Realschule Vohenstrauß
Realschüler zelebrieren „Hoamatgfühl“

Beim Frühlingskonzert legten alle Realschüler ein Bekenntnis zu ihrer Heimat ab und zelebrierten sie höchst leidenschaftlich. Das "Hoamatgfühl" besangen Eva-Maria Walbert aus Vohenstrauß und Isabella Steiner aus Moosbach mit Unterstützung von Maria Voith aus Lennesrieth am Klavier und Theresa Hanauer aus Waidhaus am Schlagzeug. Bilder: dob (2)
Vermischtes
Vohenstrauß
13.05.2016
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Viele Mitwirkenden traten in Dirndl und Lederhosen auf.

Wer kennt sie noch, die unverwechselbare und ausdrucksstarke Sprache unserer Eltern und Großeltern? In der Realschule wird sie im Dialekt-Eckerl seit Jahren gepflegt. Lehrer und Schüler boten beim Frühlingskonzert bayerische Tradition in zeitgemäßer Form unter dem Motto "Bei uns dahoam".

Mit Herz und Leidenschaft hatten sich die Akteure der Oberpfälzer Gepflogenheiten verschrieben und dem Publikum am Donnerstagabend längst verloren gegangene oder in Vergessenheit geratene und bisweilen auch derbe Ausdrücke in Erinnerung gerufen. Längst brachte es vor einigen Jahren die Pisa-Studie an den Tag: Mundart ist ein Gewinn für Kinder.

Plädoyer für Dialekt


Tanz, Musik und Theater wechselten sich ab. "Im scheina Bayern dou san mia daham", hieß es bereits im ersten Beitrag der Band im "Loin die o" als Hommage an das wunderbare Bayernland und als zündendes Plädoyer für die typische Mundart. Längst haben auch Bildungsträger begriffen, dass Mundarten Schutz und Pflege als Kulturgut verdienen und als unverzichtbarer Wert der Heimat gelten. Die Schüler fühlten sich pudelwohl dabei. "Servus" und "Habe die Ehre", hießen die Jugendlichen die Besucher im Atrium willkommen. Sie bräuchten keine Angst zu haben, dass der Abend nur aus Schunkeln bestehe, wenngleich es natürlich erlaubt sei.

Grandiose Vorstellung


"Unsere oide Kath", überschrieben die Fünftklässler ihren Auftritt und beim "Bauer sucht Frau" war es kein Wunder, dass die Wahl des Brautwerbers schließlich auf eine "Taube und Blinde" fiel. Sonderapplaus verdiente sich Antonia Kleber aus Tännesberg für ihre grandiose Vorstellung als "Alte Kath". Die Bigband forderte mit den Sängern auf: "Schau doch niad so bais, dirra Hagl".

Das Mysterium der Frau erforschten Dr. Kleinstein (Dominik Gruber aus Waldthurn) und Dr. Albert Zweistein (Fabian Dietl aus Vohenstrauß). "Das weibliche Geschlecht - Beobachtungen verschiedener Arten in freier Wildbahn", lautete die Untersuchungsaufgabe einer Vorlesung an einer Universität. Die häufig verbreitete Frauenart sei "Schau halt niat so". Der Typ "Stalky" dagegen führe stets ein Fernglas mit sich und spähe damit mögliche Paarungspartner aus. Für den Typus "Nicky", "Goody", "Sweety" oder "Lovely" müsste man angesichts ihres lauten Gekreisches Oropax verwenden. "Mandy" dagegen gehöre zur Spezies "aggressives Weibchen", denn sie rupfe gerne das Gefieder der weiblichen Rivalinnen und Vorsicht sei bei der Wesensart "Alte Kath" mit Hagelstecken geboten, denn sie schlage mit ihrem Holzstock gerne aus. Bei dieser Vorlesung der ganz anderen Art meinte Dr. Albert Zweistein augenzwinkernd am Ende zu den männlichen Besuchern: "Die eine oder andere Art haben sie auch bestimmt zu Hause auf dem Sofa sitzen."

Bei der Sternpolka marschierten die meisten Mitwirkenden in Dirndl und Lederhosen auf. "Des hout koin Dauch", "A gmahde Wiesn" oder "Du bringst me nu ins Grab" brachten die Liebe zum Oberpfälzer Dialekt zum Vorschein und zeigten regionale Identität. Mit diesem Frühlingskonzertabend legten alle Schüler ein Bekenntnis zu ihrer Heimat ab und zelebrierten sie höchst leidenschaftlich.

Dass an der Realschule seit fünf Jahren in den Talentklassen aber auch hervorragend Tschechisch vermittelt wird, bewiesen Schüler beim Szenespiel "Leberkas to go", das zuerst in Deutsch und anschließend in Tschechisch aufgeführt wurde. Marie Schwägerl und Claudia Feneis stellten dabei ihre erstklassigen Sprachtalente unter Beweis. Fast Food sei fast etwas zum Essen, wurde dem Publikum erklärt. Dass die Entscheidung für die Leberkäs-Semmel nicht einfach fiel, war der sprachgewandten Verkäuferin zu verdanken, die ihre Kunden mit Fragen bombardierte.

Das "Hoamatgfühl" besangen Eva-Maria Walbert aus Vohenstrauß und Isabella Steiner aus Moosbach mit Unterstützung von Maria Voith aus Lennesrieth am Klavier und Theresa Hanauer aus Waidhaus am Schlagzeug. "Mei Weg", "Gloina Bauer" oder "Bayrische Schul" knüpften an die Stücke an. In "Ghetto Battle" widmeten sich die rivalisierenden Rapper-Akteure den Orten Moosbach sowie Eslarn und stellten deren bodenständige und authentische Besonderheiten heraus.

Großer Applaus


Kein Wunder, dass dieser exzellente Abend nur mit einer Zugabe enden konnte, bei der die Bigband noch einmal "Schau doch niad so bais" spielte und dafür langanhaltenden und begeisterten Applaus erhielten. Für die musikalische Einstudierung waren die Lehrerinnen Martina Plößl und Stephanie Ebner-Rebl, für das Theater Lucie Gollwitzer und für die Tanzeinlagen Johanna Fritz zuständig. Realschuldirektor Dr. Andreas Meier lobte am Ende alle Mitwirkenden.
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