Sanierungsbedürftiges Ensemble in Roggenstein
Neuer Herr im Schlössl

Das ehemalige Wirtshaus, der Rohbau von 1987 und das alte Schlössl (von links) sollen bald nach und nach aus ihrem Dornröschenschlaf erwachen. Benedikt Malzer aus Oberviechtach hat das Ensemble gekauft und will es behutsam renovieren. Bild: tss
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Vohenstrauß
11.02.2016
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Die Brauereigaststätte Wolf war einst das einzige Wirtshaus in Roggenstein, das Ross und Reiter versorgen durfte. Das könnte es auch in Zukunft wieder geben.

Denn Benedikt Malzer aus Oberviechtach will das sogenannte Schlössl samt seiner Nebengebäude sanieren. "Ich habe ein Faible für das Mittelalter." Und die Islandpferde, die er mit seiner Frau hält, brauchen mehr Platz. Die beiden wollen auf dem Gelände darüber hinaus eine Wanderreitstation einrichten. Außerdem soll es ab kommendem Jahr auch einen Aktivstall geben. "Der wäre in der Region einzigartig", sagt Malzer.

Stark sanierungsbedürftig


Mitte Dezember hat der junge Lehrer Grundstück und Bauwerke von Siegfried Wolf aus Störnstein erstanden. Sein Vater Reinhold Malzer, der das Projekt als Architekt begleitet, lobt "die fairen Verkaufsverhandlungen". Außerdem fühlen sich die Bauherren in Roggenstein "schon gut aufgenommen". Die Bevölkerung scheint die gute Absicht, die teilweise stark sanierungsbedürftigen Gebäude wieder herzurichten, zu honorieren. Davon wird der Ort später mit Sicherheit profitieren, sind die Oberviechtacher überzeugt.

Neben dem Schlössl gehören ein Stadel, ein Taubenschlag, das ehemalige Wirtshaus und ein eingestürzter Schweinestall zu dem Ensemble. Diese Gebäude "standen weit über zehn Jahre leer", weiß Benedikt Malzer. Außerdem sind sie denkmalgeschützt, die Reste des Schweinestalls dürfen jedoch entfernt werden. Mit dem Landesamt für Denkmalpflege gab es bisher keine Probleme. Auch einen Zuschuss hat die Behörde in Aussicht gestellt.

Zuerst ist allerdings der unvollendete Rohbau aus dem Jahr 1987 an der Reihe. "Der hätte ein Ersatzbau für ein Wirtschaftsgebäude beziehungsweise ein früheres Gesindehaus werden sollen", informiert Malzer. Daraus wird das Wohnhaus für ihn und seine Familie, der Einzug ist im Dezember vorgesehen.

Für alle Generationen


Die Malzers erledigen so viele Arbeiten wie möglich selber, suchen aber noch Handwerker. Unliebsame Überraschungen auf der Baustelle haben sie in den zehn Wochen noch nicht erlebt. Der Clou: Das Gebäude wird behinderten- und seniorengerecht, damit auch Eltern oder Großeltern einziehen können, "wenn sie das möchten", betont der Lehrer. Er und seine Frau wollen die älteren Generationen nämlich später einmal nicht in ein Seniorenheim stecken. Weiter ist heuer noch die Sanierung des Stadels vorgesehen, nach und nach sollen Schlössl und Wirtshaus folgen. Für letzteres existiert ein Braurecht und ein Branntweinrecht. Malzer könnte sich vorstellen, darin später einmal eine Zoiglstube unterzubringen. Er würde das Gebäude auch vermieten, die Einnahmen daraus könnten so wieder in die Finanzierung der Vorhaben fließen.

Einen Zeitplan für diese Maßnahmen gibt es noch nicht. Die Renovierung soll behutsam erfolgen, auch wenn sie länger dauern sollte als beabsichtigt. In Kürze steht eine Bestandsaufnahme durch den Denkmalschutz an, berichtet Reinhold Malzer. Dann können weitere Pläne folgen. Was aus dem Schlössl werden soll, steht noch nicht fest. Es könnte als Unterkunft für Reiter oder andere Gäste dienen. Für diesen Zweck findet es der Architekt allerdings fast zu schade.

Geschichte des SchlossesSteinreste einer Burg aus dem zwölften Jahrhundert sind noch heute in Roggenstein zu sehen. Wann jedoch das Schloss gebaut wurde und wer es errichtet hat, steht nicht fest. In den Aufzeichnungen "Hof und Heimat" von Therese Tonn-Wolf ist es Ende des 15. Jahrhunderts erstmals erwähnt: ein langer, rechteckiger Bau mit zwei Türmen an der Südwand und zwei in der Zwingermauer an der Ostseite. Im Laufe der Zeit wurde das Gebäude baufällig. Beim Umbau war wohl ein tragender Pfeiler entfernt worden - mit fatalen Folgen: Am Peter- und Paulstag 1819 (29. Juni) stürzte das Schloss ein. "Es hat einen Kracher getan, den man bis Altenstadt gehört hat", berichtet die Chronik. Den Besitz teilten sich damals die Brüder Heinrich Wilhelm und Johann Baptist von Schmaus. Letzterer baute im Wirtschaftshof ein Wohnhaus, das heute noch als Schlössl bekannt ist. (tss)
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