Johann Dittmann und Josef Greber kümmern sich um angefahrenes Tier
Eule von der Straße gefischt

Josef Greber vom Verein der Vogelfreunde und -schützer in Vohenstrauß nahm die verletzte Eule in Obhut und kümmerte sich liebevoll um das Tier. Bild: dob
Vermischtes
Vohenstrauß
24.06.2016
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Normalerweise ist die Fischwelt das Metier von Johann Dittmann. Doch er hilft auch anderen Tieren gerne aus der Patsche.

Riesiges Glück hatte eine kleine Waldohreule kürzlich, als sie ausgerechnet auf den Natur- und Tierfreund traf, der Vorsitzender des Kreisfischereivereins Vohenstrauß ist. Vermutlich wurde der nächtliche Jäger von einem Auto angefahren. Dittmann fand das Tier in Oberbernrieth auf der Straße sitzend, weil es nicht mehr fliegen konnte.

Die Nacht über ließ er die Waldohreule bei sich. Tags darauf brachte er das Tier den Vogelfreunden und -schützern in Vohenstrauß, die mittlerweile auf dem ehemaligen Taube-Gelände einen Vogelpark errichtet haben. Vorsitzender Josef Greber kümmerte sich um die Schönheit, die allerdings zuerst jegliches Futter verweigerte.

"Vogel-Krankenhaus"


Er informierte das Veterinäramt Weiden. Dr. Corinna Kett schaltete daraufhin die Vogelauffang- und -pflegestation des Landesbunds für Vogelschutz (LBV) in Regenstauf ein. Dort werden verletzte Vögel gesund gepflegt und verwaiste Jungvögel aufgezogen. "Unser Ziel ist, die Tiere baldmöglichst wieder in die Freiheit zu entlassen", informierte Praktikantin Salomea Löffl, als sie am Donnerstagmittag die Waldohreule von Greber in Empfang nahm.

Das "Vogel-Krankenhaus" gibt es seit gut 25 Jahren. Rund 800 Tiere wurden alleine im Jahr 2015 versorgt. Mit 791 Patienten, davon circa die Hälfte Jungvögel, sei 2015 als bisheriges Rekordjahr in die Geschichte des Hauses eingegangen, sagte Löffl. Immerhin waren es rund 300 mehr als noch im Vorjahr.

Die Verbindung einer Vogelauffangstation mit einer staatlich anerkannten Umweltstation ist bayernweit einmalig. In Regenstauf könnten Besucher die Arbeit des LBV unmittelbar kennenlernen. Interessierte erfahren zudem, warum bestimmte Vogelarten immer seltener werden und was der Mensch dagegen tun kann.

Das Spektrum der Patienten reiche von kleinen Singvögeln bis hin zu großen Arten wie Greifvögel und Eulen. Viele von ihnen sind gefährdet oder stark gefährdet und stehen auf der Roten Liste, weiß Löffl. Über die Hälfte sind direkte oder indirekte Opfer menschlichen Einflusses, zum Beispiel wie bei der Waldohreule nach einem Zusammenstoß mit einem Auto oder durch einen Flug gegen eine Glasfassade.

Skandalöse Fälle


In jüngerer Zeit wurden jedoch immer häufiger skandalöse Fälle von Umweltkriminalität gemeldet, wie in Moosbach im vergangenen Jahr, als ein Mäusebussard in ein Schlageisen geriet, das knapp unter der Wasseroberfläche eines Teiches aufgestellt worden war (wir berichteten). Das Tier erholte sich jedoch wieder. In den Frühjahrs- und Sommermonaten kommen außerdem sehr viele Jungvögel. Doch sei hier nicht immer Hilfe notwendig, denn meist werden die halbflüggen Jungen noch von ihren Eltern versorgt.

In den nächsten Tagen werde die Waldohreule beobachtet und tierärztlich untersucht. "Leider ist auch das linke Auge eingetrübt", stellte Greber schon fest. Allerdings fing die Eule sogar eine Maus, die ihr Greber in die Voliere brachte. Im besten Fall könnte das Auge geheilt werden, machte Löffl bei der Abholung Hoffnung. Außerdem werde sich Falkner Ferdinand Baer, der Träger des Bayerischen Tierschutzpreises ist, um das Tier kümmern.

Ziel sei es, die Waldohreule so schnell wie möglich in die Freiheit zu entlassen, eventuell sogar in ihrer Heimat. Einschläfern wäre für Gerber sowieso nicht in Frage gekommen. "Dann hätte ich mich persönlich jeden Tag um sie gekümmert und sie per Hand gefüttert." Bevor es nach Regenstauf ging, gab es noch einen kleinen Rindfleischbrocken, den die Waldohreule aber lieber im Schnabel als "Geschenk" trug statt ihn zu fressen.
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