Johannisfeuer als Müllverbrennung
Spaziergänger stinksauer

Alte Zäune, die mit Holzschutzmitteln behandelt sind, stapeln sich neben Bauholz, Thujenhecken und sonstigen Holzabfällen am Fuchssteinach. Bild: dob
Vermischtes
Vohenstrauß
20.06.2016
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Mit Nägeln und Schrauben gespicktes Holz wird für das Johannisfeuer herangekarrt.

Bevor das Johannisfeuer-Spektakel des "Vohenstraußer Jungg'sell'n Clubs" am Freitag, 24. Juni, über die Bühne geht, gibt es Ärger. "Heuer wird das Johannisfeuer auf dem Fuchssteinach wieder zur reinsten Müllverbrennungsanlage", schimpft ein Spaziergänger.

Seit Tagen beobachtet der Vohenstraußer das Treiben auf dem Hügel in Richtung Pleystein. "Jeder karrt da seinen Müll an, damit er ihn kostengünstig von zu Hause weg bringt", wettert der Mann. "Die Igel, die sich in dem aufgestapelten Gerümpel verkriechen, werden dann am Johannistag regelrecht im Feuer gebrutzelt."

Nur unbehandeltes Holz


Tiere, die sich in diesem aufgeschichteten Haufen schutzsuchend verkriechen, sind dem sicheren Tod ausgeliefert. Werde vonseiten der Stadt nicht unverzüglich gehandelt, will er das Landratsamt als übergeordnete Behörde einschalten, äußert sich der Vohenstraußer verärgert gegenüber unserer Zeitung.

Immer wieder wies das Landratsamt in den vergangenen Jahren darauf hin, dass bei Johannisfeuern nur unbehandeltes Holz abgebrannt werden darf. Außerdem darf das trockene Material mit unbehandeltem Holz auch erst kurzfristig aufgeschichtet werden.

Auf dem Areal am Fuchssteinach ist unter anderem ein mit einer Lasur gestrichener Holzzaun dabei, Paletten, Bauholz und eine gerodete Thujenhecke. "Da wird schon tagelang vorher der ganze Unrat hergefahren."

Normalerweise sei die Schranke geschlossen, die zu diesem Grundstück führt. Derzeit ist es wohl genau aus diesem Grund für die Anlieferung einladend geöffnet. Doch niemand überwache diese Aktionen.

Selbst das starke Regenwetter hält die "Anlieferer" nicht davon ab, mit schwerem Gerät auf die mit Wasser vollgesaugte Wiese zu fahren. Dicke Spurrinnen zeugen davon. Zünden die Veranstalter, wie in diesem Fall der "Jungg'sell'n Club", dieses mit Lacken und Farben behandelte Holz an, würden sie sich strafbar machen.

Stapel umschichten


Der Vorsitzende des "Jungg'sell'n Club", Matthias Grosser, hat die Beschwerden bereits mitbekommen. Er verspricht, den ganzen Holzstapel am Tag des Entzündens umzuschichten, um die Tiere zu vertreiben und um Holz auszusortieren, das nicht verbrannt werden darf. Dieses Material werde dann auf Kosten der Vereins abtransportiert.

Es gebe immer wieder "unvernünftige Zeitgenossen", klagt ebenso Vereinsmitglied Harald Bäumler. Bei festen Anlieferzeiten, die in den Vorjahren rechtzeitig angekündigt wurden und bei denen sich Mitglieder als Aufsicht zur Verfügung stellten, sei immer niemand vorbeigekommen. Vonseiten der Stadt werde ihnen die Umschichtung unter anderem zur Auflage gemacht und daran werde sich auch strikt gehalten, betonen beide.

Die Stadt selbst sieht sich in diesem Fall nicht in der Verantwortung. Amtsleiter Alfons Sier verweist darauf, dass dem "Jungg'sell'n Club" ein Merkblatt mit allen wichtigen Informationen übergeben wurde. Der Verein sei damit in alleiniger Pflicht, diese Bestimmungen strikt einzuhalten. Wenn das Material schon Tage vorher aufgehäuft werde, müsse es eben durchgeklaubt werden. Diese Arbeit habe der Veranstalter zu leisten.
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