieser Tagesablauf ist bei Grundschülern üblich. In Vohenstrauß gibt es jedoch zwei Klassen, wo es anders läuft. Hier endet der Unterricht erst um 15.30 Uhr - und das fast täglich. Klingt stressig, ist es aber nicht.

Gebundene Ganztagsklassen an Grundschulen sind im Landkreis Neustadt noch sehr dünn gesät. Neben Vohenstrauß gibt es mit Altenstadt/WN und Grafenwöhr nur noch zwei weitere Standorte. In der ehemaligen Kreisstadt läuft der Ganztagsunterricht seit dem Schuljahr 2014/15. Für den Start in einer dritten Klasse hat sich vor allem Konrektorin Dorit Schmid eingesetzt.

Mit Schulleiterin Margit Walter steht sie voll hinter diesem Konzept. Beide planen nun für das kommende Schuljahr, in der dritten und vierten Klasse erneut jeweils eine Ganztagsklasse anzubieten. "Wir sind als Grundschule schon in der Verantwortung, auf die Veränderungen in der Gesellschaft zu reagieren", erklärt die Rektorin. Hier stimmen ihr nicht nur die Schüler, sondern vornehmlich die Eltern zu.

Familien profitieren


Heidi Patterer aus Neuenhammer und die Vohenstraußerin Tanja Seebauer sind begeistert, was in dem Ganztagskonzept alles möglich ist. Patterer: "Bei uns hat die ganze Familie davon profitiert. Der Schulstress hat sich vehement reduziert. Es läuft wirklich durch die Bank super." Ihre beiden Kinder in den Ganztagsklassen drei und vier kommen um 15.30 Uhr entspannt nach Hause und sind dann komplett fertig mit aller schulischer Arbeit. Durch den starken Verbund in den kleineren Ganztagsklassen, dem Lehrer-Tandem und vor allem durch die zusätzliche Zeit könnten alle Kinder viel besser gefördert werden. Dies schlage sich laut Patterer und Seebauer durchaus in den Noten nieder. Das entspannte Arbeiten ist tatsächlich nicht nur den Kindern, sondern auch den Lehrern anzusehen. Die Atmosphäre im Klassenzimmer ist ruhig. In kleinen Gruppen oder Einzelarbeit an den Computern spielt das Lerntempo keine große Rolle mehr. Alle kommen zu ihrem Recht und profitieren letztendlich vom guten sozialen Klima. Das bestätigen Lehrer, Eltern und die Kinder.

Der große Vorteil der Ganztagsklassen liegt für die Rektorin auf der Hand: "Wir können die Kinder dort abholen, wo sie gerade stehen." Der Erfolg steht und fällt mit den Lehrern. Walter lobt den enormen Einsatz der beiden Klassenleiterinnen Dorit Schmid und Birgit Pruy, die viel Herzblut in die Arbeit stecken. Schmid gibt unumwunden zu, dass die Beziehung zu den Schülern und Eltern in einer Ganztagsklasse sehr eng ist: "Wir müssen schon alle an einem Strang ziehen." Aber das sehe sie nicht als große Anstrengung, vielmehr als eine Bereicherung. Die Schulleiterin nennt als Ziel nicht unbedingt, die Viertklässler allesamt ins Gymnasium zu bringen: "Wir verstehen uns nicht als Kaderschmiede fürs Gymnasium. Aber wir wollen alle Kinder natürlich so gut wie möglich fördern, und das geht in der Ganztagsklasse sehr gut."

Walter erkennt im gemeinsamen Mittagessen in der Mensa der Mittelschule einen positiven Effekt: "Es wird Tischkultur vermittelt. Händewaschen vor dem Essen. Gemeinsam am Tisch sitzen. Da können wir sicherlich einiges auffangen, was in manchen Familien wegen der gesellschaftlichen Entwicklung vielleicht schon verlorengegangen ist."

Externe Partner


Die beiden Mütter betonen, dass ihre Kinder nicht zuletzt vom Zusatzangebot schwärmen. Externe Partner wie Turnverein oder Volkshochschule klinken sich mit sportlichen oder kreativen Angeboten ein. Tanja Seebauer, Mutter von drei Kindern, gibt zu, dass dies das Elternhaus alleine gar nicht leisten könnte. Grundsätzlich, das bestätigen beide Mütter, seien ihre Kinder nach dem Unterricht keineswegs müde oder gar ausgelaugt. Patterer: "Eigentlich ganz im Gegenteil. Sie sind entspannt. Und Zeit für gemeinsame Unternehmungen wie im Sommer Freibad bleibt ja nach der Schule auch noch."

Wir sind als Grundschule schon in der Verantwortung, auf die Veränderungen in der Gesellschaft zu reagieren.Rektorin Margit Walter


Das sagen die Schüler zur GanztagsklasseDavid, Leonie und Korbinian sind Ganztagsklassen-Profis. Sie zählten im vergangenen Jahr in der dritten Jahrgangsstufe zu den Pionieren der Grundschule Vohenstrauß, die bis um 15.30 Uhr in der Schule blieben. Heuer, in der vierten Klasse, würden sie "auf keinen Fall" mehr in eine Regelklasse wechseln wollen. Ein Grund für sie ist unter anderem das Mittagessen. Korbinian drückt seine Lust am guten Essen so aus: "Wir kriegen jeden Tag pünktlich von einem Vier-Sterne-Koch ein Menü." Die Grundschüler gehen mittags in die Mensa der Mittelschule: Salatbuffet, die Auswahl zwischen zwei Menüs, selbst bei vegetarischer Kost greifen die Kinder gerne zu.

So ein Tag kann aber ganz schön lang werden bis 15.30 Uhr. Werden die Mädchen und Buben nicht auch mal müde? David: "Nein, eigentlich nicht. Und wenn, dann können wir uns ja mal auf einem Sitzsack mit einem Buch etwas ausruhen." Auch Leonie empfindet den Schulalltag keineswegs anstrengend. Ausflüge wie zum Beispiel in die Synagoge nach Floß kommen natürlich sehr gut an. Das Mädchen erzählt, dass auch Zeit für Gesellschaftsspiele ist. Die Arbeitsgemeinschaften mit Schulspiel, Forschen, Basteln oder Computer sind für die Schüler ein weiterer Pluspunkt im Ganztagssystem. Auf dem Programm steht zum Beispiel Line Dance mit der Volkshochschule. Alle drei befragten Viertklässler würden im kommenden Schuljahr gerne wieder in eine Ganztagsklasse gehen, obwohl sie noch nicht wissen, wie der Übertritt genau aussehen wird - also welche Schule sie dann besuchen.

Bleibt noch Zeit für ein Hobby außerhalb der Schule? David sieht da kein Problem: "Also ich spiele noch ein Instrument und mache auch Sport." (ck)
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