Organspende ein heikles Thema
Österreich als Vorbild

Lydia Gajan vom Evangelischen Frauenbund (links) und Apotheker Martin Wolf (rechts) hatten Internist und Nierenspezialist Dr. Franz-Hermann Beckmann (Zweiter von rechts) und Franz Nowy, der bereits zum zweiten Mal eine Niere gespendet bekam, zu einem Vortrag eingeladen. Bild: dob
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Vohenstrauß
08.10.2016
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"Täglich drei Tote mangels Spendenbereitschaft", informiert Internist und Nierenspezialist Dr. Franz-Hermann Beckmann beim Vortrag über Organspende. Bei diesem Thema lohne daher ein Blick nach Österreich.

Evangelischer Frauenbund und Apotheker Martin Wolf hatten ins evangelischen Gemeindehaus eingeladen. Dr. Beckmann ging auf die medizinischen und rechtlichen Grundlagen ein. Ausführlich legte er die Fakten des Skandals um die Organvergabe auf den Tisch und verurteilte das Verhalten der Ärzte scharf. Betroffen seinen ausschließlich Lebertransplantationen gewesen.

Korrupte Banden


Ebenso diskutierten die Teilnehmer über Organhandel. "In armen Ländern gibt es tatsächlich junge Leute, die sich für wenig Geld eine Niere entnehmen lassen", erklärte der Mediziner. Korrupte Banden verkauften diese teuer an gut zahlende Kunden. In "der zivilisierten Welt" - wie in Europa und besonders streng in Deutschland - sei so eine Vorgehensweise absolut ausgeschlossen und werde strengstens überwacht.

Lebendorganspenden würden nur akzeptiert, wenn die Spende sicher freiwillig, kein Geld im Spiel sei und nur bei Verwandten ersten und zweiten Grads oder mit besonderer persönlicher Verbundenheit, meist eines Lebensgefährten. Lebendspender müssten absolut gesund sein, so dass ausgeschlossen sei, dass sie außer dem Operationsrisiko selber weiteren Schaden nehmen könnten.

Strengste Vorgaben


Auch Schauermärchen, dass Spender verfrüht für Tod erklärt werden, schloss Dr. Beckmann aus. Deutschland habe hier strengste Vorgaben. Zwei unabhängige Mediziner, die nichts mit dem Ärzteteam, das die Organe entnimmt oder einpflanzt, zu tun haben dürfen, untersuchen den Toten je zwei Mal. Dadurch könne der irreversible Ausfall aller Hirnabschnitte leicht von einem Koma oder Ähnlichem unterschieden werden. "Eine nicht sachgerechte Hirntoddiagnose würde einem Tötungsdelikt gleichkommen. Da schaut die Staatsanwaltschaft stets genau hin", unterstrich der Experte.

Organempfänger Franz Nowy berichtete über sein Schicksal, schon zweimal eine Niere bekommen zu haben. Die Vergabe erfolgte von einer unabhängigen zentralen Stelle. Grundvoraussetzung für eine Transplantation sei die Blutgruppengleichheit. Ansonsten werden Gewebeeigenschaften, Wartezeit, Nähe (kurze Wege erhöhen die Chancen, dass die Transplantation erfolgreich verläuft und das Organ lange hält) sowie Dringlichkeit bewertet. Nowy wartete auf seine zweite Niere rund acht Jahre. Es sei kaum vorstellbar, wie belastend es ist, wenn keine Entleerung der Harnblase mehr erfolge. Eine enorme Belastung für die ganze Familie, ganz abgesehen vom Zeitverlust durch dreimalige Dialyse pro Woche. Seit er die neue Niere implantiert bekam, sei sein Leben wieder lebenswert. Er habe fast keine Einschränkungen mehr.

"Ich frage mich schon, warum Deutsche ungefähr viermal so lange auf ein neues Organ warten als die Österreicher." Als Betroffener sei es hart zu sehen, dass regelmäßig intakte Organe verloren gingen, die dem Verstorbenen nichts mehr nützten, die aber anderen Menschen Leben schenken könnten. In Österreich sei dies alles anders. Wobei auch hier die Angehörigen eines Verstorbenen Einspruch einlegen könnten gegen eine Entnahme nach dem Tod.

Dort gelte eben die Widerspruchslösung und in Deutschland nur die erweiterte Zustimmungslösung. Nowy hege wenig Hoffnung, dass die Gesetze "bei uns entscheidend geändert werden". Er appelliert an die Zuhörer, selbst zu entscheiden. Mit dem Ausfüllen eines Organspendeausweises könne man genaue Anweisungen geben. "Entscheiden Sie sich selber - für oder gegen eine Organspende nach Ihrem Tod", lautete sein Appell. "Damit bestimmen Sie nicht nur selbst über sich, sondern nehmen Ihren Angehörigen sowie den Ärzten in der sehr belastenden Situation die Entscheidung ab."
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