Vohenstraußer Flurdenkmäler
Vor weiterem Verfall gerettet

Das Moltan-Marterl (links) befindet sich seit vier Jahren wieder fast an der alten Stelle. Das Wegkreuz (rechts) steht exponiert an der Straße nach Matzlesrieth. Es stammt aus dem Jahr 1860. Bilder: tss (4)
Vermischtes
Vohenstrauß
20.05.2016
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Das Moltan-Marterl (links) befindet sich seit vier Jahren wieder fast an der alten Stelle. Das Wegkreuz (rechts) steht exponiert an der Straße nach Matzlesrieth. Es stammt aus dem Jahr 1860. Bilder: tss (4)

Das Moltan-Marterl fristete sechs Jahre ein trübseliges Dasein. Zerbrochen in drei Teile lag es im Bauhof, die Geschichte war auch bereits Gegenstand unserer Serie "Vohenstraußer Flurdenkmäler". Der Bericht hat wohl etwas bewirkt.

Roggenstein. Seit einiger Zeit steht es fast wieder an der alten Stelle. Heimatforscher Rudolf Großmann hat in seiner Marterl-Datenbank viele Informationen über den Moltan-Bildstock oberhalb des Fußballplatzes. Es war 1910 aufgestellt worden, der Grund ist allerdings nicht bekannt. 1978 folgte eine Renovierung. 2006 hatte es ein Lastwagen umgefahren, wobei es zerbrach. Im September 2011 erschien der erste Bericht über das Marterl. Bauhofleiter Karl Frey bestätigte Großmann daraufhin, dass er es mit Hilfe des OWV renovieren werde. Seit März 2012 steht der Bildstock einige Meter nordwestlich des Originalstandorts. Das Bild stammt von Kirchenmalerin Monika Müllner aus Pleystein.

Bilder verwechselt


Etwas oberhalb befindet sich das Wolfrath-Marterl . Es wurde 1925 errichtet und ist jedes Jahr am Pfingstmontag Ziel der Flurprozession. Bei einer Renovierung 2005 war das Bild verschwunden, aber ersetzt worden. Im Oktober 2011 entdeckte Großmann wiederum ein anderes Motiv. Grund für die Gemälde-Fluktuation: Bei der Restaurierung des Moltan-Marterls muss es wohl zu einer Verwechslung gekommen sein, und "Frey ließ das neue Wolfrath-Bild als Entschädigung anfertigen", schmunzelt der Heimatforscher.

Ebenfalls am nordwestlichen Ortsrand steht das Bäumler-Feldkreuz . Es ist stark eingewachsen und fast nicht zu finden. Familie Bäumler ließ es zur Ehre Gottes und zum Gedenken an einen im Zweiten Weltkrieg gefallenen Sohn beziehungsweise Bruder errichten. Renoviert wurde es 1978. Heute ist es jedoch in keinem besonders guten Zustand. Es besteht offenbar aus zwei alten Grabsteinen. Der Sockel ist aus Granit, das Kreuz aus einem anderen Stein gefertigt. Außerdem fehlt der Herrgott. Großmann vermutet, dass er gestohlen wurde. Das Kreuz wackelt, was aus der gewaltsamen Entfernung der Christusfigur herrühren könnte. Auch die Beschriftung im Sockel ist kaum mehr lesbar.

Der Zell-Bildstock steht seit 100 Jahren zur Ehre Gottes am nordöstlichen Ortsrand von Roggenstein. Bei diesem Marterl wird alle zwei Jahre am Pfingstmontag beim Flurumgang ein Altar errichtet. Gleich gegenüber, im Garten vor dem Haus von Karl Voigt, steht ein nachmittelalterliches Steinkreuz . Es könnte ein Sühnekreuz gewesen sein, aber auch ein Grenzstein oder eine Wegmarkierung, denn es stand direkt an der Kreuzung zweier uralter Straßen.

Schutz vor Gewittern


Das Wegkreuz an der Straße nach Matzlesrieth hatte als weithin sichtbare Land- und Wegemarke früher wohl ebenfalls die Funktion eines Wegweisers. "Es soll auch eine Art Wetterkreuz gewesen sein, das den Ort vor schweren Gewittern schützen soll, was durch die Lage durchaus verständlich ist", meint der Marterlexperte. Errichtet wurde es 1860. Bis zur Flurbereinigung 1972 war es auch Altarstation der Fronleichnamsprozession. Kirchenmaler Wolfgang Lützer aus Wittschau restaurierte vor 15 Jahren das Blechschnittkreuz mit den Figuren von Christus und Maria und rettete es so vor dem weiteren Verfall. Der damalige Kirchenpfleger Manfred Zeitler sagte 2001 bei der Weihe des renovierten Flurdenkmals: "Erst wenn wir solche Kreuze nicht mehr haben, werden wir wissen, was wir verloren haben."

2001 stellten Raimund Fraunholz, Robert Rappl und Anton Maier neben dem Feuerwehrhaus einen hölzernen Dorfbrunnen auf. Im Laufe der Jahre ging er jedoch kaputt. Seit 2012 ist der Wasserspender deshalb aus Granit.

Gelübde erfüllt


Zur Marienkapelle auf dem Steinbühl führt an jedem letzten Sonntag im Mai eine Lichterprozession. Georg Fiedler erfüllte 1925 sein Gelübde, ein Kirchlein zu bauen, wenn sein einziger Sohn gesund aus dem Ersten Weltkrieg heimkehren würde. Vor acht Jahren ließ der jetzige Besitzer Hans Ram aus Irchenrieth die Kapelle vollständig renovieren. Sie lädt auch Wanderer zum Verweilen ein. Lohn ist ein herrliche Rundblick zum Fahrenberg, über Waldau und Altenstadt nach Vohenstrauß, zum Elm sowie über Roggenstein, Trauschendorf und Kaimling zur Burg Leuchtenberg. Etwas unterhalb im Gestrüpp befindet sich noch ein Gedenkstein , der an die Flurbereinigung erinnert.

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In und um Roggenstein gibt es insgesamt 18 Marterln und Flurdenkmäler. Für einen Bericht sind das natürlich viel zu viele, deswegen folgt demnächst ein zweiter Teil. Rudolf Großmann ist über jede Art von Hinweisen zu Marterln in der Großgemeinde dankbar. Er ist unter Telefon 09651/9180142, Fax 09651/1321 oder E-Mail rudolf.grossmann@web.de zu erreichen.
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