Vohenstraußer Flurdenkmäler
Beschützer von Vieh und Stall

Rudolf Großmann hat die Wendelin-Darstellungen in Kirchen und auf Flurdenkmälern in der Großgemeinde erforscht. Die Holzfigur (links) steht in der Kapelle in Braunetsrieth und das Mages-Marterl (Mitte) bei Waldau. Das Bild rechts ist auf dem Hammer-Marterl im Westen von Kößing zu sehen. Bilder: tss (1), hfz (3)
Vermischtes
Vohenstrauß
19.10.2016
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Rudolf Großmann hat die Wendelin-Darstellungen in Kirchen und auf Flurdenkmälern in der Großgemeinde erforscht. Die Holzfigur (links) steht in der Kapelle in Braunetsrieth und das Mages-Marterl (Mitte) bei Waldau. Das Bild rechts ist auf dem Hammer-Marterl im Westen von Kößing zu sehen. Bilder: tss (1), hfz (3)

Wendelin dürfte einer der bekanntesten Heiligen der Welt sein. In unserer Gegend war er vom 18. bis ins 20. Jahrhundert äußerst beliebt. Sein Gedenktag ist der 20. Oktober. Grund genug, ihn in der Serie "Vohenstraußer Flurdenkmäler" genauer unter die Lupe zu nehmen.

Die Bauernregel für diesen Tag lautet: "Sankt Wendelin, verlass uns nie, schirm' unsern Stall, schütz' unser Vieh." Er ist der Patron der Hirten und Herden, Schäfer, Bauern und Tagelöhner, des Viehs, gegen Viehseuchen, für gutes Wetter und gute Ernte sowie für Natur- und Umweltschutz. Früher durften Nutztiere dann nicht arbeiten und bekamen auch besondere Leckerbissen. Abgebildet ist der Heilige meist als Hirte, mit Schafen, Rindern und Schweinen oder als Pilger mit Keule, weiß Rudolf Großmann. Im Band 37 der "Streifzüge" des Heimatkundlichen Arbeitskreises widmete sich der Marterlforscher den Wendelin-Darstellungen in der Großgemeinde Vohenstrauß.

Auf neun Flurdenkmälern


Der Heilige ist auf neun Flurdenkmälern zu sehen. Das Hammer-Marterl im Westen von Kößing ist ein Steinbildstock aus dem Jahr 1778. In den "Streifzügen" ist es nicht enthalten. Eigentümerin Margarete Hammer aus Weiden berichtete Großmann, dass am Standort ein russischer Offizier begraben worden sei oder dass es von den Hussiten herrühre. Die Buchstaben "C A" stehen für Carl Ach. Der Bildstock lag über zehn Jahre lang unbeachtet und zerbrochen am Straßenrand, ehe er 1978 renoviert und im Wirtsgarten neben dem Anwesen Steger wieder aufgestellt wurde.

"Die drei Querbalken im Kreuz sind eine Seltenheiten bei unseren Flurdenkmälern", erläutert der Heimatforscher. Georg Wewior malte oder renovierte die drei Bilder: Petrus als Kirchenpatron (1992), Maria (1991) und Wendelin als Schutzpatron der Bauern (1992). Familie Mages aus Waldau errichtete nach dem Abklingen einer Viehseuche ein Marterl auf einem ihrer Felder. "Das genaue Datum ist leider nicht mehr zu erforschen", bedauert Großmann. Vor der Renovierung 1978 lag es in drei Teilen am Wegesrand. Familie Ram von der Zieglmühle bat Wendelin um Glück im Viehstall. Daran erinnert seit 1946 ein Feldkreuz. Anders erging es einer Familie in Zeßmannsrieth . Sie wandte sich erst an den Heiligen, nachdem sie im Stall vom Pech verfolgt war. Aber auch hier half Wendelin, wie das 1950 das aufgestellte Feldkreuz Wurzer beweist.

Mathias Uschold aus Unterlind errichtete 1877 ein Feldkreuz, nachdem Gebete gegen eine Viehseuche erhört worden waren. 2007 schlug am Standort ein Blitz ein. Das Kreuz fiel um und zerbrach in zwei Teile, wurde danach aber repariert. Johann Beierl aus Obernankau hatte ebenfalls Unglück im Stall. Die heutigen Besitzer erinnern sich auch noch an einen Unfall mit einem Ochsengespann des Stifters. Das Mattl-Kreuz hat bereits seinen dritten Platz, ursprünglich stand es etwa 80 Meter nordwestlich an einem Feldrand.

Auf dem Voith-Marterl ("Der Wendelin") in Roggenstein ist die Jahreszahl 1866 zu lesen. Joseph Schmidt aus Braunetsrieth hat das Schmidt- oder "Fuchsn"-Marterl zur Ehre Gottes errichtet. Die vier Bilder (die Heiligen Notburga und Wendelin, die Golgatha-Szene sowie das Fegefeuer) mussten 1977 neu gemalt und 1992 restauriert werden. Bei den Renovierungsarbeiten wäre der Bildstock beinahe umgestürzt. Familie Eger in Neumühle besitzt ein Reliefbild (um 1900), das als Bildstock neben dem Hauskreuz am alten Stadel hing. Der Künstler ist aber ebenfalls nicht mehr bekannt.

In vier Gotteshäusern


Schließlich ist der Heilige auch noch in vier Gotteshäusern zu finden. In der 1874 eingeweihten Kapelle in Braunetsrieth steht auf der linken Altarseite ein aus Holz geschnitzter Wendelin. Ein Hinterglasbild in der Kirche in Kaimling zeigt ihn mit einem Schaf im Arm. Leider sind Künstler und Jahr nicht bekannt.

Auf dem großen Bild im rechten Seitenaltar der Simultankirche in Altenstadt ist der betende Heilige als Hirte in einer Schaf- und Rinderherde dargestellt. Über ihm schweben zwei Engel. Auf einem Berg liegt ein Kloster. Zu seinen Füßen erkennt man eine Königskrone, hinter ihm ein Schloss. Zwei Schriftzüge rahmen das Bild ein. Maler und Jahr sind ebenfalls nicht bekannt.

Ein fast gleiches Bild, jedoch in einem anderen Stil und ohne Text, hängt in der Kirche in Waldau im Altarraum über der Tür zum Glockenturm. 1995 wurde das Gemälde, das früher unter der Empore angebracht war, restauriert. Dabei stellte sich heraus, dass es Thaddäus Rabusky, der von 1776 bis 1862 in Neustadt/WN lebte, 1832 gemalt hatte. Es wurde um 1900 in Zusammenhang mit der alten Kirche in der Burg erwähnt.

Ausbeutung der Natur


"Ob Glaube, Prozessionen, Gebete und Messen hilfreich waren, mag jeder für sich selbst entscheiden. Sie hatten jedenfalls weniger schädliche Aus- und Nebenwirkungen als der heutige übertriebene Einsatz von Medikamenten oder Spritzmitteln und die kommerzielle Ausbeutung der Natur und der Tiere. Wir machen heute den Profit, unsere Kinder zahlen morgen die Zeche. Vielleicht, oder gerade deswegen, wird der heilige Wendelin in heutiger Zeit auch immer mehr zum Schutzpatron für Natur- und Umweltschutz", schließt Großmann seinen Bericht.

Wendelin von TholeyWendelin von Tholey kam um 555 in Schottland zu Welt und war der Überlieferung nach ein Königssohn. Aus Ärger über seine religiösen Neigungen verlangte sein Vater von ihm, Schafe zu hüten. Mit sechs Genossen wollte er im Alter von 20 Jahren nach Rom pilgern, gelangte aber nur bis Trier, oder auf dem Rückweg von Rom nach der Segnung durch den Papst in diese Stadt.

Die Tradition vom Hirten Wendelin beruht wohl auf dem Wissen keltischer Druiden über Viehhaltung und -gesundheit. Er starb vermutlich 617 im saarländischen Tholey. Die Quelle www.heiligenlexikon.de/BiographienW/Wendelin.html nennt übrigens auch den 21. Oktober als Gedenktag. (tss)
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