Neue "Streifzüge" des Heimatkundlichen Arbeitskreises
Von Bier und erotischen Kühen

Im Heimatmuseum präsentierte der Heimatkundliche Arbeitskreis den neuen 142-seitigen Band der "Streifzüge". Das Werk stieß gleich auf großes Interesse. Bild: dob
Vermischtes
Vohenstrauß
17.12.2015
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Druckfrisch liegen die neuen "Streifzüge" 37/2015 des Heimatkundlichen Arbeitskreises (HAK) auf dem Tisch und kommen so bunt bebildert daher wie selten zuvor. Das hat einen Grund.

Der heilige Wendelin, Architekt Heinrich Hauberrisser und Georg Bamler, der als erster Missionar das Evangelium zu den Inseln nördlich von Neuguinea brachte, verlangten nach einer farbigen Aufmachung. Am Mittwochabend präsentierte Vorsitzender Heiner Aichinger das 142-seitige Werk unter dem Titel "Wie sie b(r)auten, färbten, lebten. . ." der Öffentlichkeit.

Geistig fit bleiben


Allerdings dominieren die Aufzeichnungen des Bäckermeisters Donat Pinter den in gewohnter DIN-A-5-Größe herausgegebenen Band. Er wurde 1890 geboren und schrieb Ende der 1950er, Anfang der 1960er Jahre ein Tagebuch, um sich geistig zu schulen und fit zu bleiben.

Dessen Enkel, Bäckermeister Otto Pinter, erzählte Aichinger im "Schübl'adl"-Biergarten von den in Sütterlin-Schrift verfassten Unterlagen und gab sie an den HAK weiter. Der Vorsitzende nahm sich mit Rudolf Großmann der Übersetzung des 228-seitigen Poesie-Albums an. Die Aufarbeitung war schwierig, weil der Bäckermeister die ersten 30 Seiten, wie in Poesie-Alben üblich, auf der rechten Seite verfasste und plötzlich, vermutlich aus Platzgründen, die linken Seiten rückwärts beschrieb.

Seine Hobbys waren Haustiere, das Schwarzschlachten und das Bierbrauen. Zufall oder Fügung: Heuer feierte die Bäckerei 300-jähriges Bestehen. 1715 erhielt Leonhard Günther vom Marktmagistrat zehn Jahre nach Antragstellung eine "Bäckergerechtsame", weil einer der sieben im Markt erlaubten Bäckermeister gestorben war. Die Backstube und der öffentliche Backofen befanden sich damals in der Türkeigasse. Eine Tochter des Bäckermeisters heiratete später den Bäcker Schardt aus Schwarzenfeld, der 1839 das Haus am Marktplatz samt nebenliegendem Brandplatz von Adam Panzer erwarb. Eine Schardt-Tochter heiratete schließlich einen Pinter aus Waidhaus, berichtete Aichinger über die Namensänderungen.

Die Erinnerungen des Pinter-Bäckers sind durch Karl Ochantel "Wenn Ochsen scheuen und Kühe ochsen" oder "Der Bäcker und das liebe Vieh" veröffentlicht und decken sogar die Erinnerungen "an erotische Kühe und manchen Kuhhandel" auf. Die "Bürgerhäuser und ihre Bewohner" trug Aichinger nach Pinters Dokumentationen zusammen. Kreisheimatpfleger und stellvertretender Vorsitzender Peter Staniczek widmete sich im Artikel "Skurriles" ebenfalls dem Tagebuch. Die kurzen und meist witzigen Episoden und Anekdoten aus den Aufzeichnungen, charakterisieren treffend die soziale Schicht der Vohenstraußer Ackerbürger im 19. und 20. Jahrhundert.

Pinter berichtet unter anderem: "Dr. Müller war einst bei der Beerdigung (1873) seines Freundes Westiner in Isgier. Wie der Pfarrer fertig war mit seiner Rede, sprach Müller: ,Hier liegt der Westiner von Isgier. Er hat gsofen in Lahmerer Wirt sein schlechtes Bier. Ein Fräckel war er schon auf Erden. Was wird er wohl im Jenseits werden?'" Bereits zweimal hatte der HAK mit einem Rundgang durch die Stadt mit den Erzählungen von Donat Pinter riesiges Interesse in der Bevölkerung geweckt.

Als Aichinger bei diesen Rundgängen über die "Menschen und Schicksale aus dem Sterbeverzeichnis eines Leichenbitters berichtete, fragte ein Teilnehmer tatsächlich, ob es sich bei einem Leichenbitter wohl um einen Schnaps handle, den man beim Leichenmahl trinke. Gemeint war aber der evangelische Leichenbitter Johann Adam Kohler, der von 1819 bis 1844 Aufzeichnungen über Menschen und ihre Schicksale führte und ein Vorläufer der Bestattungsinstitute war.

Reicher Fundus


Im Band sind zudem Bilderschätze aus dem reichen Fundus von Richard Bamler zu finden. Ochantel forschte über "Die toten Russen von Oberlind". Konrad Uschold weiß von einem angeblichen Operettensänger, der als Kriegsgefangener in Oberlind eingesetzt war. "Über den Bierpreis" berichtet Aichinger, Ochantel über "500 Jahre Reinheitsgebot für Bier".

Interessant ist auch die Ahnenforschung über die Färberfamilien in Vohenstrauß, die Aichinger verfolgte. Heuer feierte das wohl in einem Wäldchen bei Waldau versteckt aufgestellte Denkmal, das von Minnerow, 125-jähriges Bestehen. Nur wenigen Bürgern dürfte der Name des Ökonomierats Felix Franz Minnerow bekannt sein. Er soll 1881 das Waldauer Schloss erworben haben, berichtet Großmann.

VerkaufsstellenDie "Streifzüge" 37/2015 sind für 6 Euro in der Buchhandlung Rupprecht, in der Sparkasse am Marktplatz und im Heimatmuseum erhältlich. Die Bände 1 bis 25 gibt es zum Sonderpreis von 3 Euro im Heimatmuseum. (dob)
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