Heimatkundlicher Arbeitskreis blickt in Ausstellung auf den Fasching in Vohenstrauß zurück
Mit Tochter und Mutter in der Bar

Bürgermeister Andreas Wutzlhofer und das frühere Prinzenpaar aus dem Jahr 1963, Peter und Doris Hegenbarth (von links), ließen sich das typische Schmalzgebäck der Faschingszeit schmecken, die der Heimatkundliche Arbeitskreis zur Ausstellungseröffnung aufgetischt hatte. Bild: dob
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Vohenstrauß
20.01.2016
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Ehemalige und aktuelle Hoheiten gaben sich am Montag im Museum des Heimatkundlichen Arbeitskreises (HAK) ein Stelldichein. Unter ihnen waren das Prinzenpaar Doris und Peter Hegenbarth aus dem Jahr 1963 sowie der Hofmarschall von 1956, Philipp Gruber.

Allen voran Karl Ochantel ist es zu verdanken, dass derzeit eine sehenswerte Schau über den Fasching in Vohenstrauß gezeigt wird. Dass so eine Eröffnung dann auch lustiger als so manch andere abläuft, dürfte klar sein.

Vorsitzender Heiner Aichinger trat maskiert mit einer der vor Jahrzehnten berühmten Kappen auf. Diese bunten Papier-Kopfbedeckungen, die eher an einen ägyptischen Fez erinnern, erstanden die Gäste bei den berühmten Hausfaschings-Sausen für 50 Pfennig. Das Geld diente gleichzeitig als finanzieller Beitrag für die Musik.

Das älteste Ausstellungsstück dürfte eine Kopie des "Liederkranz"-Plakats von 1885 sein, das der städtische Verwaltungsleiter Alfons Sier einmal vor der Vernichtung gerettet und dem HAK zur Verfügung gestellt hatte. Die Girlanden, Masken, Hüte und Tröten stammen aus den 1960er Jahren. Grete Reger aus Pleystein überließ sie dem HAK für diese Präsentation.

Grundlagen der Fotos waren die Alben aus dem Jahr 1956 des ehemaligen Hofmarschalls Philipp Gruber und der ehemaligen Prinzessin Emma Schöfer. Bilder aus den Folgejahren überließen weiter Peter Hegenbarth, Gerti Ach und Max Schmucker. Im Heimatmusem zu sehen sind auch Schnappschüsse vom Kürschner Josef Müller und Georg Hofmann vor der früheren Tankstelle am Schöfer-Eck.

Treitz als lustiger Clown


Mancher vom Turnverein, der Spielvereinigung oder von der Realschule dürfte sich auf den Bildtafeln wiedererkennen. Schwieriger wird es da schon bei den Maskenbällen des Bürgervereins und des Frauenbunds. Nicht fehlen darf in der Ausstellung Ludwig Treitz als lustiger Clown. Gesonderte Tafeln zeigen den Fasching der Kinder und Senioren aus früherer Zeit.

Die von Beate Stock verkleideten Figuren in Gelb und Gold erinnern an den Fasching bei Hofe in früheren Zeiten. Natürlich kommt auch Historisches nicht zu kurz. Erste literarische Erwähnung der Fastnacht als Vorabend zur Fastenzeit findet sich bereits 1206 im "Parzival" vom Minnesänger Wolfram von Eschenbach, der darin das Treiben der Weiber am närrischen Donnerstag rund um die Burg Dollnstein im Altmühltal erwähnt.

Der Fasching ist bayerisch und wurde von einem Oberpfälzer niedergeschrieben.HAK-Vorsitzender Heiner Aichinger

Erst im März 1341 ist im Kölner Eidbuch die Rede vom "Fastelovend" und erst 1425 wird der Rosenmontagszug genannt. "Halten wir fest: Der Fasching ist bayerisch und wurde von einem Oberpfälzer niedergeschrieben", unterstrich Aichinger.

Die Erinnerung an die Bälle in der alten Turnhalle mit Emil Rösler und der Kapelle Götze, an die drei gusseisernen schweren Öfen oder an die Tanzaufforderungen hübscher Mädel, bei denen erst die Eltern um Erlaubnis gefragt werden mussten, sind bis heute bei den älteren Herrschaften unvergessen. Die Bars im Orchestergraben oder hinter dem Vorhang auf der Bühne gehören ebenfalls zu diesen Erinnerungen.

Überstürzte Flucht


Ganz verwegen war es, ein Mädchen in die Bar einzuladen, denn dann hatte der Gastgeber auch die Mutter der Angebeteten im Schlepptau. Aichinger sprach außerdem die Demaskierungen um Mitternacht an, denen oft eine überstürzte Flucht folgte, "wenn man gesehen hat, von wem man da mehrmals zum Tanz geholt wurde".

Der Vorsitzende dankte für "das wahnsinnig gute Material, das dem HAK zur Verfügung gestellt wurde und das Ochantel bestens aufbereitete". Ohne den engagierten und findigen Heimatforscher wäre die Ausstellung nicht möglich gewesen, lobte Aichinger. Der ehemalige Prinz Manfred Jeschke war versehentlich eine Stunde zu früh ans Museum gekommen und blieb der Eröffnung dann leider fern, bedauerte der Sprecher.
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