Vohenstraußer Flurdenkmäler
Leichenzug wie ein Spuk

Das Förster-Kreuz, der Bildstock Schönberger und das Rom-Marterl (von links) sind Zeitzeugen in Kaimling. Heimatforscher Rudolf Großmann hat ihre Geschichten gesammelt. Bilder: hfz (5)
Vermischtes
Vohenstrauß
02.04.2016
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Das Förster-Kreuz, der Bildstock Schönberger und das Rom-Marterl (von links) sind Zeitzeugen in Kaimling. Heimatforscher Rudolf Großmann hat ihre Geschichten gesammelt. Bilder: hfz (5)

Die Serie "Vohenstraußer Flurdenkmäler" führt diesmal nach Kaimling. Dort befinden sich zehn Marterln, Feldkreuze und Gedenksteine. Über zwei wusste Heimatforscher Rudolf Großmann bisher nichts, eines erzählt eine gruselige Geschichte.

Kaimling. Das Förster-Kreuz steht am nördlichen Ortseingang an der Straße von Waldau nach Kaimling. Therese Wiedermann erzählte Großmann folgende Überlieferung: Ihr Großvater Adam Faltenbacher ging als junger Mann einmal zu später Abendstunde trotz Verbots seines Vaters alleine nach Roggenstein zum Tanzen.

Gut überstanden


"Auf dem Wege dorthin zog hinter ihm wie ein Spuk ein Leichenzug, begleitet von Männern, Frauen und Kindern, vorbei. Auf dem Tanzboden gefiel es ihm nicht lange. Er ging im Fußsteig übers Hammermühlholz wieder heim. An der Stelle angelangt, wo jetzt das Feldkreuz steht, rollte plötzlich ein Schubkarren hinter ihm her, kippte um und blieb liegen." Weil er die beiden Schrecken gut überstanden hatte, soll deswegen 1912 ein Feldkreuz aufgestellt worden sein. Das jetzige soll bereits das zweite sein, es dürfte aus dem Jahr 1959 stammen, vermutet der Marterlexperte.

Über den Bildstock Schönberger am östlichen Ortsrand wusste Großmann bisher nichts. Der Urgroßvater des heutigen Besitzers Josef Schönberger hatte etwa 1885 den Bildstock errichtet. Er war Mauerer und wurde bei einem Arbeitsunfall durch eine Eisenträger schwer am Kopf verletzt. Er hatte sich geschworen, nach der vollkommenen Genesung einen Bildstock zu errichten. Der Stifter starb 1926. Der Bildstock ist aus Beton, die Figuren aus Gips. Im Sockel war früher auch ein Opferstock. Im vergangenen Jahr wurden die Figuren renoviert.

Das Rom-Marterl befindet sich am südwestlichen Ortsrand. Besitzer Georg Rom berichtete, dass sein Vater beim Dreschen vom Riemen der Dreschmaschine erfasst worden war. Es wurden ihm sämtliche Kleider vom Leibe gerissen, er wurde an die Holztreppe geschleudert und blieb bewegungslos liegen. Ein Arzt musste geholt werden. Nach längerer Krankheit ist der Verletzte wieder genesen. Aus Dankbarkeit ließ er das Marterl zur Ehre Gottes aufstellen. Wann genau das war, weiß Großmann nicht, 1978 wurde es saniert.

Jesusfigur für 3000 D-Mark


Auch über das Feldkreuz Hölzl 700 Meter südwestlich von Kaimling hatte der Heimatforscher noch keine Informationen. Heutiger Besitzer ist Hölzl Josef junior aus Vohenstrauß. Der vor vier Jahren verstorbene Josef Hölzl kaufte etwa 1964 auf der Herrnmühle ein Stück Grund und ließ dort das Feldkreuz aufbauen. Es soll um 1975 renoviert worden sein. Etwa 1988 besorgte er sich in Südtirol eine handgeschnitzte, etwa 1,45 Meter große Christusfigur. Sie kostete damals 3000 D-Mark. Der Gefallenengedenkstein Zahner in der Ortsmitte erinnert seit 1918 an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Vitus und Josef Zahner. Das Marterl wurde innerhalb des Grundstücks an der Webergasse 2 um einige Meter verschoben, wo es seitdem steht.

Übel zugerichtet


Das Feldkreuz Spickenreuther am nordwestlichen Ortsrand ist leider sehr zugewachsen. Der heutige Besitzer erklärte Großmann, dass sein Vater an dem Steilhang beim Pflügen hinuntergestürzt war und sich übel zugerichtet hatte. Weil weiter nichts passierte, ließ er an der Stelle aus Dankbarkeit das Feldkreuz errichten. Seit 1895 steht das Feldkreuz Waldhier zur Ehre Gottes am südlichen Ortsrand an der Straße nach Leuchtenberg unter zwei Linden.

Das große Feldkreuz nordöstlich von Kaimling auf dem Böbenbühl ist verdankt seine Existenz der Anregung der Bevölkerung anlässlich der neuen Brücke und der Umgehungsstraße. 1964 hatten die Begradigung der Ortsumgehungsstraße und der Bau einer Brücke über die Luhe begonnen. Bei der Einweihung von Straße und Brücke wurde das Holzkreuz errichtet. Einen Kilometer nordöstlich von Kaimling befindet sich vermutlich seit 1976 ein Denkmal mit Feldkreuz. Viele Kaimlinger kennen es allerdings nicht, sagt Großmann. Ein weiteres Flurbereinigungsdenkmal steht seit 1970 an der Straße nach Leuchtenberg.
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