"Heimatpreis Oberpfalz" an Altneihauser Feierwehrkapell'n und LTO
Philosophieren über die Heimat

Für das LTO nehmen Wolfgang Meidenbauer, Till Rickelt und Reinhard Kausler den Heimatpreis in Empfang (von links). Rechts Staatssekretär Albert Füracker und Bezirkstagspräsident Franz Löffler. Bilder: cf (2)
Vermischtes
Vohenstrauß
08.11.2016
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Norbert Neugirg lobt die "kleinräumige Vielfalt". Fürstin Gloria, Markus Söder und Kabarettist Toni Lauerer hören aufmerksam zu (von links).

An Spitzen fehlt es nicht. "Ein bayerisches Dorf ist mir lieber, als ein Vorort von Berlin", bekennt Markus Söder, den Horst Seehofer gerne nach Berlin abschieben würde. Beim Einzug von Fürstin Gloria in den Salzstadel spielt die Altneihauser Feierwehrkapell'n "God save the Queen". Was Durchlaucht sichtlich freut.

Die erstmalige Verleihung des "Heimatpreises Oberpfalz" am Montagabend gehört dem Wortspiel. Etwa als Heimatminister Söder ("um dieses Ministerium beneidet uns ganz Deutschland") postuliert, dass die Oberpfälzer den Franken ähneln: "Innerlich sind wir nämlich ein Orkan." Altneihauser-Kommandant Norbert Neugirg wirft keck ein, "dass ich auch von Franken gern wieder nach Hause fahre". Das Publikum lacht. Oder Neugirg schwärmt von Zoiglbrotzeiten in guter Gesellschaft - "nicht mit Ministern". Worauf sich der vom Veitshöchheimer Fasching doch gezeichnete Söder später bei der Laudatio revanchiert: Die hinterfotzigen Texte der Altneihauser seien "selten voll verletzend".

Bezug zur Oberpfalz


Keine Überraschung stellt die Verleihung des "Heimatpreises Oberpfalz" an die beiden kulturellen Aushängeschilder der Region dar: an die Altneihauser Feierwehrkapell'n und das Landestheater Oberpfalz/LTO (wir berichteten). Erstere begeisterten mit einem auf das Publikum und die Szenerie individuell abgestimmten Mix aus Humor, Musik und Text, sagt Söder; das LTO habe es in kurzer Zeit geschafft, in vielen Spielorten das Theater zu den Menschen zu bringen: "Oft mit einem Bezug zur Oberpfalz". Die LTO-Macher Wolfgang Meidenbauer, Till Rickelt und Reinhard "Schorschi" Kausler halten den weißen Porzellan-Löwen ebenso stolz in Händen wie Norbert Neugirg und seine Mannen.

Eingangs intonieren die Altneihauser für die mit halbstündiger Verspätung eintreffenden Minister Markus Söder und Staatssekretär Albert Füracker schmissig das "Frankenlied", um es dann am Ende in eine kunstvolle Kakophonie zu verwursteln. "Bayern ist ein Lebensgefühl", betont Söder. Die Verbindung von Tradition und Moderne sei gerade in Zeiten der Globalisierung gefordert. "Bayern besteht nicht nur aus München", sagt Söder mit Blick auf die Regionen. Unterhaltsam entwickelt sich die vom Finanzminister launig moderierte Gesprächsrunde. Fürstin Gloria von Thurn & Taxis (kurzärmliges, altrosa Wollkleid) sieht Heimat dort, "wo man sich Hundertprozentig geerdet fühlt - und so sein kann, wie man ist". Für die Fürstin bedeutet Regensburg die Heimat.

Dialektische Stimmung


Norbert Neugirg gibt sich als Verfechter des Oberpfälzer Waldes, aber nicht der Nordoberpfalz zu erkennen ("Man sagt ja auch nicht Nordtirol"). Der Windischeschenbacher apostrophiert den Menschenschlag als "wortkarg und ehrlich", worauf die Fürstin spitz bemerkt, dass Neugirg nicht gerade wortkarg sei. "Er redet nur, wenn er bezahlt wird." Neugirg rückt ganz nahe an die Fürstin und lästert: "Der Schöne und das Biest."

Der Mundartdichter Toni Lauerer schwört auf Witze über sich selber im Dialekt, die "Selbstverarschung". "Bestimmte Stimmungen lassen sich nur in Mundart ausdrücken." Jedenfalls lässt sich, so die Philosophie von Neugirg, mit einer Portion humorvoller Hinterfotzigkeit und Schlitzohrigkeit "Schweres leicht ertragen". Da pflichtet ihm Söder bei: "Das, worüber sich die Leute in München vor Lachen wegschmeißen, löst in Berlin eine Staatskrise aus." Die Bayern seien halt ein bisschen anarchisch.

Die Fürstin bekennt sich tapfer zu Schweinshaxe und Knödel ("auch wenn ich in meiner Familie zur Außenseiterin werde") und was die Zukunft der Oberpfalz angeht, hofft die gläubige Katholikin auf starken Kirchenbesuch und auf ein Fortbestehen der Prozessionen. Da äußert sich Füracker weit profaner: Soll die erfolgreiche Entwicklung der Oberpfalz weitergehen, seien Veränderungs-Bereitschaft sowie die Fortsetzung von "Laptop und Lederhose" unbedingt notwendig.

Über den Bayerischen Löwen aus Porzellan als Heimatpreis aus der Hand des Heimat- und Finanzministers dürfen sich freuen: die Drachenstich-Festspiele aus Furth im Wald ("eine Art historische Star Wars"); der Kötztinger Pfingstritt ("beeindruckendes Bekenntnis zu Glaube, Heimat und Brauchtum"); der Landschaftspflegeverband Neumarkt und das Regensburger Bauerntheater ("liebevolle Inszenierungen"). Söder lobt die Oberpfalz als starkes Stück Heimat, und Neugirg verspricht, beim Fasching in Veitshöchheim am 17. Februar "noch einmal eine Kohle drauf zu legen" - dann strebt die Gesellschaft dem Büffet zu.
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