Verschwundene Wirtshäuser in Vohenstrauß
Guter Stoff beim Hufschmied

Diese historische Aufnahme aus dem Jahr 1917 zeigt den "Mesnerschmied" (zweites Haus von rechts). Zwischen den Dachziegeln ragte eine Stange mit dem Zoigl hervor. Das bedeutete für die Bauern: In der Wirtsstube konnten sie ihren Durst löschen, während sie darauf warteten, dass die Pferde beschlagen wurden. Repro: tss
Vermischtes
Vohenstrauß
10.02.2016
158
0

An der Schenke beim "Mesnerschmied" bestellten sich die Männer einst per Ziehglocke im Hausflur ihr Bier, das sie dann durch ein kleines Fenster gereicht bekamen. Diese Zeiten sind schon lange vorbei.

Bis 1971 stand am Marktplatz an der Ecke Prager Gasse der renommierte Gasthof "Zum Kronprinzen von Bayern". Dieses alte Bürgerhaus prägte das Ortsbild der ehemaligen Kreisstadt in besonderer Weise. Daneben war der "Mesnerschmied". Beide Gebäude wurden vor 45 Jahren abgerissen. Heute befindet sich dort die Sparkasse.

Um 1555 erstmals erwähnt


Heimatforscher Karl Ochantel sowie die Kinder des letzten "Mesnerschmieds", Martha Luft und Hans Müllner, kennen die bewegte Geschichte des Anwesens, das um 1555 erstmals in Aufzeichnungen erwähnt ist. Nach dem Dreißigjährigen Krieg richtete sich die Tuchmacherfamilie Sperl in dem baufälligen Gebäude ein. Ab März 1753 gehörte es dem Bürgermeister und Kirchenverwalter Johann Andreas Sperl.

Beim Großbrand von 1763 erlangte das Haus traurige Berühmtheit. Dort brach am 9. Juni nämlich das verheerende Feuer aus, bei dem der komplette Markt mit Kirche, Pfarrhöfen, Pfarrbücherei und Pfarr-Registraturen den Flammen zum Opfer fiel. Später wurde es wieder aufgebaut. 1827 richtete Jonas Dobmayer dort eine Schmiedewerkstatt ein. Er stammte aus dem Haus an der Pfarrgasse, das seit 1749 der Familie Dobmayer gehörte. Sie verrichtete auch das Mesneramt, der Hausname war "Mesnerpauler". Die Dobmayers am Marktplatz hießen zur besseren Unterscheidung "Mesnerschmied".

Besitznachfolger war Michael Dobmayer. Eine seiner Töchter heiratete 1901 Johann Müllner aus Moosbach, der die Schmiede in Vohenstrauß weiterführte. "Er hatte den genialen Einfall, aus dem Betrieb doppelten Gewinn zu erwirtschaften. Während die Bauern darauf warteten, dass ihre Pferde neue Hufeisen erhielten, konnten sie in der Gaststube, in die es durch den Hausdurchgang gleich links ging, ihren Durst löschen", informiert Ochantel.

Auch die Vereine etablierten sich in der Wirtschaft. 1911 traf sich der Turnverein dort zu Gesellschaftsabenden, ab 1913 traditionell donnerstags der Bürgerverein. Im gleichen Jahr folgten der katholische Arbeiterverein und der Kriegerverein. Aus dem Dach hing regelmäßig eine Stange mit dem Zoigl. Wie alle Bürgerhäuser am Marktplatz hatte das "Mesnerschmied"-Anwesen Braurecht im Kommunbrauhaus.

1931 war Georg Hofmann Braumeister. Dass er sein Handwerk verstand, zeigt ein Bericht aus diesem Jahr: "Unser Kommunbraumeister stellt keinen schlechten Stoff her. Das hat sich beim ,Mesnerschmied' gezeigt. Die Wirtsstube war nämlich wieder einmal voll besetzt, an drei Tischen wurde gekartet."

Neben der Schenke ging es zwei Stockwerke tief in den Felsenkeller. "Ein eigener Keller, eigene Fässer und eigene Gerste waren Voraussetzung für das Braurecht im Kommunbrauhaus", weiß Ochantel. Ende des Zweiten Weltkriegs kam dem Gewölbe eine weitere Bedeutung zu. Als die Amerikaner am 20. April 1945 von Waldau aus die Stadt beschossen, suchte die Großfamilie Müllner dort Zuflucht. Die Männer, Frauen und Kinder saßen eng gedrängt auch auf den Bierfässern. Die Einschläge der Granaten ließen die Fensterscheiben bersten. Andere Häuser kamen nicht so glimpflich davon. Der "Krapfenbauer" an der Pfarrgasse oder "Pinter" am Marktplatz brannten.

1969 das Ende


Johann Müllner starb am 21. Dezember 1961 im Alter von 85 Jahren. Sohn Karl arbeitete als Hufschmied, die Wirtschaft überließ er der Ehefrau. Ihre Töchter Anna, Gerdi und Martha mussten in der Gaststube aushelfen. "Besonders, als am Sonntagvormittag die Kirchenbesucher kamen", sagt Martha Luft. Das Bier stammte mittlerweile von der Brauerei Balk. "Und wenn ein Bauer nach einer Brotzeit verlangte, musste jemand in die nächste Metzgerei spurten, um Leberkäs zu holen", erinnert sich Hans Müllner. Sein Vater Karl war der letzte "Mesnerschmied". Er starb 1969. Das bedeutete das Ende der Gastwirtschaft, der Hufschmiede und des Anwesens.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.