Team des BRK-Arbeitskreises kommt an die Grenzen des Machbaren
Kammer voller Menschlichkeit

Die Helfer des BRK-Arbeitskreises hatten heuer in der Kleiderkammer sehr viel zu tun. Mit Wilma Zitzmann (vorne, Mitte) und Paula Voit (vorne, Zweite von rechts) feierten zwei Mitglieder Geburtstag. Zitzmann wurde 75 und Voit 85 Jahre. Dafür überreichte Leiterin Wally Zwick (vorne, rechts) Blumen. Bild: dob
Vermischtes
Vohenstrauß
16.12.2015
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Die Leiterin des BRK-Arbeitskreises, Wally Zwick, ist eine ausgeglichene Person, die mit ihren 76 Jahren auf ihre Helfer in der Kleiderkammer Ruhe ausstrahlt. Doch heuer kam das Team an die Grenzen des Machbaren.

"Die Arbeit in der Kleiderkammer wurde mehr und mehr zur Tragödie", fasste die ansonsten so bescheidene BRK-Mistreiterin die Erlebnisse in einer Feier im Rotkreuzhaus zusammen. "Die Damen waren am Ende ihrer Kräfte, und die Situationen, die sich in der Kammer abspielten, unerträglich", blickte Zwick zurück.

Die Damen waren am Ende ihrer Kräfte und die Situationen, die sich in der Kleiderkammer abspielten, unerträglich.BRK-Arbeitskreis-Leiterin Wally Zwick

Saubere Kleidung


Normalerweise ist sie immer für kreative Ideen und Problemlösungen gut, wusste nun aber auch keinen Ausweg mehr. Durch einen Aufruf in den beiden Kirchen und im "Neuen Tag" erfuhr die Öffentlichkeit, welch Szenen sich bei der Ausgabe abspielten, die sogar Polizeieinsätze nötig machten. Seit dieser Zeit bekomme die Kammer zumindest gute und vor allem saubere Kleidung und Wäsche gespendet.

Doch das Wertvollste, was die Leiterin aus diesem Hilferuf gewann: "Sieben jüngere, anständige, zuverlässige und geschickte Mitstreiterinnen, die eine fleißige Hand haben und gewillt sind, bei uns mitzuarbeiten." Darüber sei sie mit Marga Kleber und all den anderen Helfern sehr froh.

Kleber sei normalerweise eine Frau, die ihre Ärmel hochkremple und anpacke. Doch selbst ihr standen die Haare zu Berge, als die Bedürftigen im Keller des Rotkreuzhauses auf der Suche nach warmer Winterkleidung ein Chaos hinterließen. Stundenlanges Einsortieren der Kleidung und Schuhe war die Folge.

"Die Bestände an Bekleidung waren zu gering, die Hilfesuchenden zu viel, die Helfer überfordert und zu wenig", sagte Zwick. Trotz jahrzehntelanger Erfahrung und guten Willens seien die Ehrenamtlichen am Ausflippen und Hinschmeißen gewesen. Kräftemäßig könnten die Seniorinnen einfach manche Arbeiten nicht mehr leisten. Deshalb sprach sie den Jüngeren ein herzliches Dankeschön aus: "Wir brauchen euch noch länger."

Im Arbeitskreis sind 22 Mitglieder aktiv, nur zwei sind unter 60 Jahre. Hinzukommen noch fünf passive Mitglieder, die wegen ihres fortgeschrittenen Alters nicht mehr helfen können, informierte Zwick. Trotz des hohen Alters übernehme der Arbeitskreis noch weiterhin die Verpflegung bei den Blutspende-Terminen. Der Personaleinsatz werde von Gisela Käs perfekt organisiert.

Situation "gut gemeistert"


Das Rote Kreuz sei verpflichtet, für Notlagen eine Kleiderkammer vorzuhalten. In den vergangenen 45 Jahren sei die Einrichtung sehr gut gelaufen. Jeden Monat waren abwechselnd zwei Helferinnen eingeteilt, die gespendete Kleidung einsortiert und einen Ausgabetermin organisierten.

Der stellvertretende Kreisbereitschaftsleiter Sandro Galitzdörfer, der mit der stellvertretenden Geschäftsführerin im BRK-Kreisverband Weiden und Neustadt/WN, Edeltraud Sperber, und Hartmut Ordnung als Einsatzleiter Katastrophenschutz nach Vohenstrauß gekommen war, zeichnete ebenfalls ein tragisches Bild von den Flüchtlingsaufgriffen auf der früheren B 14 und der anschließenden Hilfe. Trotzdem habe man die entsprechenden Situationen mit Hilfe des Arbeitskreises "gut gemeistert". Zum schweren Kistenschleppen sind die Helfer im fortgeschrittenen Alter jedoch nicht mehr in der Lage, deswegen sei es wichtig, junge Leute zu gewinnen. Der aufkeimende Unmut im Sommer in der Gruppe deshalb unabwendbar und verständlich. Dr. Richard Pruy, stellvertretender Chefarzt im Kreisverband, lobte die eingeschworene Gemeinschaft als eine überaus fleißige Gruppe, die unheimlich viel im Stillen leistet.

Zwick stehe für einen ungemeinen Zusammenhalt mit dem Talent zu koordinieren und organisieren. "Probleme müssen gelöst werden", sei ihr geflügeltes Motto. Menschlichkeit und Unabhängigkeit gehörten zu den ureigensten Aufgaben des BRK. "Wir tun das, worüber andere nur reden", hob Dr. Pruy hervor.

Probleme lösen


Zweiter Bürgermeister Uli Münchmeier als Leiter des Arbeitskreises Asyl nahm erstmals an der Zusammenkunft teil. Er habe die schwierige Situation gespürt. Deswegen sei es ihm ein Herzensanliegen gewesen, die Kleiderausgabe wieder auf vernünftige Beine zu stellen. Mit den BRK-Verantwortlichen wolle die Stadt die Probleme in den Kellerräumen lösen und am besten mit einer ebenerdigen Unterkunft für die Kleiderkammer für Arbeitserleichterung sorgen, versprach Münchmeier.
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