Herbert Schade feiert 90. Geburtstag
Fest verwurzelt in neuer Heimat

Herbert Schade feierte seinen 90. Geburtstag an der Seite seiner Ehefrau Frieda und den drei Kindern Sibylle, Manfred und Bettina (Mitte, von links). Stadtpfarrer Peter Peischl und Bürgermeister Andreas Wutzlhofer (hinten) gratulierten ebenfalls herzlich. Bild: dob
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Vohenstrauß
23.03.2016
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Gerührt nimmt Herbert Schade die Glückwünsche seines Kameraden in amerikanischer Kriegsgefangenschaft Herbert Neumann an, der ihm zum 90. Geburtstag am Montag die Hände schüttelt. Umso bemerkenswerter wenn man weiß, dass Neumann im August seinen 95. feiert.

Altenstadt. Geprägt von der furchtbaren Kriegszeit lernten sich die beiden Männer vor mehr als 70 Jahren im Konzentrationslager Flossenbürg kennen. Eine Freundschaft, die bis zum heutigen Tag Bestand hat. "Er ist schuld, dass ich nach Altenstadt gekommen bin", erzählt Schade, als wär es gestern gewesen.

In ganz Europa eingesetzt


Überhaupt ist die Erinnerung an diese Zeit allgegenwärtig, und als der Jubilar dann auch noch das Soldbuch und Fotos hervorholt, ist das Thema komplett auf den Tisch. Beim Arbeitsdienst und Militär sei er durch ganz Europa gekommen, von Tschechien bis Dänemark gab es kein Land, in dem Schade nicht eingesetzt war.

Als er nach der Gefangenschaft Neumann nach Altenstadt folgte und dort bei den Weihern in der Ortsmitte ankam, dachte er sich: "Ach du lieber Gott, wo kommst du denn da hin." Beim "Stoffelbauer", der Familie Gollwitzer, fand der junge Mann damals Unterschlupf als Knecht. "Das waren prima Leute und überaus freundlich, da fehlte es mir an nichts."

An die frisch ausgerührte Butter, die damals die "Stoffel"-Bäuerin vor ihn auf den Tisch stellte und an der er sich so richtig satt essen konnte, denke er noch gerne. "So etwas vergisst man einfach nicht." Trotzdem machte er noch eine schlimme Zeit durch, weil er ganz ohne Familie dastand. Die Eltern lebten im Osten. "Ich war ganz allein und hatte niemanden zum Reden."

Gebürtiger Schlesier


Dass Altenstadt dann später doch noch zu seiner zweiten Heimat wird, verdankt der gebürtige Schlesier Schade, der in Sauerbrunn (Kreis Trebnitz) geboren wurde, seiner Ehefrau Frieda, einer geborenen Reinl. Sie heiratete er am 14. August 1948 in der Weidener St.-Michaelskirche. Der gelernte Kaufmann erhielt im selben Jahr eine Anstellung in der Porzellanfabrik Seltmann als Schmelzer. Bis zur Rente 1986 blieb er der Firma treu.

1957 bauten sich die fleißigen Eheleute ein Haus an der Fiedlbühlstraße, und die Kinder Manfred, Sibylle sowie Bettina wurden geboren. Heute zählen acht Enkel zum engsten Familienkreis sowie der dreijährige Urenkel Louis und die erst fünf Monate alte Urenkelin Sophie, die natürlich zum Ehrentag viel Freude ins Haus brachten.

Schade schloss sich 1967 der Siedlergemeinschaft an, die er als Vorsitzender 28 Jahre engagiert leitete und die Gemeinschaft zur wahren Blüte führte. Allein der enorme Mitgliederzuwachs von 30 auf 300 Mitglieder spricht für sein Lebenswerk. Auszeichnungen vom Ehrenzeichen in Gold, der Ehrengabe des Landesverbands über die Verdienstmedaille vom Deutschen Siedlerbund bis hin zur Ernennung zum Ehrenvorsitzenden lassen nur annähernd vermuten, welch große Leistungen dahinterstecken. 60 Jahre gehört Schade zum Soldaten- und Kriegerverein. Stadtpfarrer Peter Peischl gratulierte genauso wie Bürgermeister Andreas Wutzlhofer. Sollte es Gottes Wille sein, steht in zwei Jahren im Hause Schade die seltene Gnadenhochzeit an. Gratulationen kamen auch von Enkel aus Panama und Marokko.
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