Osterwochenende in der ehemaligen Kreisstadt Vohenstrauß
Priester fordern mehr Einsatz

Vermischtes
Vohenstrauß
29.03.2016
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Für das gemeinsame Osterfrühstück werkelten die Helfer schon am Samstagabend im evangelischen Gemeindehaus. Mehr als 60 Besucher ließen sich die bunten Eier und den Schinken schmecken, die vom Grießlbauernhof und der Metzgerei Woppmann gespendet wurden.

Katholiken und Protestanten feierten am Wochenende die Auferstehung Jesu. Mit dem Ende der Fastenzeit freuten sich alle Gläubigen auf eine festliche Speise am Sonntag. Vorbereitungen trafen aber nicht nur die Hausfrauen, auch in den Kirchen werkelten die Helfer und die Geistlichen.

Vor allem die Hausfrauen waren fleißig am Organisieren, Backen und Kochen für die österlichen Festtage und am Herrichten der Osterkörbe für die gesegneten Osterspeisen. Der Einzelhandel erlebte am Samstag einen Ansturm von Kunden, in deren Körben und Einkaufswägen sich viele Köstlichkeiten für die Osterfeiertage türmten. An diesem Frühlingsfest schienen die meisten Haushalte wieder kulinarisch aus dem Vollen zu schöpfen.

Am Sonntag endeten für Katholiken und Protestanten die Passionszeit und damit die Zeit der Trauer um Christi Kreuzigung und Tod. Die Bedrücktheit des Karfreitags und die Totenruhe durften die Gläubigen damit hinter sich lassen. Selbst das Wetter verströmte mit dem Regen am Karfreitag Trauerstimmung. Die Kirchenglocken verstummten am Gründonnerstag und ruhten sich bis Sonntag aus.

Stille zur Todesstunde


Um 15 Uhr versammelten sich die Gläubigen zur Todesstunde Jesu in den Gotteshäusern, um zu gedenken, was vor über 2000 Jahren geschah. Dabei handelte es sich aber weit mehr als um eine Rückschau. "Das Kreuz ist nicht bloß fest eingerammt in die Erde, es hat auch eine tiefe Wunde in den Himmel gestoßen. Und diese Wunde ist bis heute offen", hieß es im Gottesdienst. Das Kreuz, so Dekan Alexander Hösl, zeige uns, wie verwundbar Gott in der Liebe und aus der Liebe zu uns sei.

Am Karfreitag sollten die Gläubigen bewusst die Nähe dieser göttlichen Wunden suchen, aber gleichzeitig im Heiligen Jahr in das barmherzige Antlitz des Gekreuzigten blicken und seiner hingebungsvollen Liebe nachspüren. "Sein ganzer Leib ist Wunde, sein blutverschmiertes Antlitz, sein fahles Augenlicht, sein in Ohnmacht geneigtes Haupt, sein gegeißelter Körper, seine angenagelten Hände und Füße, sein durchbohrtes Herz." Er hat sich dieser Welt ausgesetzt bis zur letzten Konsequenz. Gerade der Karfreitag stellt wie kein anderer Tag im Kirchenjahr das abgrundtiefe Leid und den Schmerz menschlichen Lebens in den Mittelpunkt. "Im Kreuz sehen wir das Elend der Welt."

Buntes Treiben


Während es am Samstagmorgen noch still war in der Kirche, begann am Nachmittag buntes Treiben. Dekan Alexander Hösl hatte alle Hände voll zu tun und werkelte bis in den frühen Abend des Karsamstags, um die Bevölkerung wieder mit einem Ostergarten vor dem Volksaltar, in dessen Mitte der Auferstandene den Gläubigen scheinbar entgegen schreitet, zu überraschen.

Im evangelischen Gemeindehaus deckten einige Frauen die Frühstückstische für das gemeinsame Osterfrühstück. Gut 60 Osternachtbesucher kamen hier zusammen. Gabi Senger-Peischl schleppte die von ihr selbst kreierte 1,20 Meter große Osterkerze heran, die sie nach dem Fastenaktions-Motto "Großes Herz, sieben Wochen ohne Enge" gestaltet hatte.

"Gottes weites Herz", überschrieb Stadtpfarrer Peter Peischl den evangelischen Auferstehungsgottesdienst. Die Nacht war kurz, denn die Sommerzeit raubte zusätzlich eine Stunde Schlaf. Während sich die evangelischen Christen wie üblich um 5 Uhr früh in der Stadtkirche zusammenfanden, verschoben die Katholiken die Auferstehungsfeier um eine Stunde nach hinten und begannen erst um 6 Uhr mit dem Ritual der Lichtfeier und der Feuersegnung vor dem Kirchenportal. "Angst ist ein schlechter Ratgeber, doch die Angst, die Menschen fühlen, wird durch den grausamen Terror dieser Tage massiv verstärkt."

Dekan Hösl verspürt vielmehr Angst vor der Lauheit der Christen. Genauso wie die Frauen am Grab Jesu sollten auch wir zu österlichen Menschen werden, uns für den Glauben einsetzen und ihn in die Öffentlichkeit tragen, forderte er. "Auferstehung und ein neues Leben wird uns jetzt, hier, in diesem Gottesdienst geschenkt. Es ist so, als ob Gott mit den vielen Kerzen, die wir in Händen halten, auch in uns ein Licht angezündet hat - und es mit jedem Gottesdienst und jeder sonntäglichen Auferstehungsfeier wieder heller scheinen lässt."

Voller Zuversicht


Der Seelsorger zitierte Andrea Schwarz: "Ostern muss in mir geschehen - oder es wird nicht geschehen. Das ist Ostern. Leise und fast manchmal nicht wahrzunehmen - aber doch unwiderstehlich." Deshalb könnten wir heute voller Freude Halleluja singen, weil keiner außer Christus uns einen anderen Weg weisen kann, der vom Grab wegführt hinein ins Leben, meinte der Geistliche am soeben erwachten Ostermorgen, an dem die ersten zaghaften Sonnenstrahlen zu spüren waren.
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