Helmut Wildenauer aus Straßenhäuser bewältigt seine wichtigste Reise zu Fuß
Bis nach Rom durchgeboxt

Die Land- und Straßenkarten seiner Rom-Pilgerreise wird Helmut Wildenauer gut aufheben. Vor der Tour hat sich der 68-Jährige eine Route zurechtgelegt, die er jedoch auf seiner über 1000 Kilometer langen Wanderung des Öfteren etwas ändern musste. Bis auf einen Tag hatte der Vohenstraußer in den fünf Wochen immer ausgezeichnetes Wanderwetter. Bilder: ck (2)
Vermischtes
Vohenstrauß
29.04.2016
1097
0
 
Die beiden Karten für die Papstaudienzen am 9. und 13. April und seine Pilgerurkunde sind wichtige Erinnerungsstücke für Helmut Wildenauer.

Autos sind sein Leben. Als KfZ-Meister reparierte "der Boxer" Helmut Wildenauer in seiner Werkstatt in Straßenhäuser Tausende von Vehikeln. Auf seiner wichtigsten Reise verzichtete der 68-Jährige jedoch auf Transportmittel. Fünf Wochen lang war er unterwegs in die Ewige Stadt Rom - zu Fuß.

Straßenhäuser. "Der Boxer geht nach Rom." Die Nachricht vom abenteuerlichen Unterfangen des bekannten Werkstattbesitzers verbreitete sich Anfang März. Der "Boxer", wie Wildenauer von vielen Leuten rund um Vohenstrauß genannt wird, hatte sich zwei Jahre lang auf diese über 1000 Kilometer lange Tour vorbereitet. Jeden Tag war er vier, fünf Kilometer gegangen. Bei der Volkshochschule belegte er einen Italienisch-Kurs für Einsteiger.

Ein tiefsinniger Grund oder gar die Erfüllung eines Gelübdes - wie viele vermuteten - haben ihn nicht angetrieben. "Das war mehr so aus einer Laune heraus", sagt der 68-Jährige nach seiner Rückkehr schmunzelnd. Seine Frau Christa hatte immer wieder von ihrer Flugreise nach Rom geschwärmt. Helmut meinte dazu nur: "Nach Rom fliegt man nicht. Nach Rom geht man."

Dekan Alexander Hösl erteilte ihm am Abend vor dem Abmarsch in Wildenauers Christophoruskapelle den Pilgersegen. Am 9. März verabschiedete sich der Großvater in aller Frühe von seiner Frau, den Kindern und Enkeln und machte sich mit leichtem Gepäck auf. Im Rucksack verstaute er Unterwäsche, T-Shirt, Jacke und Waschzeug, Magnesium und Hornhautcreme mussten auch mit. Einen Schlafsack wollte Wildenauer nicht mitschleppen.

Der frühere Boxer und Fußballer wusste genau, auf was er sich eingelassen hatte: "Es geht gar nicht mal um Kondition. Es geht darum, seinen inneren Schweinehund zu überwinden." Der Schweinehund sollte ihn fünf Wochen lang treu begleiten. Aber der "Boxer" hielt seinen unsichtbaren Gegner jederzeit gut in Schach. Nur der Start war etwas holprig: Schon nach der ersten Etappe in Schwandorf plagten den Wanderer am Abend heftige Rückenschmerzen. Wildenauer dachte für einen Augenblick ans Aufhören. Am nächsten Morgen ging er kurz entschlossen weiter. In Regensburg musste der Pilger den ersten großen Umweg machen: "Auf der Schnellstraße konnte ich ja nicht gehen. Ich musste acht Kilometer rund um das BMW-Gelände laufen, damit ich auf die B 15 Richtung Landshut kam."

Auf der Suche nach Übernachtungsmöglichkeiten habe es mehrere Male gekriselt. "Wenn ich gegen Abend noch keine Unterkunft gefunden hatte, musste ich halt nochmal ein paar Kilometer mehr machen." Aber am Ende sei er jede Nacht in ein Bett gefallen - hundemüde und mit brennenden Fußsohlen, aber trotzdem selig. Die Hilfsbereitschaft der Menschen und das Wörtchen Rom haben ihm oft aus der Patsche geholfen. Ein Beispiel: Am Ostermontag kam Wildenauer in ein kleines, vollkommen überfülltes Gasthaus. Der Wirt wies ihn nicht ab, als er hörte, dass sein abgekämpfter Gast auf dem Weg in die Ewige Stadt ist. "Er hat mir ein extra Tischchen hergerichtet und mich vor allen anderen Gästen bedient. Als ich wieder gegangen bin, haben alle geklatscht."

Kleinere Blessuren


Körperlich verkraftete der 68-Jährige die Strapazen sehr gut. Muskelkater oder gar Krämpfe waren kein Thema. Blessuren blieben jedoch nicht aus: "In Bologna hatte ich die erste Blase. Und in Schwaz musste ich zu einem Doktor gehen, weil mir das Schienbein weh tat." Es stellte sich heraus, dass er seine Wanderschuhe zu fest geschnürt hatte. Mitunter sehr gefährlich war der Straßenverkehr in Italien. Einmal musste sich der Fußgänger vor einem vorbeirauschenden Auto mit einem Sprung in die Büsche retten. Nach der Aktion lief er mit blutenden Armen weiter.

"Ich habe nie viel gegessen, weil ich sonst träge geworden wäre. Auch lange Pausen machte ich nicht", erzählt Wildenauer. Kam der Pilger an einem schönen Gotteshaus vorbei, ging er hinein und schöpfte neue Kraft. Unvergesslich bleibe ihm der Dom in Siena.

Christa rief ihren Mann zweimal am Tag an: "Am Abend klang er schon oft sehr müde. Aber am nächsten Morgen war er wieder topfit." Das Interesse und der Respekt von Freunden, Bekannten und auch der Werkstatt-Kunden sei phänomenal gewesen. Bis zur Ankunft in Rom sorgte sich die quirlige Flohmarktbetreiberin sehr. Da half oft nur beten. Beide vertrauten auf "den lieben Gott da oben, der den richtigen Weg weisen wird".

Wildenauer durchstreifte auf seiner Reise wunderschöne Gegenden. Allein der Blick auf die schneebedeckten Berge am Brenner oder die traumhaften Seelandschaften zwischen Florenz und Rom waren ihm die Anstrengung wert. Zwischen Bologna und Florenz überquerte der Pilger einen alten Alpenpass: "Das war mit die schwierigste Strecke. Es war warm. Da hat man schön geschwitzt." Ein großer Vorteil des Franziskusweges sei, dass er längst nicht so überlaufen sei wie der Jakobsweg nach Spanien: "Ich war da eigentlich alleine unterwegs. Die Hektik zieht an dir vorbei. Ich muss ja nicht an einem bestimmten Zeitpunkt da oder dort sein. Das ist dann alles nicht mehr wichtig. Ich war nur froh, dass ich Tag für Tag die Kilometer geschafft habe."

Zwei Papstaudienzen


Nach fünf Wochen und über 1000 Kilometern war die Freude bei der Ankunft in Rom am 8. April natürlich groß. "Da habe ich mich dann schon zwei Stunden hingesetzt und es genossen." Im Pilgerbüro ließ er sich den letzten Stempel in sein Pilgerbuch drücken. Damit erhielt er eine Urkunde und die Berechtigung für eine Papstaudienz. Wildenauer kam sogar in den Genuss einer Sonderaudienz. Neben vielen Tausend anderen Gläubigen und rund 30 Brautpaaren erlebte er Papst Franziskus bei stürmischem Wind aus nächster Nähe.

Mit dem päpstlichen Segen bewältigte der Vohenstraußer die Rückreise im Kreis einer Regensburger Pilgergruppe dann nach einer Woche Aufenthalt bequem im Flugzeug. Als der Flieger nach einer Stunde in München gelandet war, dachte der 68-Jährige: "Du dummer Hund, so schnell hätte es also gehen können."

RouteHelmut Wildenauer marschierte von 9. März bis 8. April insgesamt etwa 1050 Kilometer. Er ging täglich zwischen 8 und 10 Stunden und absolvierte dabei 30 bis 35 Kilometer. Die Strecke führte ab Straßenhäuser über Weihern, Pfreimd, Nabburg, Schwarzenfeld nach Schwandorf. Ab Regensburg ging er neben der B 15 bis nach Rosenheim. Am Inn entlang marschierte er auf dem Jakobsweg bis Hall.

Weiter ging es von Matrei auf den Brenner über Sterzing nach Bozen. Auf der Etappe nach Triest nutzte der 68-Jährige einen Rad- und Fußweg, der an der Etsch entlang nach Verona führt. Über Modena wanderte Wildenauer nach Bologna, Florenz und Siena. Von dort aus waren es noch etwa 200 Kilometer bis nach Rom. Viele Strecken absolvierte er auf Bundes- oder Landstraßen, teils ging er auf einem der schönsten Pilgerwege Italiens, dem Franziskusweg. Dieser ist zum Teil ausgeschildert als "Via di San Francesco" und führt von Florenz nach Rom. Er verläuft zunächst durch den toskanischen und umbrischen Apennin, dann durch die Hügellandschaft Umbriens und Latiums und erreicht schließlich Rom.

Die Pilger treffen auf der 500 Kilometer langen Strecke auf Orte, an denen der heilige Franziskus gelebt hat, vom toskanischen Kloster La Verna über die umbrischen Städte Gubbio und Assisi zu den Franziskus-Klöstern bei Rieti. (ck)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.