Martina Pohl kümmert sich um ausgesetztes Zwerghäschen
Retterin von sechs Tierleben

Die trächtige Zwerghäsin hatte trotz ihres Schicksals Glück, auf eine so liebevolle Tierretterin wie Martina Pohl zu treffen, die sich vorzüglich mit ihrer Familie um den felligen Nachwuchs kümmert. Enkelin Marlies hat mit "Prinzessin Johanna" schon einen Liebling auserkoren. Und auch Hündin "Nele" hat ein wachsames Auge auf die neuen Mitbewohner. Bild: dob
Vermischtes
Vohenstrauß
18.01.2016
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Hätte Martina Pohl das Zwerghäschen nicht entdeckt, wäre es wohl noch am selben Tag eingegangen. Jetzt ist das Tier Mutter von Fünflingen.

Altenstadt. Bei den Pohls hat die kleine Hasenfamilie ein liebevolles Pflegehaus gefunden. Besser hätte es für das fellige Knäuel nicht laufen können. Den Tag Mitte November werden Martina Pohl und ihre Tochter Susanne Beimler an der Neumühlstraße so schnell nicht mehr vergessen. "Es war garstig, regnerische und ganz kalt", erinnert sich die 50-Jährige, die in einer Weidener Tierarztpraxis arbeitet. Als sie von der Arbeit heimkam, erreichte sie ein Anruf ihres Nachbarn Christoph Schefter, der auf seinem Heimweg ein Zwerghäschen hoppeln sah.

Tier ausgesetzt


Pohl setzte sich mit ihrer Tochter und der viereinhalbjährigen Enkelin Marlies ins Auto und düste in Richtung Neumühle. Inzwischen war es längst dunkel. Es dauerte nicht lange, und tatsächlich: Im Scheinwerferlicht sahen sie das kleine Fellknäuel, das aufgescheucht und ängstlich über das Flurstück hüpfte.

Mit Tricks und einer Taschenlampe gelang es den Tierrettern, das Häschen zu fangen. "Das hat ganz heftig gequietscht", erinnert sich Pohl. Ihr sei richtig bang um das kleine, scheue Tier geworden. Sie vermutete schon damals, dass das Tier einfach in der Natur ausgesetzt wurde. Alleine wäre der Hase schutzlos seinen Feinden ausgeliefert gewesen und hätte diese Nacht sicher nicht überstanden.

Die 50-Jährige setzte in den nächsten Tagen alle Hebel in Bewegung, um den Besitzer ausfindig zu machen. Sie hörte sich in Altenstadt um und telefonierte sämtliche Stellen ab, die von einem vermissten Tier wissen könnten. Doch nichts dergleichen. "Wenn mir ein Tier verloren gehen würde oder es wäre ausgebüxt, dann würde ich in der näheren Umgebung sofort Plakate anschlagen oder bei Tierärzten anrufen."

Die Altenstädterin hatte damals schon einen anderen Verdacht: Sollte das Häschen trächtig sein und deshalb dem Besitzer eine Last geworden sein, dass er es in die vermeintliche Freiheit entließ, obwohl das der sichere Tod für ein solches Haustier bedeutet? Das Häschen hatte sich trotzdem schnell von diesen Strapazen erholt und schon bald fühlte sich sein Bauch dicker und fülliger an. Als dann auch das Gesäuge zum Vorschein trat, war klar, dass bald eine Geburt anstehen würde.

Die Trächtigkeitszeit beträgt bei Häschen 30 oder 31 Tage, weiß die 50-Jährige. Drei Wochen nachdem sie dem Tier Unterschlupf gewährt hatte, erblickte die Altenstädterin im Hasen-Häuschen fünf Tierkinder. Die Bescherung bei den Pohls war damit schon drei Wochen vor Weihnachten. Mittlerweile sind aus den kleinen Babys flauschige Teenager geworden.

"Prinzessin Johanna"


Drei hellhaarige Weibchen und zwei scheckige Männchen mit einem Rexfell haben sich prächtig entwickelt. Bis auf das Häschen "Prinzessin Johanna", das Enkelin Marlies auf den Namen ihrer besten Freundin getauft hat, will Pohl alle Jungtiere in gute Hände abgeben.

Immerhin laufen bei der Familie schon viele Tiere im Garten und Haus durch die Gegend. Sogar ein Reh gehört seit 15 Jahren dazu. Leider musste Pohl kurz vor Weihnachten einen ihrer Hunde begraben, der am Heiligabend eigentlich seinen 16. Geburtstag gehabt hätte. "Er ist ganz ruhig an Altersschwäche eingeschlafen", bedauert sie, einen ihrer ständigen Begleiter verloren zu haben.

Am besten wäre es, wenn sich Leute mit Erfahrung bei der 50-Jährigen melden würden. Eigentlich sollte ein Zwergkaninchen auch nicht alleine bleiben, sondern mindestens als Pärchen gehalten werden. Schön wäre es, wenn im Garten für ein Freigehege im Sommer Platz wäre. Das mögen die Tiere ganz besonders, weiß sie aus eigener Erfahrung.

In den kommenden zwei Wochen bleiben die Jungen erstmals noch bei der Mutter, die ihren Nachwuchs noch immer kräftig säugt. Trotzdem bekommen sie von Pohl festes Futter wie Rüben oder Heu, das ihnen auch schon hervorragend schmeckt.

Eine, die den Häschen keinen Millimeter von der Stelle weicht, ist Hündin "Nele", die auf den Nachwuchs aufpasst, als wär es ihr eigener. "Prinzessin Johanna" dagegen wird schon vorsichtig von Marlies geherzt und gestreichelt. Wer sich vorstellen kann, Zwerghasen aufzunehmen, sollte sich mit Pohl an der Neumühlstraße in Verbindung setzen.
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