Vohenstraußer Flurdenkmäler
Grab für Pest-Opfer aus Waldau

Der Weg durch die Bäume und das Gestrüpp lohnt sich, denn das Schanzel an der Straße nach Untertresenfeld beherbergt die Überreste einer mittelalterlichen Burganlage. Seit 1990 informiert eine Schautafel darüber. Bild: tss
Vermischtes
Vohenstrauß
02.09.2016
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Kurz hinter Waldau auf der Straße nach Untertresenfeld befindet sich an der linken Seite ein kleines, hügeliges Waldstück: das "Schwedenschanzl". Um diese mittelalterliche Befestigungsanlage ranken sich nicht nur Bäume und Gestrüpp, sondern auch viele Sagen.

Mit Marterlforscher Rudolf Großmann geht es in der Serie "Vohenstraußer Flurdenkmäler" diesmal zu einem zunächst eher unscheinbaren Exemplar. "Das Schanzel ist der Rest eines alten Burgstalls. Er besteht aus einem viereckigen Kern, der oben abgeplattet ist und etwa zehn Meter Seitenlänge hat. Alle vier Seiten haben heute noch steile Böschungen. Um dieses Kernwerk zieht ein tiefer Graben, an dessen Außenwand ehemals ein Wall vorgelagert war, der die ganze Anlage umspannte", informiert Großmann.

Nur noch Reste erhalten


Vom Wall sind allerdings nur noch Reste erhalten. Die an der West-, Nord- und Ostseite anstoßenden Felder haben ihm schon stark zugesetzt. Der innere Hügel war bis zu neun Metern hoch und hatte einen Durchmesser von zwölf Metern. Der Umfang des Wallgrabens betrug rund 100 Meter. Innerhalb einer quadratisch angelegten Wallanlage mit einer Palisadenbefestigung von etwa 40 mal 40 Metern befand sich ein Hügel, auf dem ein hölzerner Turm stand. Die Turmhügel gehören zu den ältesten Adelssitzen.

Besonders die durch den Investiturstreit ausgelösten Kämpfe veranlassten den Adel, seine Sitze zu befestigen. Mit dem letzten Drittel des elften Jahrhunderts begann die eigentliche Zeit des Burgenbaus. Nach dem Verschwinden der Burg auf dem Fahrenberg etwa nach 1212 entstanden die Burgen Waldthurn, Waldau und Pleystein, berichtet Großmann.

Die Anlage bei Untertresenfeld gibt es seit dem elften Jahrhundert, vermutet der Heimatforscher. Sie befindet sich an der Kreuzung zweier Altstraßen. Das "Schwedenschanzl" ist 1396 in einem Leuchtenberger Lehensbuch erstmals urkundlich erwähnt. Die Schweden bauten dort angeblich während des Dreißigjährigen Kriegs (1618 bis 1648) eine feste Stellung. Dabei hatten sie Untertresenfeld zerstört, das damals aus acht Häusern und einer Mühle bestand.

Eine andere Überlieferung berichtet, dass um 1799 von Martini bis zum Frühjahr im Schloss Waldau ein Militärhospital für bayerische Truppen eingerichtet war. Plötzlich habe hier der Typhus oder die Ruhr zu wüten begonnen und in kurzer Zeit 300 Soldaten hinweggerafft. Diese Opfer seien dann im "Schwedenschanzl" begraben worden.

Dass sich bereits der vorgeschichtliche Mensch der Steinzeit in dieser Gegend aufgehalten hat, beweisen Hornsteine, die beim Schanzel und bei Waldthurn gefunden wurden. Im Herbst 1955 entdeckte der Brennmeister des Schlossguts Waldau unweit des Schanzel eine Münze mit der Jahreszahl 1614. Bei Nachgrabungen an der Talsohle, die schon Jahrzehnte zurückliegen, kamen viele menschliche Skelette, aber auch Knochen von Pferden sowie Hufeisen zum Vorschein.

"Wegen dieser Funde glaubte man, dass hier einmal ein Gefecht stattgefunden habe, und dass diese Gebeine von Gefallenen des Schwedenkrieges herrührten. Dem ist allerdings nicht so", weiß Großmann. Im 15. und 16. Jahrhundert und dann wieder im Dreißigjährigen Krieg, besonders nach der Einnahme von Weiden durch die Schweden 1634, wütete die Pest in der Gegend. Weiden war übervölkert mit Leuten aus der Umgebung, die zu Schanzarbeiten herangezogen wurden. "Nach dem Volksmund sind im Schanzel die Pesttoten von Waldau begraben."

Lohnendes Ausflugsziel


Im Winter fällt dem Autofahrer etwas Besonderes auf: "Wenn alles verschneit und vereist ist, gibt es beim Schanzel ein kurzes Straßenstück, das als erstes wieder schnee- und eisfrei wird. Die Waldauer denken, dass unter der Erde ein Gewölbe oder ein Keller sein muss", erklärt der Marterlexperte. 1989 und 1991 hatten Vohenstraußer Hauptschüler mit ihrem Lehrer und Kreisheimatpfleger Peter Staniczek den Wildwuchs ausgelichtet. Tourismusbüroleiter Rudolf Gruber bezeichnete das Areal damals als "lohnendes Ausflugsziel".
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