Patrozinium in Altentreswitz
„Mensch bleibt auf der Strecke“

Ein langer Kirchenfestzug bewegte sich von der Brücke am Ortsbeginn hinauf zur St.-Matthäus-Kirche.
Vermischtes
Vohenstrauß
26.09.2016
79
0
 
Einen wahren Herbsttraum erlebten die Besucher des Patroziniums in Altentreswitz. Mit Dekan Alexander feierten die Gläubigen den Festgottesdienst im Freien. Bild: dob

Einen wunderbaren herbstlichen Zauber erlebten die Gläubigen beim Matthäus-Fest in Altentreswitz. Dank des herrlichen Wetters feierten sie die Patroziniums-Messe zum ersten Mal seit langem wieder unter den alten Bäumen am Kirchlein.

Altentreswitz. (dob) Ein langer Festzug mit neun Fahnenabordnungen und kommunalpolitischen Vertretern aus der Region formierte sich am Sonntag an der Brücke mit der Kapelle "Bayrisch Blech". Die Gäste zogen mit Dekan Alexander Hösl zur Matthäus-Kirche. Daniela Ogarek und Petra Winklmann übernahmen die Lektorendienste.

Warnende Worte


Eindringliche und warnende Worte richtete der Geistliche an die Teilnehmer. Er prangerte die steigende Kinder- und Altersarmut in unserem Land sowie die immer größer werdende Kluft zwischen den armen und den reichen Ländern der Erde an. Er verwies auf die Führungsetagen der Großkonzerne im Gegensatz zu den Leuten, die oft wegen unglücklicher Umstände in die Schuldenfalle und manchmal sogar in die Obdachlosigkeit gerieten.

Die wachsende Zahl an Hungertoten sei ein weiterer Skandal, während auf der anderen Seite immer mehr Menschen an den Folgen von zu vielem und zu reichhaltigem Essen leiden. "All diese Beispiele sprechen eine überdeutliche Sprache. Sie sind der Matthäus unserer Tage vor seiner Lebensveränderung". Die großen Parteien setzen auf CETA und TTIP, denn die Wirtschaft müsse boomen, doch der "Mensch bleibt immer mehr auf der Strecke", klagte Dekan Hösl an. "Wir müssen nicht nur in der Politik, sondern in unserem ganzen Leben wieder eine Nachhaltigkeit lernen, die auch unseren nachfolgenden Generationen eine Zukunft schenkt", forderte er.

Die europaweite Abschaffung des Bargelds scheint ein Traumziel von Regierungen zu sein, die den Bürger dadurch entmündigen und immer gläserner werden lassen, befürchtete der Pfarrer, der in diesem Handeln "der Stasi neue Kleider" sieht. Diese Aussage des Priesters quittierten einige Gläubige mit einem lauten "Bravo".

Dekan Hösl forderte alle auf, Stellung zu beziehen und sich einzumischen gegen die täglichen Zumutungen, gegen Verdummung und Unmenschlichkeit. Außerdem hinterfragte er, warum viele Menschen den Glauben an Gott erst dann brauchten, wenn Katastrophen geschehen und wenn der Tod in das Leben einbricht. "Dann ist unser Glaube interessanterweise sofort gefragt, denn dann brauchen die Menschen einen Halt."

Er wolle mit dieser Aussage keineswegs kritisch herüberkommen. Aber ihm gehe die Frage durch den Kopf: "Warum muss immer erst die Not beten lehren, und warum lehrt nicht der Wohlstand danken?" Die Menschen müssten versuchen, die besondere Signatur dieser Zeit zu erfassen und überlegen, "wie wir die frohe Botschaft in unserem Leben immer in allen Höhen und Tiefen gut platzieren". Dazu bräuchten wir viel Fantasie. "Matthäus hat uns deutlich gezeigt: Umkehr ist immer möglich."

Zünftige Feier


Am Ende des Gottesdiensts lud Dekan Hösl stellvertretend für Ortssprecher Josef Winklmann zur geselligen Feier in den Hof der Familie Busch ein. Dort hatten die Dorfbewohner bereits alles für den Frühschoppen und das Mittagessen vorbereitet. Die Dorffrauen hatten Torten- und Kuchenspezialitäten gebacken, die es zum Kaffee gab. Das Areal wurde innerhalb kurzer Zeit zum Biergarten umfunktioniert. Mit der Blechmusik stand einer zünftigen Feier so nichts mehr im Weg.

Wir müssen nicht nur in der Politik, sondern in unserem ganzen Leben wieder eine Nachhaltigkeit lernen, die auch unseren nachfolgenden Generationen eine Zukunft schenkt.Dekan Alexander Hösl
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.