Vohenstraußer Flurdenkmäler
Zeuge schrecklicher Schicksale

Der Kindl-Gedenkstein (links) erinnert an zwei tragische Todesfälle. Das Minnerow-Denkmal befindet sich in einem schwer zugängliche Wäldchen bei Waldau. Einen neuen Standort lehnt Familie von Heemskerck, der der Stein gehört, ab. Das Foto stammt aus dem Archiv von Rudolf Großmann. Bilder: tss (3)
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Vohenstrauß
19.08.2016
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Der Kindl-Gedenkstein (links) erinnert an zwei tragische Todesfälle. Das Minnerow-Denkmal befindet sich in einem schwer zugängliche Wäldchen bei Waldau. Einen neuen Standort lehnt Familie von Heemskerck, der der Stein gehört, ab. Das Foto stammt aus dem Archiv von Rudolf Großmann. Bilder: tss (3)

In der Serie "Vohenstraußer Flurdenkmäler" geht es diesmal um Waldau. Dort steht unter anderem der wohl eigenartigste Bildstock der Großgemeinde. Ein anderer Stein lässt nichts Gutes ahnen.

Waldau. Obwohl der Reil-Bildstock an der Straße nach Roggenstein am südwestlichen Ortsrand von Waldau 2,50 Meter hoch ist, stieß Rudolf Großmann eher per Zufall darauf. Im Vorbeifahren war die zweiteilige Betonsäule mit der Aufschrift "Der Friede Gottes ist unser Trost" und einer spitzen Haube aus Blech auf den ersten Blick nämlich nicht als Flurdenkmal zu erkennen. Seit wann es dort steht, weiß der Marterlforscher nicht.

Völlig unschuldig


Das Kindl-Marterl an der Abzweigung nach Kaimling ist ein 2,89 Meter hoher Granitstein, der von einer Hecke geschützt ist. Auf zwei Tafeln steht: "Hansi kam am 10.01.1985 im Blütenalter von 23 Jahren, auf der Autobahn bei Schwarzenfeld bei einer Tankwagenexplosion ums Leben. Rudi kam am 31.10.1991 im Blütenalter von 18 Jahren, mit dem Tankwagen, bei der Abzweigung Albersrieth, bei einem Verkehrsunfall, auf völlig unschuldige Weise ums Leben."

Großmann kennt die schrecklichen Geschichten: Am 10. Januar 1985 starb der 24-jährige Johann Kindl an der Autobahn-Ausfahrt Schwarzenfeld. Er hatte versucht, die eingefrorene Dieselzuleitung seines liegengebliebenen Tanklastzugs mit einer Lötlampe wieder aufzutauen. Dabei explodierte der noch leere Tank. Am Nachmittag des 31. Oktober 1991 kam es auf der Staatsstraße in Richtung Vohenstrauß auf Höhe der Abzweigung nach Albersrieth zu einem verhängnisvollen Verkehrsunfall. Der 18-jährige designierte Juniorchef der Firma Brennstoffe Kindl, Rudi Götz, fuhr hinter einem Lastwagen mit einem Förderband, der nach links abbiegen wollte. Dabei krachte das Förderband gegen das Führerhaus, Götz erlag noch an der Unfallstelle seinen Verletzungen. Einige Zeit später stand an der Unglücksstelle rechts neben der Fahrbahn in Richtung Vohenstrauß ein hölzernes Feldkreuz der Familie Kindl, das später gegen das jetzige Steinmarterl ausgetauscht wurde.

Das Feldkreuz Krapf befindet sich 300 Meter am südöstlichen Ortsrand von Waldau. Der Vater von Gastwirt Josef Krapf hatte es errichten lassen, weil er aus dem Ersten Weltkrieg wieder gesund nach Hause gekommen war. Das Oberteil des Kreuzes und der Herrgott wurden nach 1978 abgebrochen oder gestohlen. Im Juni 2016 wurde das Kreuz renoviert. Auf dem ebenfalls gereinigten Stein steht "Gewidmet von Familie Krapf 1932".

Das Feldkreuz Kick steht vermutlich seit 1958 am südwestlichen Ortsrand von Waldau. Der Stein lag ohne Inschrift in einer Ecke des Waldauer Friedhofs. Das Kreuz wurde laut eines Zeitungsberichts beim Bau der Umgehungsstraße versetzt. Den alten Standort kennt Großmann nicht. Das Ertl-Marterl steht am südwestlichen Ortsrand von Waldau an der Abzweigung zu den Weihern bei einem Stodel. Der Grund der Errichtung ist unbekannt, wahrscheinlich aber zu Ehren der heiligen Mutter Gottes und im Gedenken an Hans Süß, der gegen Ende des Zweiten Weltkriegs am 17. Mai 1945 fiel. Im Juli 2012 besserte ein Feriengast der Familie Ertl das Bild aus.

Kaum zu erreichen


Das Minnerow-Denkmal in einem kleinen Wäldchen 200 Meter nordöstlich von Waldau ist wegen eines Maisfelds momentan kaum zu erreichen. Auf der Marmorplatte steht: "Zur Erinnerung an meinen geliebten Vater Herrn Felix Franz Minnerow kgl. Baijr. Oekonomierath u. Gutsherrn auf Schloß Waldau. Freifrau Marie von Imhoff 1890". 2015, zum 125. Geburtstag, wollte Großmann mit den Waldauern einen geeigneteren Platz für den Gedenkstein finden. Er gehört der Familie von Heemskerck, die eine Umsetzung strikt ablehnt.

Trauriges Dasein


Ein trauriges Dasein fristet das Feldkreuz Forster 400 Meter nordwestlich von Waldau Richtung Iltismühle. Es durfte nicht renoviert werden, weil der Besitzer wegen der Flurbereinigung verbittert und enttäuscht war. Im Mai 2012 fand es Großmann vollkommen zerstört vor. Nach Auskunft eines Waldauers hatten es Kinder umgeworfen. Die Tochter des Eigentümers, Elisabeth Forster, war zwar mit der Restaurierung einverstanden und wollte auch nach dem abgebrochenen Kreuz suchen. Getan hat sich bisher jedoch nichts. Auch das Dorner-Marterl am südöstlich Ortsrand von Waldau ist "ein "Flurbereinigungs-Opfer", bedauert Großmann. Der Grund der Errichtung im Jahr 1900 ist unbekannt. "Der ehemalige Besitzer nimmt sich des Marterls nicht mehr an. Es gehört jetzt zur Stadt Vohenstrauß."

Die drei Kreuze nahe Altenstadt unter einer Baumgruppe beim Bahnübergang an der Straße nach Vohenstrauß gehören noch zu Waldau und stehen dort seit mindestens 1836, vermutlich aber schon länger, "da sie auf der Uraufnahmekarte bereits eingetragen sind", sagt Großmann. 1985 wurden sie renoviert und nach Kanalarbeiten 1988 aufgestellt. Maler Georg Wewior gestaltete die Blechschnittfiguren Jesus, Maria sowie den rechten und linken Schächer.
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