Stríbro verleiht Fritz Koller posthum die Ehrenbürgerschaft
Nachhaltiges Erbe hinterlassen

Inge Koller nahm stellvertretend für ihren Ehemann Fritz im Beisein der drei Söhne, Schwiegertöchter und Enkel die posthum verliehene Ehrenbürgerwürde der Stadt Stríbro (Mies) entgegen. Bilder: dob (2)
Vermischtes
Vohenstrauß
26.03.2016
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Fritz Koller.

Er galt als ein Verfechter Europas und stand zeitlebens für die Völkerverbindung weit über die nationalen Grenzen hinaus ein: Fritz Koller, ehemaliger Konrektor der Vohenstraußer Hauptschule (heutige Mittelschule) und "Außenminister" des Turnvereins. Posthum hat er eine ganz besondere Ehre erhalten.

/Stríbro. Normalerweise werden Ehrenbürgerschaften auf Lebenszeit verliehen, in diesem Fall ist es anders. Mehr als 17 Jahre nach seinem Tod (6. August 1999) wurde dem Verstorbenen nun eine besondere Auszeichnung in der Partnerstadt Stríbro (Mies) zuteil.

Bei einem Festakt im Rathaussaal waren neben vielen Gästen und Wegbegleitern von Koller auch seine Familie mit Ehefrau Inge und den drei Söhnen Thomas, Markus und Bernd sowie Schwiegertöchter und Enkel dabei, als Bürgermeister Karel Lukes dem ehemaligen Vohenstraußer Fritz Koller posthum zum Ehrenbürger der Stadt Stríbro ernannte. Damit reiht sich der Ausgezeichnete nach dem früheren zweiten Bürgermeister Horst Frötschl und Altbürgermeister Josef Zilbauer in die Ehrenbürgerwürde der befreundeten tschechischen Stadt ein.

Emotionaler Höhepunkt


Die Verleihung war vor allem für die Familie ein emotionaler Höhepunkt bei der Erinnerung an den unvergessenen Ehemann und Vater. "Hätte er diese Ehrung noch erleben dürfen, wäre er hocherfreut gewesen", versicherte Inge Koller, als sie sich in bewegenden Worten bei den Stadtvertretern für diese hohe Ehre bedankte. Integration und ein faires Miteinander waren für Koller keine Fremdworte. Er lebte sie beispielhaft und hinterließ ein wertvolles und nachhaltiges Erbe. Ein Jahr vor seinem Tod erhielt Fritz Koller, der eigentlich Franz hieß, die Diagnose der heimtückischen Krankheit, die sein Leben und das seiner Familie von einen Tag auf den anderen abrupt veränderte.

War am Beginn noch die Hoffnung, dass er den Orkan übersteht, erkannte Koller bald die Gewissheit, dass der Sturm für ihn zu stark war. Im März 1999 legte er sein Stadtratsmandat nieder, das er 1990 von der Bevölkerung verliehen bekam. Schon im August darauf schloss der 59-Jährige für immer die Augen und hinterließ eine Riesenlücke in der Familie, aber auch in der Bevölkerung.

Die Partnerschaften mit Stríbro und Gifu in Japan gingen auf sein Konto. Der Ehrenvorsitzende des Turnvereins galt bis zu seiner schlimmen Krankheit als agil und lebensfroh, der auch andere mit seinem Frohsinn ansteckte. Er war ein mitreißender Optimist der begeistern konnte und vor allem ein Mensch, aus dem immer wieder neue Ideen sprudelten. Davon profitierten seine Schule ebenso wie der Turnverein und die Freundschaften mit Stríbro und Japan.

Am 24. Februar 1990 reiste erstmals eine Delegation aus dem damals für die meisten Vohenstraußer noch so fremden tschechischen Ort in die Oberpfalz. Als Vorreiter der Partnerschaft auf deutscher Seite kann an erster Stelle nur Koller genannt werden. Beim Faschingsball des Turnvereins kamen sich beide Seiten näher.

Turnverein geprägt


Koller galt ebenso als Initiator der Partnerschaft mit der Internationalen Japanischen Schule in Frankfurt. Den Turnverein führte Koller mehr als zwölf Jahre wie eine Art Übervater. Bis heute wird immer wieder sein Name dort genannt, denn unter seiner Amtszeit wurde aus dem TV der größte Verein der Großgemeinde. Deswegen waren auch Vorsitzender Klaus Nigg und sein Vorgänger Manfred Jeschke beim Festakt in Stríbro dabei.

Kollers Initiative ist es ebenso zu verdanken, dass Vohenstrauß die Dreifachturnhalle in dieser Form, wie sie sich heute längst bewährt hat, baute. Zum 20. Jahrestag der Einweihung wurde 2011 in Erinnerung an Koller und den damaligen Bürgermeister Franz Pausch eine Gedenktafel enthüllt, die an die beiden Macher erinnert. Unermüdlich hatten die zwei Männer an einer Lösung gestrickt, die letztlich von Erfolg gekrönt war. "Ich bin froh und stolz zugleich, dass Fritz auch nach so langer Zeit bei seinen Freunden noch nicht vergessen ist und man noch immer an ihn denkt", sagte Inge Koller vor der Festgemeinschaft im Rathaussaal.

"Des Menschen Tage sind wie Gras, er blüht wie die Blume des Feldes. Fährt der Wind darüber ist sie dahin, der Ort, wo sie stand, weiß von ihr nichts mehr." Dieser Vers aus dem Psalm 103 stand damals über dem Trauergottesdienst in der katholischen Stadtpfarrkirche. Für Kollers Familie hat er bis heute Bedeutung, wohl wissend um die Grenzen der Zeit.

In Vohenstrauß wurde 2002 bisher aus der Partnerstadt Stríbro nur Pfarrer Jiri Hajek und dem bereits verstorbenen früheren Bürgermeister Petr Bursik die goldene Bürgermedaille für besondere Verdienste um die grenzüberschreitenden Beziehungen verliehen, informierte Bürgermeister Andreas Wutzlhofer. Er war mit Horst Frötschl bei den Feierlichkeiten in Tschechien.

Dank der Bestrebungen von Jiri Urban, dem früheren Abteilungsleiter Volleyball und späteren zweiten Vorsitzenden von Banik Stríbro, wurde diese posthume Ehrung forciert. Urban traf sich regelmäßig mit Koller und war bei allen partnerschaftlichen Unternehmungen ständiger Begleiter. Daraus erwuchs ein tiefes freundschaftliches Band, das über den Tod hinaus hält.
Ich bin froh und stolz zugleich, dass Fritz auch nach so langer Zeit bei seinen Freunden noch nicht vergessen ist und man noch immer an ihn denkt.Inge Koller, Ehefrau des verstorbenen Fritz Koller
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