Laura Kindl absolviert Freiwilliges Soziales Jahr
Lichtblicke in Costa Rica

Beim Bibelclub sitzt Laura Kindl (rosa Turnschuhe) oft mit den Kindern zusammen und diskutiert mit ihnen über verschiedene Themen. Bild: hfz
Vermischtes
Vohenstrauß
11.11.2016
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Seit drei Monaten lebt Laura Kindl in Costa Rica. Sie absolviert ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in der Hauptstadt San José. Neben sehr vielen positiven Erfahrungen berichtet die Vohenstraußerin auch von einem negativen Erlebnis.

San José/Vohenstrauß. "Ich habe das Gefühl, schon ewig hier zu sein, weil so viel passiert ist", blickt die 18-Jährige auf die vergangenen Wochen zurück. Mit vier anderen Freiwilligen der Entsendeorganisation "Eirene" flog sie im August von Frankfurt Richtung Mittelamerika. Für die Vohenstraußerin "war das der Beginn einer Reise ins Ungewisse".

Spontanität nötig


Nach ihrem Abitur am Augustinus Gymnasium in Weiden bereitete sich Laura auf "das große Abenteuer" vor . Im Juli absolvierte sie einen zweiwöchigen Kurs in Neuwied und Odernheim (Rheinland-Pfalz) mit etwa 30 Freiwilligen, die nun in Uganda, Nicaragua und Costa Rica unterwegs sind. "Diese Zeit war ein guter Vorgeschmack auf das, was uns erwarten hat. Vor allem die Spontanität, die man in diesen Ländern täglich benötigt, haben wir hier gelernt."

Zu der großen Vorfreude mischten sich bei der 18-Jährigen aber auch Ängste. Dabei gingen ihr immer wieder dieselben Fragen durch den Kopf: "Was brauche ich dort? Wie sehr werde ich meine Familie und Freund vermissen? Kann ich Landei überhaupt ihn einer lateinamerikanischen Großstadt leben?"

Die Bedenken zerschlugen sich allerdings sehr schnell. Und auch die Sprache war keine große Hürde. Denn in den ersten Woche in Costa Rica gab es einen Spanischkurs zur Auffrischung. Laura hatte das Glück, in dieser Zeit bei ihrer Sprachlehrerin Alejandra und deren Mutter Sandra zu wohnen. Im Unterricht lernte sie sehr viele Leute kennen. Zudem gab es einen Kochkurs, Tanzstunden und eine Einführung in lateinamerikanische Filme, um auf die zukünftigen Aufgaben vorbereitet zu sein.

Nach vier Wochen startete das eigentliche Projekt. Vorher zog die Vohenstraußerin noch mit einer anderen FSJ-lerin in eine WG im Studentenviertel. "Wir verstehen uns super. Man fühlt sich nie alleine." In Bibelclubs kümmert sich Laura seitdem um viele Kinder aus sehr armen Familien. Faszinierend sei die fröhliche Art der Kleinen, die schon von ein bisschen Knete oder einem Springseil begeistert seien. "In der Arbeit hatte ich einen guten Start. Auch wenn es mir noch etwas schwerfällt, mit der sehr religiösen Herangehensweise meiner Kollegen umzugehen", erklärt die junge Frau.

Spanisches Theater


Ihr bereite die Arbeit mit den Mädchen und Buben viel Spaß. Unter anderem hält sie in einem Bibelclub einen Theaterkurs ab. Die Premiere des Stücks ist zu Weihnachten geplant. Dabei stellt die Vohenstraußerin, die auch schon selber auf der Bühne des Landestheaters Oberpfalz stand, die Kostüme für die kleinen Darsteller aus den Kleiderspenden im Büro ihrer Entsendeorganisation zusammen. "Es war zudem ein großer Aufwand, ein spanische Theaterstück zu schreiben", hofft Laura, dass alle Kinder bis zum Schluss dabei bleiben. Bisher seien aber alle sehr zuverlässig.

Die Treffen in den Clubs seien auch von Bibellesen geprägt, "gleichzeitig ist es aber ein bisschen wie eine Gruppenleiterausbildung bei den Ministranten in Deutschland". Zudem gibt es einen Jugendclub. Dort kann man sich beim Tischtennis, Kicker oder Billard beschäftigen. Außerdem hat die 18-Jährige schon einen Kochkurs und Englischnachhilfe gegeben. Am meisten Spaß mache aber immer der Sport mit den Kleinen.

Gewalt und Ängste


Mit den Älteren rede sie viel über deren Leben. Dabei gehe es immer wieder um familiäre Gewalt, Angst oder finanzielle Probleme. "Darauf weiß ich auch oft keine Antwort. Aber ich habe hier gelernt, dass eine Umarmung fast in allen Situationen eine gute Hilfe für die Kinder ist." Auch besucht Laura die Familien der Buben und Mädchen. "Dabei sehe ich das, was man sich in Deutschland unter Slums vorstellt." Besonders schlimm sei es, wenn es regnet. Bäche überfluten dann die Hütten, so dass aus Löchern in den Wänden Wasser aus den Häusern strömt.

Es seien immer wieder die kleinen Dinge, "die mir das Gefühl geben, hier genau am richtigen Ort zu sein". Als Beispiel nennt die Vohenstraußerin das Strahlen einiger schüchterner Mädchen, für die sie Sterne für die Theaterkostüme gebastelt hat. Allerdings musste sie auch schon eine negative Erfahrung machen. Ihr Handy und ihre Kreditkarte wurden geklaut.

Nichtsdestotrotz zieht Laura ein positives Zwischenfazit: "Es gibt einen Ausdruck, der meine Zeit hier super beschreibt. Man findet ihn zwar auf fast jedem Souvenir, aber trotzdem trifft er voll auf Costa Rica zu: 'Pura vida'." Dies könne vielfältig übersetzt werden, von "Guten Morgen" über "Bitte" und "Danke" bis hin zu "Lebe den Augenblick", "Genieße das Leben", "Chill' mal", "Das pure Leben" oder "Mir geht es gut und dir?". Vor allem spiegle es aber die entspannte, fröhliche Grundeinstellung der Ticos (Costa Ricaner) wider, "die ich hoffentlich zumindest ein Stück weit mit nach Hause nehmen werde".

Ich habe hier gelernt, dass eine Umarmung fast in allen Situationen eine gute Hilfe für die Kinder ist.Laura Kindl


Im Blickpunkt: Suche nach UnterstützernDie Entsenderorganisation "Eirene" betreut Laura Kindl. Bei einem FSJ im Ausland wird ein großer Teil der Kosten für Flug, Verpflegung und Unterkunft vom deutschen Staat bezahlt. Trotzdem muss "Eirene" noch für etwa 2000 bis 3000 Euro aufkommen. Daher sollen alle Freiwilligen ein Unterstützerkreis aufbauen, um auch ärmeren Jugendlichen ein FSJ zu ermöglichen.

Das gesammelte Geld, zu dem jeder einen Teil beitragen soll, soll den über 80 Freiwilligen der Organisation ermöglichen, in Projekten in verschiedenen Ländern zu arbeiten. Daher hatte die 18-Jährige versucht, im Vorfeld ihrer Reise mit zwei Veranstaltungen Spenden in Vohenstrauß einzusammeln. Zum einen bereitete sie mit "großer Unterstützung" einen Jugendgottesdienst vor.

Zum anderen organisierte sie einen Spendenlauf im Sportzentrum. "Das war Wahnsinn. Die beiden fleißigsten Läufer haben mehr als 20 Kilometer zurückgelegt. Einige haben sogar den Kater nach unserem Abiball überwunden, um mit dabei zu sein", freut sich Laura. Momentan ist sie noch immer auf der Suche nach Spenden. "Mir fehlt noch etwas Geld für meinen Unterstützerkreis und zudem meiner Organisation in Costa Rica ein Betrag von 7000 Dollar, um die jährlichen 'Campamentos' im Januar durchzuführen." Dies sind Zeltlager für die betreuten Kinder und das Herzstück der Sozialarbeit. "Es sind für die Mädchen und Buben der absolute Höhepunkt im Jahr." Informationen zu dem Spendenkonto erteilt die Vohenstraußerin per E-Mail an laura.kindl@web.de.
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