Stadtrat beschäftigt sich mit Einwendungen zum geplanten Supermarkt
Bauherr verspricht Lärmschutz

Wenn es nach dem Willen des Staatlichen Bauamts geht, wird der Lkw-Lieferverkehr für den geplanten Lebensmittel-Vollsortimenter über die Fliederstraße laufen. Einige Anwohner befürchten dadurch zunehmenden Lärm vor ihrer Haustür. Bild: ck
Vermischtes
Vohenstrauß
08.04.2016
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Relativ kurzen Prozess machte der Stadtrat am Donnerstag in der Haushaltssitzung mit den vorgebrachten Einwendungen hinsichtlich des geplanten Supermarkts an der Waidhauser Straße.

Am Ende waren sich dann doch alle einig: Die Ängste der Anwohner sind nachvollziehbar - angesichts des engagierten Entgegenkommens des Bauträgers aber durchaus aus dem Weg zu räumen. Der neue Markt soll kommen.

Das Gremium hatte Ende Juli 2015 bereits die Aufstellung eines Bebauungsplans im beschleunigten Verfahren beschlossen. Auch den vom Planungsbüro Kehrbaum Architekten Ag (München) vorgelegten Entwurf billigten die Räte. Von 15. Februar bis 16. März liegt der Entwurf aus. Bürgermeister Andreas Wutzlhofer erklärte in der Sitzung, dass es vier Einwendungen von privater und neun Schreiben von öffentlicher Seite gab.

Angst vor Lärm


Die einzelnen Einwände kamen in der Sitzung nicht zur Sprache. Die Räte waren vorab schriftlich unterrichtet worden. In der Diskussion wurde aber deutlich, dass die Bedenken der Anwohner offenbar hauptsächlich in eine Richtung gehen: Durch den Supermarkt und den Verkehr rundherum wird eine vermehrte Lärmbelästigung befürchtet. Laut Bürgermeister habe ein Vertreter des Bauträgers (W.I.V. Exclusivbau-Bauträger GmbH) nochmals garantiert, dass weitere Verbesserungsmaßnahmen hinsichtlich Lärmschutz aufgenommen würden. Diese würden laut Wutzlhofer über die in einem Immissions-Gutachten geforderten Maßnahmen noch hinausgehen. Der Bauträger will sich mit den Einwendungsführern demnächst an einen Tisch setzen.

CSU-Sprecher Alfons Raab erklärte, dass nach den erstellten Gutachten keine erheblichen Auswirkungen auf Umwelt und Anwohner zu erwarten sei. Man werde aber ein wachsames Auge darauf haben, dass der Bauherr die geforderten Vorgaben auch einhält. Raab wies darauf hin, dass es sich um eine Verlagerung handle, nicht um einen zusätzlichen Lebensmittelmarkt.

Thomas Eiber fragte nach, was es mit den angeführten Zeiten von 6 bis 22 Uhr auf sich habe. Geschäftsleiter Alfons Sier erklärte, dass es sich nicht um die tatsächlichen Öffnungszeiten handle. Der Laden schließe um 20 Uhr. Bis allerdings die letzten Kunden den Parkplatz verließen, müsse man noch mit höheren Lärmwerten rechnen.

Martin Gleixner wollte die Sorgen der Anwohner nicht einfach beiseiteschieben. Den Markt deswegen abzulehnen, wäre seiner Meinung nach aber nicht richtig: "Wir verlassen uns auf die Aussagen der W. I. V. und des Bürgermeisters, dass die zugesicherten Maßnahmen eingehalten werden." Eines dieser Zugeständnisse betreffe laut Wutzlhofer die Kühlaggregate. Diese würden nun auf Bodenebene verlegt und mit einem zusätzlichen Schallschutz ausgestattet. Eine zusätzliche Lärmschutzwand werde in Richtung Tankstelle Bergler errichtet.

SPD-Stadträtin Gabi Eichl meinte, dass man den Anliegern keineswegs bis 22 Uhr einen Geräuschpegel wie tagsüber zumuten könne. Auch die Nutzung des Parkplatzes als nächtlicher Treffpunkt junger Autofahrer wie an der Stadthalle kam in dem Zusammenhang zur Sprache. Der Rathauschef erklärte, dass der Bauherr in diesem Fall Schranken anbringen lasse.

Heinrich Rewitzer und Dr. Heinrich Gref (SPD) konnten die Reaktionen einiger Anwohner nicht ganz nachvollziehen. Rewitzer: "Ich möchte mir gar nicht vorstellen, was erst los wäre, wenn jemand mitten in der Stadt ein größeres Geschäft eröffnen wollte." Gref ergänzte: "Sollen wir den Markt lieber auf die grüne Wiese stellen, wo er nur mehr mit dem Auto erreichbar ist? Die Müllabfuhr kommt doch auch schon um 6 Uhr. Oder das Schneeräumfahrzeug, soll das auch erst um 12 Uhr fahren?" Der Betreiber mache die Öffnungszeiten nicht, um die Bevölkerung zu belästigen, sondern richte sich nach den Bedürfnissen der Kunden. Jeder nutze die Geschäfte, keiner wolle sie aber in direkter Nähe haben. "Wir sind gut bedient mit diesem Projekt", schloss der SPD-Stadtrat.

Landratsamt entscheidet


Einstimmig beschloss der Stadtrat, dass die Verwaltung beauftragt wird, die öffentliche Bekanntmachung zu veranlassen. Sobald der Bebauungsplan rechtsverbindlich ist, wird der Flächennutzungsplan angepasst. Der Weg für den neuen Markt ist damit weiter geebnet. Die Baugenehmigung liegt letztendlich beim Landratsamt.

Lastwagen-LieferverkehrEine "Einwenderin" will sich offenbar nicht damit abfinden, dass die Fliederstraße als Zubringer für die drei morgendlichen Lkw-Lieferungen genutzt werde. Bürgermeister Andreas Wutzlhofer entgegnete, dass sich das Staatliche Straßenbauamt in einem Schreiben vehement gegen die geplante Zulieferung über den Kreisverkehr ausgesprochen hatte. Das Unfallrisiko sei nach Meinung der Behörde dabei viel zu hoch.

SPD-Stadträtin Gabi Eichl konnte das nicht nachvollziehen: "Lieber habe ich doch am Kreisverkehr einen kleinen Stau als Lärm in der Fliederstraße." Der Supermarkt befinde sich doch sehr nah an der Wohnbebauung. Diese These stützt auch das Landratsamt. Der Kreisbaumeister forderte in seiner Stellungnahme, dass der morgendliche Lkw-Lieferverkehr wegen des zu erwartenden Lärms in der Fliederstraße über den Kreisverkehr erfolgen sollte.

Wutzlhofer gab zu verstehen, dass man dem Einwand des Straßenbauamtes nichts entgegenzusetzen habe, zumal die Lärmwerte an der Fliederstraße laut Gutachten eingehalten werden. Das heißt, die Lastwagen werden wohl durch die Fliederstraße rollen. (ck)


Stadtrat-SplitterAuf Anfrage von CSU-Stadtrat Josef Maier räumte Bürgermeister Andreas Wutzlhofer mit dem Gerücht auf, dass der Röhrenweg im Zuge des geplanten Supermarkts ausgebaut werde: "Wieso sollten wir diesen Weg ausbauen? Also ich habe das auf alle Fälle nicht vor."

Hans Gösl (FDP/UW) wollte wissen, ob der Einwand einer Privatperson zutreffe, dass die Arbeiterwohlfahrt (AWO) aufgrund des geplanten Vollsortimenters den eigenen Erweiterungsbau zurückgezogen habe. Wutzlhofer erklärte, dass er bei der AWO-Vorsitzenden Karin Gesierich nachgefragt habe. Von Rückzug könne keine Rede sein. "Das scheint mir also von der Person frei erfunden zu sein." (ck)
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